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Fehlendes Sponsoring : Vermögensteuer geht auf Kosten von Spenden

Finanzielle Förderung mit Hindernissen: Durch die Vermögensabgabe könnten viele Sporteinrichtungen ihre Sponsoren verlieren Bild: dpa

Sollten SPD und Grüne nach der Bundestagswahl die Vermögensteuer einführen, könnten Stiftungen sowie auch Sport- und Kultureinrichtungen wichtige Spender verlieren. Viele Familienunternehmer schlagen Alarm.

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          Stiftungen, Sportvereine und Kultureinrichtungen drohen wichtige Spender wegzulaufen, falls SPD und Grüne nach der Wahl ihre Ankündigung wahrmachen können, eine Vermögensteuer oder Vermögensabgabe einzuführen. Das hat eine Umfrage des Verbandes der Familienunternehmen unter seinen Mitgliedern ergeben. „82 Prozent der Firmen müssten ihr Förderengagement für Kultur und Wissenschaft verringern oder darauf ganz verzichten, wenn die Gesamtsteuerbelastung um 20 Prozentpunkte steigt“, warnte Verbandspräsident Lutz Goebel in einem Brief an den Bundesverband Deutscher Stiftungen. Vergleichbare Schreiben gingen an den Deutschen Olympischen Sportbund und den Deutschen Bühnenverein.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Vielen Familienunternehmern liege das Engagement für den Sport sehr am Herzen, schrieb Goebel dem Sportbund. „Dazu gehören besonders auch zahlreiche Kooperationen zwischen Sportvereinen und Familienunternehmen über Spenden und Sponsorings – überall in Deutschland. Eine Vermögensbesteuerung von 1 bis 1,5 Prozent könne sich für Betriebe zu einer Steuerlast von 20 bis 35 Prozentpunkten vom Gesamtgewinn auswachsen. Denn besteuert werde nicht das nominelle Vermögen, sondern der sehr viel höhere Verkehrswert. „Vom Gewinn blieben dann im schlimmsten Fall nur 15 Prozent übrig.“ Mit dem Gewinn würden aber in erster Linie Forschung und Entwicklung, Investitionen und neue Produkte finanziert. „Wenn der Gewinn durch diese Steuerpolitik so dramatisch reduziert wird, werden auch sportbegeisterte Familienunternehmer jeden Euro zuerst für die Binnenfinanzierung ihres Unternehmens einsetzen“, heißt es in seinem Brief. „Das wirkt sich auf Aufträge an kleinere Betriebe aus – und auf das finanzielle Engagement in Sportvereinen.“

          Lutz Goebel, der Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer“, warnt in einem Brief an den Bundesverband Deutscher Stiftungen vor dem schwindendem Förderengagement durch die Vermögenssteuer

          Politiker auf Auswirkungen hinweisen

          Auch die kulturell- und wissenschaftlich interessierten oder kulturbegeisterten Familienunternehmer werden nach seinen Worten dann weniger für Spenden und Sponsoring übrig haben. Wie Goebel in seinen Briefen hervorhebt, könne niemand eine solche Entwicklung wollen. „Aber wenn die Vermögensteuerpläne jetzt nicht gestoppt werden, wird dieser finanzielle Aderlass absehbar.“ Goebel fordert die Repräsentanten der Stiftungen, Sportvereine und Kultureinrichtungen auf, in Gesprächen mit Politikern auf diese Auswirkungen von Vermögensteuer und Vermögensabgabe hinzuweisen.

          Seit Wochen läuft die Wirtschaft Sturm gegen die Pläne von SPD und Grünen. Beteuerungen von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, nicht in die Substanz der Unternehmen schneiden zu wollen, haben das Unternehmerlager nicht beruhigt. Wirtschaftsvertreter verweisen auf einen bekanntgewordenen Gesetzentwurf aus SPD-geführten Ländern. Danach würde das Vermögen oberhalb eines Freibetrags mit einem Prozent belastet. Beruhigenden Aussagen im SPD-Wahlprogramm schenkt man ebenfalls wenig Glauben.

          Die Grünen planen eine einmalige Vermögensabgabe von 15 Prozent, die über zehn Jahre erhoben werden soll, so dass man auf 1,5 Prozent im Jahr kommt. Wie bei der SPD bezieht sich der Satz auf das Vermögen, nicht auf den Gewinn. Zwar wollen die Grünen die Belastung des Gewinns auf maximal 35 Prozent deckeln. Doch dies käme zu der normalen Einkommen- oder Körperschaftsteuer sowie Gewerbesteuer hinzu. So kommt Goebel auf eine denkbare Gesamtbelastung von maximal 85 Prozent.

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