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FDP-Entwicklungsminister in Afrika : Niebel hofft auf Neuanfang - in Südsudan

Entwicklungsminister Dirk Niebel (Mitte) leistet Aufbauhilfe in Südsudan Bild: dapd

Entwicklungsminister Dirk Niebel weiht einen „Wasserkiosk“ ein: Der ehemalige FDP-Generalsekretär leistet Aufbauhilfe in Südsudan. Und zu Hause kämpft seine Partei ums Überleben.

          In der Heimat eine Partei, die um ihre Zukunft kämpft, vor sich eine schwierige Mission. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) ist auf dem Weg in den Sudan. Der Süden wird voraussichtlich am 9. Juli seine Unabhängigkeit erklären, obwohl es an allem fehlt. Deutschland will beim Aufbau staatlicher Strukturen helfen. Es gibt hier die Chance für einen Neuanfang, auch in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Die Erwartungen sind mindestens so groß wie die Risiken des Scheiterns. Der anschließende Abstecher nach Khartum ist diplomatisch heikel - schließlich wird der Präsident des Sudan, Omar Al Baschir, mit internationalem Haftbefehl gesucht. Eine Begegnung gilt es zu vermeiden. Gleichzeitig laufen die Drähte zu den Parteifreunden heiß.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Bitte helfen Sie uns, wir sind Buschkämpfer, wir können eine Stadt verteidigen, nicht aber die Wasserversorgung managen.“ Mit diesen Worten beschreibt Christoph Schaefer von der Kreditanstalt für Wiederaufbau die Ausgangslage. Die Regierung wisse, das Land sei zu arm, um sich Verschwendung leisten zu können. „Wir haben hier mit riesigen Erwartungen zu tun: Die Menschen denken, am Tag nach der Unabhängigkeit vom Norden wird Manna vom Himmel fallen.“ Jetzt müsse man effiziente Strukturen aufbauen, mit einer Überwachung der Projekte und Programme. „Wenn hier ein Laissez-faire einzieht, kann man die Aufbaupläne vergessen“, sagte der für den Osten und Westen Afrikas zuständige Manager.

          Es fehle an vielem: Wasser, Gesundheitseinrichtungen, Schulen, hebt der Präsident der südsudanesischen Regierung, General Salva Kiir Mayardit, nach dem Treffen mit Niebel hervor. „Wir brauchen Hilfe aus Deutschland und anderen Staaten, bis wir auf eigenen Füßen stehen können.“ Südsudan brauche eigentlich alles. Niebel verspricht weitere Hilfe für den Aufbau der Verwaltung, die Wasserversorgung und zur Verbesserung der Lebensgrundlagen von Rückkehrern und Ortsansässigen.

          Niebel im Gespräch mit dem Präsidenten der Regierung, General Salva Kiir Mayardit

          Keine geteerte Straßen

          Nach fast einem Vierteljahrhundert Bürgerkrieg steht der künftige Staat, der größer sein wird als Deutschland, vor enormen Problemen. Mit dem Norden muss er sich über die Aufteilung der Öleinnahmen verständigen, von denen der Staatshaushalt völlig abhängen wird, gleichzeitig drohen an der 2000 Kilometer langen Grenze zum Norden weitere Konflikte. Und es gibt nichts, worauf die Regierung aufbauen könnte. Viele Regionen des Landes sind kaum erreichbar, geteerte Straßen gibt es so gut wie nicht, die Verwaltung liegt am Boden.

          Nachdem schon Hunderttausende aus dem Kongo, Uganda und Kenia integriert werden mussten, strömen nun die Menschen aus dem Norden zurück. Mehr als eine halbe Million Rückkehrer würden von dort allein in diesem Jahr erwartet, berichtete Hessameddin Tabatabai, der das gemeinsame Programm des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nation und des Entwicklungsministeriums leitet. Die Größe der Aufgabe lässt sich daran erkennen, dass das im Entstehen begriffene Land weniger als 10 Millionen Einwohner hat.

          Niebel weiht einen „Wasserkiosk“ ein

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