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Geldpolitik : Fed-Chefin Yellen öffnet ein Türchen für Leitzinserhöhungen

Janet Yellen Bild: dpa

Die Argumente für eine Zinsanhebung haben nach Einschätzung der Notenbankerin an Zugkraft gewonnen. Die Fed-Chefin Janet Yellen sieht aber keine Notwendigkeit für eine Neuausrichtung der Geldpolitik.

          Leitzinserhöhungen in Amerika sind nach einer Rede der Fed-Chefin Janet Yellen wahrscheinlicher geworden: Sie glaube, dass die Entwicklungen der vergangenen Monate am Arbeitsmarkt, der Ausblick auf die ökonomische Entwicklung und auf die Inflation die Gründe für eine Leitzinserhöhung gestärkt hatten, sagte Yellen auf der geldpolitischen Konferenz in Jackson Hole. Zuvor hatten schon einige Mitglieder der Fed klargemacht, dass sie eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr für angemessen und geboten hielten. Aktienindizes in den Vereinigten Staaten und Euro machten nach der Rede einen Satz nach oben. Der Fed-Offenmarktausschuss verkündet seine nächste Entscheidung am 21. September. An den europäischen und amerikanischen Aktienbörsen stiegen die Kurse nach Yellens Rede leicht.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Das Publikum hatte sich von Yellens Rede im Vorfeld neben dem Hinweis auf etwaige Leitzinserhöhungen noch in diesem Jahr Aufschluss darüber erhofft, ob die Fed eine Änderung der geldpolitischen Zielgrößen ins Auge fasst. Yellen verteidigte in ihrer Rede den geldpolitischen Instrumentenkasten aus klassischen und unkonventionellen Maßnahmen, der sich in der Krise bewährt habe. Überlegungen, etwa das Inflationsziel zu erhöhen oder aber den Kauf von Wertpapieren auf zusätzliche Vermögensklassen auszudehnen, würden aktuell nicht verfolgt, seien aber eine sorgfältige Überprüfung wert.

          Sie widersprach damit ihrem Vertrauten, dem Zentralbank-Chef von San Francisco. Der hatte Spekulationen über einen Sinneswandel in einem programmatischen Aufsatz geweckt. Darin hatte er verdeutlicht, dass er eine Neuausrichtung der Geldpolitik für geboten hält. Der Grund ist, dass er den Spielraum für klassische Geldpolitik durch den niedrigen natürlichen Zins verengt sieht. Das ist der Zins, bei dem die Volkswirtschaft mit maximaler Auslastung und stabiler Inflation wächst. Williams brachte ein höheres Inflationsziel ins Gespräch und eine Geldpolitik, die sich am nominalen Wachstum orientiert.

          Yellen sagte, dass sie weiterhin Anleihekäufe und die Formulierung geldpolitischer Ziele (Forward Guidance) als zentrale Instrumente neben der klassischen Zinspolitik ansehe. Zudem sei es weiter nötig, die Aufsicht über das Finanzsystem zu stärken. Sie forderte überdies die Gesellschaft dazu auf, alle Möglichkeiten zu prüfen, um die wirtschaftliche Produktivität der amerikanischen Wirtschaft zu steigern. Diese schrumpft seit einigen Quartalen. Eine solche Politik würde nicht nur die Zinsen nach oben bringen, sondern den Wohlstand fördern. Investitionen in Bildung und Forschung un eine vorsichtige Deregulierung hält Yellen für geeignete Mittel, um die Wirtschaft zu beflügeln.

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