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Finanzkrise : Der Staat und die böse Bank

  • -Aktualisiert am

Anlehnen bei der staatlichen Bank Bild: Dieter Rüchel

Die Banken sind in Gefahr. Jetzt fordern sie eine gewagte Rettung. Der Staat soll ihre schlechten Wertpapiere kaufen und in einem Institut bündeln: der „Bad Bank“. Das ist teuer und belohnt die Täter.

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          Die Ruhe des Jahreswechsels währte nur kurz. Kaum hatten Regierung und Banken ihre Geschäfte wieder aufgenommen, folgte eine Hiobsbotschaft der nächsten. Die Commerzbank braucht Injektionen vom Staat. Die Hypo Real Estate soll womöglich zerschlagen werden, die Deutsche Bank überrascht mit einem riesigen Verslust. Wenn die Banken im Februar ihre Zahlen für das letzte Quartal 2008 verkünden, sollten sich empfindsame Geister lieber die Ohren zuhalten.

          Eins ist klar: Die Hilfen, die der Staat bis jetzt gegeben hat, reichen nicht. Das Vertrauen kehrt nicht zurück. Die Politiker sind nervös. Und die Bankvorstände drängen, das Rettungspaket zu überdenken. Eine neue Idee wird diskutiert. Doch sie klingt seltsam vertraut: Der Staat nimmt viel Geld in die Hand, kauft den Banken ihre schlechten Wertpapiere ab und bringt dadurch den Finanzmarkt in Schwung. Genau das war der Vorschlag, mit dem die Bankenrettung in Amerika einst begonnen hat.

          Jetzt, vier Monate später, sind die Deutschen wieder dort angekommen. Sie diskutieren über die sogenannte „Bad Bank“. So nennen Banker ein Institut, in dem schlechte Wertpapiere gebündelt werden. Josef Ackermann soll schon kurz vor Weihnachten angeregt haben, dass der Staat eine solches Institut gründet und dort den Sondermüll des Finanzwesens entsorgt.

          Vom Vorschlagen zum Drängeln

          Mittlerweile sind viele Banker davon überzeugt und vom Vorschlagen zum Drängeln übergegangen. Sogar der Chef der amerikanischen Notenbank Ben Bernanke hält eine Bad Bank für bedenkenswert. Thomas Straubhaar vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinistut (HWWI) sagt: „Aus reiner Finanzmarktsicht ist die Bad Bank die beste Lösung. Sie trennt klar gute von schlechten Krediten.“ Die schlechten bekäme der Staat, die guten behielten die Banken. Die Bad Bank könnte sich auf die Abwicklung der schlechten Papiere konzentrieren, die anderen Banken könnten bei Null beginnen.

          Auf lange Sicht, glaubt Straubhaar, könnte die Bad Bank sogar billiger sein als die derzeitige Strategie, den Banken – je nach Bedarf – immer wieder Geld zuzuschießen. „Stetiges Hinterherhecheln hinter den Tatsachen ist immer teurer als die Big Bang Lösung“, sagt er. Dazu kommt: Erfahrungen mit Bad Banks in Schweden und Japan zeigen, dass Papiere, die in der Krise als giftig gelten und kaum noch etwas wert sind, häufig nach einigen Jahren wieder an Wert gewinnen. Der Staat könnte – so der Traum der Bad-Bank-Befürworter – sich am Schluss sein Geld wieder zurückholen.

          Mehr als ein Sündenfall

          Trotzdem lehnt Ökonom Straubhaar – wie die meisten seiner Kollegen – eine Bad Bank in Staatshand ab. Sein Argument: „Sie würde das Band zwischen Verantwortung und Haftung vollkommen zerschneiden.“ Diejenigen, die die Krise verursacht hätten, müssten nicht mehr helfen, sie zu bewältigen. „Das wäre aus ökonomischer Sicht mehr als ein Sündenfall.“ Straubhaar meint das nicht moralisch, obwohl die Frage der Verantwortung der Banker gerne unter der Überschrift Schuld und Sühne diskutiert wird. „Solche Gefühle sollten bei der Diskussion keine Rolle spielen“, findet Straubhaar. Es geht ihm um die Zukunft. Wenn der Staat nämlich heute alle großen Risken übernimmt, rechnen die Banken auch für die Zukunft damit – und legen womöglich noch riskanter an.

          Es gibt auch ganz praktische Schwierigkeiten der Bad Bank. Die wichtigste lautet: Wie hoch soll der Preis für die Schrottpapiere sein? Kauft der Staat sie zu dem Wert, zu dem sie in den Bilanzen stehen, dann machen die Banken keinen Verlust – aber der Staat verliert viel Geld, wenn er den Giftmüll wieder los werden will. Kauft der Staat die Papiere stattdessen mit Abschlägen, dann müssen die Banken hohe Summen abschreiben und dem Finanzsystem ist nicht geholfen. In Amerika sind die Pläne für eine „Bad Bank“ vor allem an solchen Bewertungsfragen gescheitert.

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