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Finanzinstitute : Direktbanken müssen ihre Kräfte bündeln

Neuer DAB-Eigentümer: die BNP Paribas in Frankfurt Bild: F1online

Die französische Großbank BNP Paribas erwirbt die DAB Bank. Unter den Internetbanken trennt sich die Spreu vom Weizen. Das Wachstum schwächt sich ab, und gleichzeitig muss investiert werden.

          3 Min.

          Die Wunderkinder der Banken im Internet-Zeitalter sind in die Jahre gekommen. Nun stehen die Direktbanken vor einem Umbruch. Das Wachstum wird schwächer, die niedrigen Zinsen belasten, und gleichzeitig stehen kostspielige Investitionen in die Vertriebstechnologie für mobile Geräte wie Smartphone oder Tablet-Computer (iPad) an. Die Hypo-Vereinsbank verkauft nun ihre Direktbank, die DAB Bank, an die französische BNP Paribas, die damit ihre Tochtergesellschaft Cortal Consors – eine der ältesten deutschen Direktbanken – verstärkt. Die Transaktion verdeutlicht, dass die Branche unter Druck gerät. Denn neue Konkurrenten aus dem Internet drängen in das Bankgeschäft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach einer Umfrage der auf Finanzdienstleistungen spezialisierten Beratungsgesellschaft Investors Marketing kann sich jeder dritte deutsche Privatkunde vorstellen, bei Internetunternehmen wie Paypal, Amazon oder Google ein Girokonto abzuschließen. Daneben rücken die klassischen Banken immer mehr von ihrem klassischen Filialvertrieb ab und investieren in die Digitalisierung. Bestes Beispiel ist die Hypo-Vereinsbank, die nun ihre Direktbank veräußert. Die Tochtergesellschaft der italienischen Unicredit will im Privatkundengeschäft die Hälfte der 600 Filialen schließen und 1500 Arbeitsplätze, also fast jede dritte Stelle, abbauen. Der physische Kontakt in der Filiale verliert an Bedeutung. Das ist ein Trend, dem auch Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken folgen. Sie investieren ebenfalls hohe Summen in die Digitalisierung, wollen aber an der Filiale als zentralem Mittelpunkt der Kundenbeziehung festhalten.

          Die neue Direktbank der BNP Paribas wird mit ihren gut 1,3 Millionen Kunden – 700.000 von Cortal Consors und 600.000 von DAB – die Nummer vier am deutschen Markt für Direktbanken sein. Für den Anteil von 81 Prozent zahlen die Franzosen an die HVB 354 Millionen Euro. Damit bauen sie ihr deutsches Privatkundengeschäft deutlich aus. Die mit Abstand größte Direktbank ist die ING-Diba mit gut 8 Millionen Kunden. Dahinter folgen die Comdirect der Commerzbank und die Deutsche Kreditbank (DKB) der Bayern LB. Beide zählen um die 2,8 Millionen Kunden. Die Übernahme zeigt, dass der Markt aufgrund der Herausforderungen in eine Konsolidierungsphase treten kann. Diese dürfte aber wohl eher noch kleinere Wettbewerber erfassen. Denn die vier großen Direktbanken sind schon jetzt dominant. Insgesamt gibt es 16 Millionen Kunden deutscher Direktbanken. Davon haben allein ING-Diba, DKB, Comdirect und die neue Cortal Consors 14 Millionen Kunden. Es ist möglich, dass ein Kunde mehrere Konten hat, also sowohl bei einer Filialbank als auch bei einer Direktbank oder auch bei mehreren Direktbanken gleichzeitig.

          Doch steht fest, dass die Zeiten des rasanten Wachstums vorbei sind. Die Direktbanken haben zwischen 1998 und 2013 ihre Kundeneinlagen von 10 Milliarden auf 214 Milliarden Euro vervielfacht. Der Marktanteil stieg von 0,9 auf 11,5 Prozent. Nach Ansicht von Investors Marketing werden Direktbanken weiterhin wachsen, aber langsamer. Zwischen 2003 und 2009 wuchsen die Kundenzahlen jährlich noch um fast 30 Prozent. Nun liegen die Steigerungsraten bei 6 Prozent. Zudem steht auch das Geschäftsmodell unter Druck. Die niedrigen Zinsen bringen die Wettbewerber unter Druck, die vor allem auf Einlagengeschäft gesetzt haben. Dazu zählen die 1822 Direkt, eine Tochtergesellschaft der Frankfurter Sparkasse, oder auch die ING-Diba. Die Tochtergesellschaft der niederländischen Bank ING zahlt aktuell auf das Tagesgeld einen Zins von 0,8 Prozent, womit sie sich nicht von Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken abhebt. Jedoch erzielt die ING-Diba weiterhin steigende Gewinne, weil ihr Kreditgeschäft mit Baufinanzierungen und Verbraucherdarlehen deutlich wächst.

          Derzeit hat für den ING-Konzern der Ausbau mobiler Plattformen hohe Bedeutung. Die niederländischen Kunden rufen ihren Konto- oder Depotstand fünfmal am Tag über ihr Smartphone auf. Die deutschen Kunden vertrauen dagegen noch stärker auf den Internetzugang. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gab Roland Boekhout, Vorstandsvorsitzender der ING-Diba, jüngst die Losung aus: „Mobile first“. Dagegen sei Internet-Banking etwas Konservatives, mit dem sich die Herren in den traditionellen Banken gerade anfreunden. Jedoch können diese Herren ab und zu Boekhout noch ärgern. Denn 80 Sparkassen und Volksbanken, durchweg in der Provinz, haben ihre Geldautomaten nach seinen Angaben für Kunden der ING-Diba gesperrt. Die Ortsbanken begründen dies mit den hohen Unterhaltskosten für Geldautomaten. Jedoch dürfte auch ein gewisser Neid eine Rolle spielen. Denn viele ihrer Kunden wechseln zur ING-Diba. Laut Broekhout gewinnt seine Bank in Deutschland zwischen 500000 und 600000 neue Kunden im Jahr.

          Der Begriff der Revolution wird immer noch sehr häufig verwendet. Inzwischen fragen sich auch die klassischen Banken, wie die technologischen Umbrüche ihr Geschäftsmodell verändern. In einer aktuellen Studie geht der DZ-Bank-Analyst Michael Stappel der Frage nach, ob die neuen Möglichkeiten des Internets die Banken in ihrer Kernfunktion als Finanzintermediäre, also als Vermittler zwischen Sparen (Einlagen) und Investieren (Kredite), bedrohen. Seiner Ansicht nach macht der aktuelle Technologieschub die Vertriebsplattform Internet nicht nur zum Konkurrenten, sondern rüttelt an den Fundamenten des kommerziellen Bankgeschäfts. Stappel verweist neben Internet-Zahlverfahren (Paypal) auch auf die wachsende Zahl von Vergleichsportalen und Finanzforen, die das Provisionsgeschäft der Banken unter Druck bringen. Investmentfonds, Bausparverträge oder auch Kredite können über den Online-Vermittler und damit ohne Einschaltung einer Bank abgeschlossen werden. Selbst das Kredit- und Einlagengeschäft bekommt über das Crowdfunding oder Crowdinvesting zunehmend Konkurrenz.

          Dass das Wachstum der Direktbanken schwächer geworden ist, führt Stappel auf das Erreichen einer Sättigungsgrenze zurück. Das Potential technikaffiner, preisbewusster Kunden, die auf persönliche Beratung verzichten, sei schon stark erschlossen worden.

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