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Fernöstlicher Expansionsdrang : China zieht die Schlinge um Indien enger

Pakistanischer Soldat auf Wache: In Gwadar wurde mit Geld aus China ein großer Hafen gebaut Bild: AP

Immer mehr Länder fühlen sich von chinesischen Investitionen bedroht. So verstärkt das Land gerade sein Engagement in allen Nachbarländern Indiens. Auch die Beziehungen zu den Ländern Lateinamerikas werden enger.

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          Gwadar in Pakistan, Kyaukpyu in Burma, Chittagong und Cox Bazaar in Bangladesch sowie Hambantota auf Sri Lanka sind Städte, die bislang allenfalls Asien-Kennern bekannt sind. Das wird sich ändern: Denn in allen fünf Städten bauen die Chinesen große Häfen. Damit erhöhen sie den Druck auf Indien, das von allen Standorten aus gut zu erreichen ist. Die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens fühlt sich von China immer stärker eingekreist. Die Konfrontation zwischen den beiden großen asiatischen Schwellenländern nimmt zu. Neu-Delhi wirft China vor, es nutze seine Wirtschaftspolitik, um seine Vormachtstellung auszudehnen. Der indische Ministerpräsident hat sich mit einem für ihn seltenen, öffentlichen Kommentar zu Wort gemeldet: "China will in Südasien Fuß fassen, wir müssen diese Realität akzeptieren. Wir müssen sie uns vergegenwärtigen", warnte Manmohan Singh. Dann sprach er von fortwährenden "Nadelstichen" der Chinesen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Aus Sicht der indischen Elite ist das noch diplomatisch formuliert. "China vernichtet systematisch unsere Industrie", sagte AM Naik, Vorstandsvorsitzender von Larsen & Toubro, Indiens größtem Infrastrukturkonzern. Er blickt auf den Sektor der Energiegewinnung: "Es ist nicht gut, dass 80 Prozent unserer Ausrüstung für Kraftwerke inzwischen aus einem einzigen Land stammen, und das heißt auch noch China." Naik kritisiert die Öffnung der Grenzen für den Import aus der Volksrepublik: "China hat einen festen Wechselkurs. Es ist keine Marktwirtschaft wie Indien. Würde China fair handeln, würden die Preise um 25 Prozent nach oben schießen." Das Volumen des bilateralen Handels zwischen dem Drachen- und dem Tigerstaat ist heute mit rund 60 Milliarden Dollar 30 Mal so groß wie vor zehn Jahren, China ist Indiens größter Handelspartner. Auch Siemens, zugleich Partner und Wettbewerber von Larsen & Toubro auf dem Subkontinent, beobachtet das Vorgehen der Konkurrenz aus China in Indien sehr genau: "Deren Geschäftsmodell ist ein anderes: Sie wollen einen Auftrag ergattern, ihren Job machen, und sind dann wieder weg. Ehrlich gesagt, gibt es nicht viele chinesische Unternehmen, die sich hier langfristig ansiedeln", sagt Sunil Mathur, Finanzchef der Siemens Ltd. in Bombay (Mumbai).

          Sicherheitsbehörden in der Defensive

          Auch die indischen Sicherheitsbehörden fühlen sich in der Defensive: Telekommunikationsausrüstung von den chinesischen Herstellern ZTE Corp und Huawei lehnten die Inder ab, weil sie mit Spionageausrüstung verseucht sei. Der Bau von Häfen in Bombay und Kerala wurde aus politischen Gründen nicht an die chinesischen Bewerber - unter ihnen war Hongkongs Hutchison Whampoa - vergeben. Das chinesische Vorpreschen trifft den gesamten Subkontinent. Seine Wasserversorgung sieht Indien durch den Bau von Staudämmen in China gefährdet (F.A.Z. vom 26. Juni). Die neuen Häfen unter Chinas Einfluss reihen sich wie eine Perlenschnur um Indien. Hambantota liegt an der wichtigsten Schifffahrtsroute, um Öl nach China und Fernseher, Spielzeug, Computer und Turnschuhe von dort nach Europa zu bringen. Burmas neuer Hafen könnte nach einer schleichenden Öffnung des Landes dazu dienen, ihm die Grundversorgung zu sichern. Die Chinesen haben den Ort zu einer modernen Marinebasis mit U-Boot-Kais ausgebaut. Eine Eisenbahn soll bald vom chinesischen Yunan bis nach Chittagong führen, den Hafen von Indiens Nachbarland Bangladesch. Gwadar im Westen macht die Umzingelung Indiens durch die chinesische Marine komplett.

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