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Federal Reserve : Führt Janet Yellen bald die mächtigste Notenbank der Welt?

Janet Yellen Bild: dpa

Wird erstmals eine Frau die wichtigste Geldpolitikerin auf dem Planeten? Janet Yellen ist nun wohl die Favoritin für die Nachfolge von Ben Bernanke.

          Die Debatte um die Nachfolge von Ben Bernanke, dem Vorsitzenden der Notenbank Federal Reserve, geht in eine weitere Runde. Mit dem Rückzug des Harvard-Ökonomen Lawrence Summers ist das Spiel wieder offen. Präsident Barack Obama hat bislang als Kandidaten nur zwei weitere Namen bestätigt, darunter Janet Yellen, die 67 Jahre alte Vizevorsitzende der Fed und eine inhaltlich enge Vertraute von Bernanke.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          An den Finanzmärkten werden ihr nach Summers‘ Rückzug die besten Chancen zugesprochen. Viele Demokraten im Kongress vom eher linken Flügel der Partei haben sich ausdrücklich für Yellen ausgesprochen. Yellen stünde für Kontinuität und eine wohl noch für Jahre sehr lockere Geldpolitik. Sie wäre die erste Frau an der Spitze der Zentralbank. Obama hatte auch Donald Kohn, Yellens Vorgänger als Vizevorsitzender, ins Gespräch gebracht. Der 70 Jahre alte Kohn hatte freilich erst 2010 die Notenbank nach 40 Dienstjahren verlassen.

          Zu viele Demokraten für Yellen

          Als möglicher Kandidat gilt auch der frühere Finanzminister Timothy Geithner, der zuvor die regionale Federal Reserve Bank von New York geleitet hatte. Der 52 Jahre alte Geithner wird von Obama sehr geschätzt. Er hat indes schon vor Wochen erklärt, dass er die Stelle nicht haben wolle. Als Außenseiter wird über den Ökonomen Stanley Fischer und Roger Ferguson (61 Jahre) spekuliert, einen weiteren früheren Vizevorsitzenden der Fed. Der 69 Jahre alte Fischer war im Juni als Gouverneur der Bank von Israel zurückgetreten. Der Vertrag von Bernanke als Vorsitzender der Fed endet im Januar 2014. Bernake selbst hat bislang noch nicht öffentlich erklärt, dass er für die Stelle nicht mehr zur Verfügung stehe.

          Eine Berufung Yellens ist nicht sicher. Ihr könnte ironischerweise schaden, dass sie als wichtigste Gegenkandidatin zu Summers galt und eben viele Demokraten hinter sich hat. Summers‘ Rückzug ist eine Niederlage des Präsidenten gegenüber den Demokraten im Kongress. Spekuliert wird nun, dass Obama Yellen nicht vorschlagen werde, um nicht zu sehr in das Fahrwasser eben jener Abgeordneten zu geraten.

          Summers zu finanzmarktfreundlich

          Summers, der 2009/10 wichtigster Wirtschaftsberater Obamas im Weißen Haus war, scheiterte daran, dass sich gegen ihn heftiger Widerstand in der demokratischen Partei aufbaute. Ihm wird von Parteilinken vorgeworfen, in den neunziger Jahren als Finanzminister unter Präsident William „Bill“ Clinton die Deregulierung der Finanzmärkte vorangetrieben zu haben und als Obama-Berater zu freundlich gegenüber der Finanzwelt gewesen zu sein.

          Diese Interpretation ist umstritten, doch hatte Summers zuletzt ein Beratungsmandat für die Citigroup übernommen. Mindestens drei Demokraten im Bankenausschuss des Senats wollten auf jeden Fall gegen den Ökonomen stimmen. Die Demokraten wären damit auf Stimmen der Republikaner angewiesen gewesen.

          Große Veränderungen im Direktorium möglich

          Die Spitzenposition ist nicht die einzige Stelle, die im Direktorium der Fed-Zentrale in Washington, dem Board of Governors of the Federal Reserve System, zu füllen ist. Seit diesem Monat ist eine Position in dem siebenköpfigen Direktorium verwaist. Obama hat zudem Sarah Bloom Raskin, die erst 2010 in die Fed gewechselt war, als stellvertretende Finanzministerin berufen. Würde sie vom Senat bestätigt, wäre eine weitere Stelle zu füllen.

          Weitere Positionen könnten sich 2014 öffnen: Im Januar endet neben Bernankes Vertrag auch der Vertrag von Direktoriumsmitglied Jerome Powell. Gemutmaßt wird, dass Fed-Gouverneur Jeremy Stein im Frühjahr die Notenbank verlassen könnte. Kehrt Stein nicht bis Mai 2014 an die Universität Harvard zurück, könnte er dort seine Professur verlieren.

          Wenn Yellen nicht Vorsitzende wird, könnte sie der Fed den Rücken kehren. Im Extremfall würde Obama das Direktorium in weniger als acht Jahren fast zur Gänze ein zweites Mal neu besetzen. Durch vorzeitige Rücktritte und Abberufungen ist die Regel, nach der die Gouverneure zum Schutze ihrer Unabhängigkeit 14 Jahre lang in der Fed dienen, sehr aufgeweicht.

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