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Finanzkrise in Amerika : 700 Milliarden Dollar für Rettungsplan

  • Aktualisiert am

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz Bild: AFP

Die amerikanische Regierung will in den kommenden zwei Jahren nach Medienberichten 700 Milliarden Dollar für die Bewältigung der Finanzkrise aufwenden. Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisiert den Rettungsplan in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung als „ungeheuerlich“.

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          Die amerikanische Regierung will dem ins Trudeln geratenen Finanzsektor mit 700 Milliarden Dollar - rund 493 Milliarden Euro - für einen Zeitraum von zwei Jahren unter die Arme greifen. Das berichtete der Fernsehsender CNN am Samstag unter Berufung auf ein dreiseitiges Dokument, das dem Kongress vorlag. Das Papier soll anscheinend die Grundlage von Beratungen von Parteipolitikern und Regierungsvertretern über das Rettungspaket sein, dem der Kongress zustimmen muss. Andere Medien nannten am Samstag dieselbe Zahl.

          Zuvor hatten republikanische Politiker sogar Kosten der Rettungsaktion von bis zu einer Billion Dollar antizipiert. Die Regierung will mit dem Geld Hypotheken für Wohn- und Geschäftsimmobilien sowie mit Hypotheken besicherte Wertpapiere erwerben.

          Stiglitz: „Das ist ungeheuerlich“

          Der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisiert die Rettungspläne der amerikanischen Regierung zur Finanzkrise. „Das ist nur eine kurzfristige Lösung“, sagte Stiglitz der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.). „Man legt die riskanten Anlagen in die Hände der Steuerzahler.“ Kein privater Investor wolle diese Anlagen haben, „aber dem Steuerzahler drückt man sie auf. Das ist ungeheuerlich.“

          Nach Einschätzung von Stiglitz ist die Finanzkrise längst nicht ausgestanden: „Es gibt eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass es bald wieder eine Bank trifft.“ Der Wirtschaftsprofessor, der zurzeit an der Columbia-Universität in New York lehrt, sieht nun mit der Krise „das Ende eines desaströsen Geschäftsmodells“ gekommen. Er spricht zudem vom „Ende der Ideologie, dass freie, deregulierte Märkte immer funktionieren“. Amerikas Finanzsystem sowie die Regierung hätten ihre Glaubwürdigkeit verloren, sagte Stiglitz der F.A.S.

          Pelosi: Werden schnell handeln

          Schon am Freitagabend hatte der amerikanische Präsident Bush die Steuerzahler auf hohe Kosten für die geplante Banken-Rettungsaktion eingestimmt. „Diese Maßnahmen erfordern es, eine beträchtliche Summe Geld der Steuerzahler zur Verfügung zu stellen“, sagte er in Washington. Nach Angaben des republikanischen Senators Shelby könnte der Plan gar bis zu einer Billion Dollar kosten. Bush gestand ein, dass das Paket ein Risiko für die Steuerzahler und die Regierung sei. Noch größer sei aber das Risiko, wenn nicht gehandelt werde. Bush zeigte sich zugleich überzeugt, dass das Geld zurückfließen werde.

          Die demokratische Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, sagte ein schnelles und parteiübergreifendes Vorgehen der Abgeordneten zu. Eine Entscheidung solle in der kommenden Woche fallen.

          Paulson: Probleme an der Wurzel packen

          Finanzminister Henry Paulson hatte gesagt, das Rettungspaket sei nötig, um die Krisenpapiere vor allem aus dem kollabierten Hypothekenmarkt zu beseitigen, die auf den Finanzinstituten und der Wirtschaft lasteten. Das Programm müsse groß genug sein, um einen deutlichen Erfolg zu zeigen „und die Probleme an der Wurzel zu packen“. Zugleich müssten die Steuerzahler so weit wie möglich geschützt werden.

          Im Mittelpunkt des Vorhabens, das Paulson und Notenbankgouverneur Ben Bernanke am Donnerstagabend mit Präsident George Bush und auch mit der Führung des Kongresses besprochen haben, steht die Übernahme fauler Kredite und illiquider Wertpapiere von Finanzinstituten durch die Regierung. Die Regierung hofft, auf diese Weise das Vertrauen zwischen den Marktakteuren wiederherzustellen und die gegenseitige Kreditgewährung wieder in Gang zu bringen. Eine allgemeine Kreditklemme, die der Wirtschaft insgesamt großen Schaden zufügen würde, soll so abgewendet werden.

          Wie es heißt, könnten bis zu einer halben Billion Dollar allein zum Kauf dieser Vermögenswerte ausgegeben werden. Damit könnte eine staatliche Auffanggesellschaft beauftragt werden, die in ähnlicher Weise arbeitet wie die während der Sparkassenkrise Ende der achtziger Jahre geschaffene Resolution Trust Company (RTC). Allerdings würde die neue Gesellschaft die Papiere wohl nur zu einem deutlichen Preisabschlag übernehmen und später versuchen, dafür neue Käufer auf dem Kapitalmarkt zu finden.

          50 Milliarden Dollar für Einlagensicherung

          In einem ersten weitreichenden Schritt richtet der Staat eine Einlagensicherung für die unter Druck geratenen Geldmarktfonds ein. Dazu sollen bis zu 50 Milliarden Dollar bereitgestellt werden. Anleger hatten zuletzt große Summen aus den Geldmarktfonds abgezogen. Dadurch gerieten Fondsgesellschaften und andere Finanzhäuser in große Schwierigkeiten.

          Die Flucht auch aus diesen vergleichsweise sicheren Papieren zeigt das Ausmaß der Vertrauenskrise. Die geplante Einlagensicherung gleicht den auch in Deutschland üblichen Garantien für Sparbücher und Girokonten. Sie soll wieder Vertrauen herstellen. Das Garantieprogramm soll zunächst für ein Jahr gelten. Die beteiligten Fondsgesellschaften und Finanzhäuser müssen für die Teilnahme an dem Programm Geld aufbringen. Derzeit verwalten Geldmarktfonds in Amerika ein Vermögen von rund 3,4 Billionen Dollar.

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