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F.A.Z. exklusiv : FDP und SPD nehmen die Börsenfusion aufs Korn

In der Frankfurter Börse: FDP und SPD haben viele Fragen zur Börsenfusion mit London. Bild: dpa

Die Börsenfusion zwischen Frankfurt und London ist hoch umstritten. FDP und SPD haben sich nach F.A.Z.-Informationen mit heiklen Details an die Landesregierung gewandt. Es geht um Joschka Fischer, Roland Koch und einen Millionenbonus.

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          Die geplante Fusion der Deutschen Börse mit dem Londoner Konkurrenten London Stock Exchange stößt in den Fraktionen von FDP und SPD im Hessischen Landtag auf erhebliche Kritik. Die Fraktionsvorsitzenden Florian Rentsch (FDP) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) haben der Landesregierung in Wiesbaden am Freitag einen detaillierten Fragenkatalog zu dem Vorhaben vorgelegt, der jedem Befürworter des Projekts in den Reihen der CDU zu denken geben dürfte. Es geht unter anderem um die künftige Rolle der Deutschen in dem fusionierten Unternehmen und – besonders pikant – um Boni und Beraterverträge.

          Rentsch und Schäfer-Gümbel wollen wissen, welche Rolle der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) und der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in dem Bemühen spielen, für die Börsenfusion zu werben. Abgefragt wird auch, ob der erst zu Jahresbeginn installierte Kommunikationschef der Deutschen Börse, Matthias Fritton, im Falle eines Erfolgs tatsächlich 3 Millionen Euro Bonus bekommen wird. Von Fritton wurde dies am Freitagabend auf Nachfrage dementiert. Dies gelte auch für andere Mitarbeiter des Unternehmens. Trotz aller Bemühungen von Management, Aufsichtsrat und teuren Kommunikationsberatern der Deutschen Börse ist es so oder so offensichtlich nicht gelungen, die erheblichen Bedenken der Parlamentarier von SPD und FDP zu zerstreuen. Das wird in dem Berichtsantrag, der der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt, in jeder Frage deutlich.

          „Die Kritik an dem Fusionsvorhaben von Deutscher Börse AG (DBAG) und der London Stock Exchange (LSE) entzündet sich hierzulande bekanntlich vor allem an folgenden Punkten: Warum ist als Sitz der Holding und ihrer Geschäftsleitung London vorgesehen, obwohl die Deutsche Börse der eindeutig stärkere Partner des Zusammenschlussvorhabens ist? Warum ist ein Zusammenschluss, unter Gleichen vorgesehen, obwohl die DBAG der eindeutig stärkere Partner des Zusammenschlussvorhabens ist?“, fragen Rentsch und Schäfer-Gümbel.

          Landesregierung soll umfassend über Fusionsvorhaben berichten

          Sie treibt um, dass für die Aktionäre der DBAG kein günstigeres Beteiligungsverhältnis ausgehandelt worden ist, obwohl alle anderen Kennzahlen abseits der Marktkapitalisierung eher für ein Verhältnis von 60 zu 40 sprechen als für die nun avisierten 54,4 für die deutsche und 45,6 Prozent für die britische Seite. Dies berücksichtige nicht oder nicht ausreichend das Verhältnis anderer Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Ausschüttungssumme und Mitarbeiteranzahl, geschweige denn den Vorteil, den sich die britische Seite von einem Sitz der Holding und ihrer Geschäftsleitung in London verspreche.

          Die Landesregierung wird von SPD und FDP ersucht, im Ausschuss für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung umfassend über das Fusionsvorhaben zu berichten. Es sei notwendig, Näheres zu dem Verhandlungsprozess zu erfahren – und dazu, wie es zu diesem anscheinend ungünstigen Verhandlungsergebnis kam. Rentsch und Schäfer-Gümbel wollen unter anderem wissen, von wem und mit welchen Positionen die Initiative zur Aufnahme von Verhandlungen ausgegangen ist und ob und wann der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, in eigener Verantwortung die Verhandlungen aufgenommen hat.

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