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Milliardenprojekt an der Ostsee : Der Tunnelbau von Fehmarn

In zweieinhalb Stunden von Hamburg nach Kopenhagen: So soll der Fehmarnbelt-Tunnel eines Tages aussehen Bild: Femern A/S

Dänemark will Deutschland einen Tunnel unter der Ostsee schenken. Das dänische Parlament hat den Weg dafür frei gemacht. Doch die Deutschen fürchten den Lärm und sorgen sich um das Wohl der Haselmaus.

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          Wer seine Nachbarn mag, macht ihnen hin und wieder ein Geschenk. Das kleine Königreich Dänemark mag seinen großen deutschen Nachbarn offenbar so sehr, dass es ihm gleich einen ganzen Tunnel schenken will. Und wenn schon, denn schon: Es soll ein Tunnel der Rekorde werden, der die deutsche Ostseeinsel Fehmarn mit ihrem dänischen Gegenüber Lolland verbindet. Fast 18 Kilometer lang, voraussichtlich mehr als 7 Milliarden Euro teuer, zwei Spuren für die Eisenbahn und vier für die Straße, das größte Infrastrukturprojekt in Nordeuropa. Unter dem Titel „Feste Fehmarnbeltquerung“ haben sich die Staaten 2008 darauf geeinigt, dass Deutschland nur für die Anbindung des Tunnels auf eigenem Terrain zuständig ist und Dänemark den Rest erledigt. Und obwohl Dänemark die Kosten nahezu allein stemmt, hat das Parlament in Kopenhagen am Dienstag den Weg für den Bau des Tunnels frei gemacht. Die Abgeordneten von sieben der acht Parteien stimmten dem Baugesetz für das Milliardenprojekt zu. Damit sind auch die Geldmittel für den Tunnelbau freigegeben.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch je näher der Spatenstich rückt, desto deutlicher wird: In Deutschland ist nicht Dankbarkeit die Reaktion, sondern Skepsis. Zwar bekannte sich die Kanzlerin bei ihrem Besuch in Kopenhagen am Dienstag zu dem Bau, aber große Begeisterung kam nicht auf: Sie könne Verzögerungen nicht ausschließen, sagte Angela Merkel. „Das hält uns nicht davon ab, dass wir zu dem Staatsvertrag stehen und auch alle Anstrengungen unternehmen, den Zeitplan, der damit verbunden ist, so weit wie möglich einzuhalten.“

          Kritischer drücken sich andere aus: „Die Nachteile, die uns das bringt, lassen sich mit Geld gar nicht aufwiegen“, sagt etwa Volker Owerien, der Bürgermeister von Scharbeutz an der Lübecker Bucht. Bislang führt hier ein Eisenbahngleis Richtung Fehmarn entlang, nicht einmal der ICE darf darauf schneller als 100 Stundenkilometer sein. Spricht Owerien über die ursprünglichen Pläne für den Ausbau, klingt es wie ein Horrorszenario: Mitten durch den Ferienort, nur einen Katzensprung vom Strand entfernt, rollen darin im Viertelstundentakt die Güterzüge. Häuser und Grundstücke verlieren drastisch an Wert. Der Lärm ist schwer zu ertragen. Der Tourismus, der wichtigste Wirtschaftszweig, liegt am Boden.

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          Kein Wunder, dass sich Bürgerinitiativen gegen den Ausbau gegründet haben. Hausbesitzer, Hoteliers und Tierfreunde, die um die Haselmaus im Naturschutzgebiet fürchten, bilden eine starke Koalition. Fast hätte ein vorher namenloser Gegenkandidat von den Grünen Owerien vor anderthalb Jahren sogar die dritte Amtszeit als Bürgermeister vermiest, nur weil der Herausforderer gleich das ganze Tunnelprojekt in Bausch und Bogen verdammte und sich nicht, wie der Amtsinhaber, auf den Kompromiss einer Neubautrasse abseits der Ortskerne einlassen wollte.

          Drei von fünf Dänen wohnen auf einer Insel

          Die radikale Position findet inzwischen aber sogar jenseits von Ostholstein Anhänger. Der Bundesrechnungshof zum Beispiel kommt in seinem jüngsten Bericht zu dem Schluss, dass der nun vorgesehene Eisenbahnneubau, die Verlängerung der Autobahn 1 bis zum Tunnelausgang und der Ersatz der maroden Fehmarnsund-Brücke, die das deutsche Festland mit der Insel verbindet, voraussichtlich mehr als 2 Milliarden Euro kosten werden. Ursprünglich war weniger als die Hälfte davon vorgesehen. Die Finanzprüfer legen deshalb nah, die Sache noch einmal zu überdenken. Tenor: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Große Geschenke sollte man auch zurückgeben können dürfen.

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