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Finanzkrise : Amerika schmiedet Rettungsplan

  • -Aktualisiert am

Finanzminister Henry Paulson Bild: AP

Die Regierung will für Hunderte Milliarden Dollar faule Kredite von Finanzinstituten kaufen. Es wäre der größte Eingriff in den Markt seit der Großen Depression der dreißiger Jahre.

          2 Min.

          Die amerikanische Regierung bereitet einen Rettungsplan für die Finanzmärkte vor, der der weitreichendste Eingriff in das Finanzsystem seit der Großen Depression der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wäre. Noch an diesem Wochenende sollen die Details einer Reihe von Maßnahmen geklärt werden, mit denen Washington einen Zusammenbruch des angeschlagenen Finanzsystems verhindern will.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Im Mittelpunkt des Vorhabens, das Finanzminister Henry Paulson und Notenbankgouverneur Ben Bernanke am Donnerstagabend mit Präsident George Bush und auch mit der Führung des Kongresses besprochen haben, steht die Übernahme fauler Kredite und illiquider Wertpapiere von Finanzinstituten durch die Regierung. Die Regierung hofft, auf diese Weise das Vertrauen zwischen den Marktakteuren wiederherzustellen und die gegenseitige Kreditgewährung wieder in Gang zu bringen. Eine allgemeine Kreditklemme, die der Wirtschaft insgesamt großen Schaden zufügen würde, soll so abgewendet werden. Wie es heißt, könnten bis zu einer halben Billion Dollar zum Kauf dieser Vermögenswerte ausgegeben werden. Damit könnte eine staatliche Auffanggesellschaft beauftragt werden, die in ähnlicher Weise arbeitet wie die während der Sparkassenkrise Ende der achtziger Jahre geschaffene Resolution Trust Company (RTC). Allerdings würde die neue Gesellschaft die Papiere wohl nur zu einem deutlichen Preisabschlag übernehmen und später versuchen, dafür neue Käufer auf dem Kapitalmarkt zu finden.

          50 Milliarden Dollar für Einlagensicherung

          In einem ersten weitreichenden Schritt richtet der Staat eine Einlagensicherung für die unter Druck geratenen Geldmarktfonds ein. Dazu sollen bis zu 50 Milliarden Dollar bereitgestellt werden. Anleger hatten zuletzt große Summen aus den Geldmarktfonds abgezogen. Dadurch gerieten Fondsgesellschaften und andere Finanzhäuser in große Schwierigkeiten. Die Flucht auch aus diesen vergleichsweise sicheren Papieren zeigt das Ausmaß der Vertrauenskrise. Die geplante Einlagensicherung gleicht den auch in Deutschland üblichen Garantien für Sparbücher und Girokonten. Sie soll wieder Vertrauen herstellen. Das Garantieprogramm soll zunächst für ein Jahr gelten. Die beteiligten Fondsgesellschaften und Finanzhäuser müssen für die Teilnahme an dem Programm Geld aufbringen. Derzeit verwalten Geldmarktfonds in Amerika ein Vermögen von rund 3,4 Billionen Dollar.

          Die Börsenaufsichtsbehörde, die Securities and Exchange Commission (SEC), hat unterdessen ab sofort bis zum 2. Oktober sämtliche Leerverkäufe von Finanztiteln untersagt. Schon am Mittwoch hatte die SEC den Missbrauch mit ungedeckten Leerverkäufen („naked short selling“) unter Strafe gestellt. Danach mussten Verkäufer am Abwicklungstermin die verkauften Aktien tatsächlich liefern. Beim sogenannten „short selling“ trennt sich ein Verkäufer von Aktien, die er nicht besitzt – und spekuliert so auf sinkende Aktienkurse. Bei gedeckten Leerverkäufen leiht er sich die Aktien und kauft sie zu einem späteren Zeitpunkt billiger zurück, um sie dem Verleiher zurückzugeben. Bei ungedeckten Leerverkäufen verkauft er die Aktien, ohne sie sich vorher zu leihen. Noch vor der Abwicklung des Leerverkaufs deckt er sich mit den Aktien billiger ein. Diese Art von Geschäften kann den Kursverfall einer Aktie erheblich beschleunigen. Am Freitag stoppte die SEC nun auch sämtliche Leerverkäufe von Aktien von 799 Finanzinstituten. Bei Bedarf könnte dieses generelle Verbot um zehn Tage verlängert werden; es kann aber nicht länger als 30 Kalendertage gelten.

          Finanzminister Paulson äußerte sich nach einem Gespräch mit Demokraten und Republikanern im Kongress zuversichtlich, dass ein solches Rettungspaket, das eines Gesetzes bedarf, zügig geschnürt werden kann: „Amerika hat sich in unserer Unterredung von seiner besten Seite gezeigt.“ Paulson sagte, sowohl das Finanzministerium als auch die in staatliche Obhut genommenen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae würden zusätzliche Hypothekenanleihen von Banken kaufen. Indem sie weitere Anleihen erwerben, die mit Forderungen aus diesen Darlehen besichert sind, soll dem Hypothekenmarkt neuer Schwung gegeben werden.

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