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Feinstaub-Belastung : Autobranche kritisiert Fahrverbot in Stuttgart

  • Aktualisiert am

Das Dieselpatent wird in wenigen Tagen 125 Jahre alt. Bild: dpa

An Tagen mit hoher Feinstaub-Belastung dürfen viele Dieselautos vom kommenden Jahr an nicht mehr in Stuttgart fahren. Die Branche wehrt sich nun. Und nicht nur sie.

          Die Autobranche hat die angekündigten Fahrverbote für viele Dieselautos in Stuttgart als Schnellschuss kritisiert. „Um die Luftqualität in den Städten zu verbessern, gibt es intelligentere und schneller wirkende Maßnahmen als temporäre oder gar dauerhafte Verkehrsbeschränkungen für einen Großteil der Diesel-Pkw“, erklärte der Lobby-Verband VDA an diesem Mittwoch in Berlin.

          Im Kampf gegen Feinstaub und gegen hohe Stickoxid-Werte sei Stau-Vermeidung sowie der Ersatz von Taxen oder Bussen durch moderne Fahrzeuge hilfreicher. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DSTGB) äußerte sich ebenfalls skeptisch zu der Maßnahme, die allenfalls in einer Extremlage etwas brächte. „Was sie vor allen Dingen bringt, ist eine Menge Ärger für die Betroffenen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg im Sender SWR.

          Feinstaub kommt vorwiegend aus anderen Quellen

          Diesel-Fahrer in Stuttgart müssen sich ab dem nächsten Jahr nach dem Willen der Landesregierung auf Fahrverbote in der Innenstadt einstellen. An Tagen mit hoher Feinstaub-Belastung sollten diese für alle Dieselautos gelten, die nicht die Euro-6-Norm erfüllen. Ausnahmen könne es für den Lieferverkehr geben.

          In den vergangenen Jahren wurden in Stuttgart die Feinstaubgrenzewerte jeweils an mehr als 40 Tagen überschritten. Ein Drittel der Autos auf deutschen Straßen sind Diesel. Davon erfüllten Anfang 2016 etwa zehn Prozent die modernste Euro-6-Norm.

          Der Automobilverband VDA verwies darauf, dass auch nach Erkenntnissen des Umweltbundesamtes nur vier Prozent des Feinstaubs aus den Auspuffrohren komme. Ölheizungen, Kamine, Schiffsverkehr, der Reifenabrieb sowie Partikel des Straßenbelags tragen ebenso dazu bei. „Gerade in dem Bundesland, in dem die modernsten Dieselmotoren der Welt hergestellt werden, sollte man eigentlich erwarten, dass die politisch Verantwortlichen wissen, auf welcher industriellen Basis Wohlstand und Beschäftigung fußen“, mahnte der VDA. Im von Grünen und CDU regierten Baden-Württemberg haben unter anderem die Autokonzerne Daimler und Porsche sowie der Zulieferer Bosch ihren Sitz.

          DSTGB-Hauptgeschäftsführer Landsberg sagte, die Städte hätten auf viele Feinstaub-Quellen gar keinen Einfluss, etwa wenn Autobahnkreuze oder Schifffahrtstraßen in der Nähe verliefen. Hier müsse auch die EU ihr Regelwerk überdenken.

          Die Feinstaubbelastung überschreitet seit vielen Jahren in gut 90 deutschen Städten häufig die Grenzwerte. Deutschland ist deswegen bereits von der EU verklagt worden. Stuttgart in seiner Talkessellage ist davon besonders betroffen. Feinstaub gilt als ein Auslöser von Krankheiten wie Asthma und Krebs.

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