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Neuer Look : Warme Farben für die FDP

  • -Aktualisiert am

Umstritten: Die neue Kampagne der Hamburger FDP für die Bürgerschaftswahl im Februar. Bild: dpa

Die FDP will ihr „kaltes“ Image verlieren und endlich wieder ins Gespräch kommen. Helfen soll dabei eine Agentur, die einst für die FDP mit Hitler warb. Kann das wirklich gutgehen?

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          Nicht nur in Hamburg sorgt derzeit ein Plakat für die Bürgerschaftswahl im Februar für Wirbel, das die FDP-Spitzenkandidatin Katja Suding zeigt. „Unser Mann für Hamburg“, steht darauf und „Hamburg gibt die Richtung vor“. Das Echo in den sozialen Netzwerken ist geteilt. „Das geht gar nicht! Ich als Frau bin mehr als entsetzt, wie man sich derart unprofessionell anbiedern kann“, schreibt beispielsweise eine Nutzerin auf Twitter. Es gibt aber auch positives Feedback für die Kampagne. „Mutig, provokant“, findet etwa ein Facebook-User.

          Die FDP ist wieder im Gespräch. Vielleicht noch nicht so, wie es sich die Partei vorstellt, die im vergangenen Jahr aus dem Bundestag gewählt wurde und seitdem unter dem Radar der bundespolitischen Aufmerksamkeit fliegt. Aber immerhin, ein Anfang ist gemacht. Gesorgt hat dafür die Berliner Werbeagentur Heimat, die kürzlich den Etat der Bundespartei gewonnen hat und damit den momentan vielleicht schwierigsten Job in der Werbebranche übernahm. Nur Opel hatte bis vor dem Relaunch mit der Kampagne „Umparken im Kopf“ wohl einen ähnlich schlechten Ruf in Deutschland.

          Umparken im Kopf, das sollen auch die potentiellen Wähler der FDP. Heimat entwickelt dazu ein neues Kommunikationskonzept. Die Agentur hat für die FDP schon zu einer Zeit gearbeitet, als in der Partei Jürgen Möllemann als umstrittener Hoffnungsträger galt. Damals in den Jahren 2000 und 2001 entwickelte Heimat in Nordrhein-Westfalen eine Kampagne für die Bildungspolitik der Partei. „Wenn wir nicht schnell für neue Lehrer sorgen, finden unsere Kinder selber welche“, stand auf einem Plakat. Abgebildet war unter anderem Adolf Hitler. Die Kampagne hievte den heutigen Bundesvorsitzenden Christian Lindner – damals gerade mal 21 Jahre alt – als jüngsten Abgeordneten der Geschichte ins Landesparlament.

          Mit neuer Kommunikationsstrategie Wahrnehmung ändern

          Die FDP ist nicht die erste Partei, die versucht, mit einer neuen Kommunikationsstrategie ihre Wahrnehmung zu ändern und besser zu transportieren. Bei der CDU wurde das Blau abgeschafft und das bis dato recht knallige Orange auf einen wärmeren Ton gedimmt. Dieser sollte Aufgeschlossenheit symbolisieren. 150 Jahre war das Rot das Erkennungszeichen der SPD. Inzwischen schimmert das Parteilogo in Violett. „Das ist eine starke Farbe, das ist eine frische Farbe, das ist eine, die auch neues Selbstbewusstsein ausstrahlen soll.“ So erklärte Andrea Nahles beim Parteitag der Sozialdemokraten im Jahr 2011 die neue Optik. Andere in der SPD-Zentrale fanden diese zu klerikal. Stärker als andere Parteien setzten die Sozialdemokraten schon bei früheren Wahlkämpfen Markt- und Meinungsforscher ein, die auch politische Schlüsselbegriffe testeten („Innovation und Gerechtigkeit“). Die Partei wurde wie ein Markenprodukt beworben, überall trat sie mit einem einheitlichen Design auf.

          Wie möchte die FDP in Zukunft gesehen werden? „Wir sind freiheitsliebende Überzeugungstäter, die, statt die Zukunft zu fürchten, für Deutschland lieber die Fast-Forward-Taste drücken wollen“, beschreibt Lindner die Positionierung der Partei heute. „Wir wollen eine Politik, die rechnen kann, die Respekt vor der Leistung des Einzelnen hat und mit der besten Bildung der Welt jedem ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht.“

          Zu ihrem Dreikönigstreffen am 6. Januar erweitert die Partei nun zunächst den Farbenkatalog. „Die FDP wird sich in Stuttgart in neuer Frische zeigen – auch gestalterisch“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter von Heimat, Andreas Mengele. Welche es sein werden, verrät er noch nicht. Warm sollen sie aber sein. „Blau und Gelb erinnern an die alte FDP“. Er will in der Werbung „sichtbar machen, was an Menschlichem und Einfühlsamem im Programm der Partei steht“. Es zähle eben zu den klassischen Vorurteilen gegenüber der FDP, dass sie seelenlos und kühl sei. Das liberale Wertefundament komme in der Wahrnehmung überhaupt nicht mehr vor.

          Gleichzeitig warnt Mengele, die neue Werbestrategie als Allheilmittel zu sehen. „Bisschen mehr Pink und dann läuft die Sache – so läuft es ja nicht“, sagt er. „Die Glaubwürdigkeit der FDP zu erhöhen ist ein Prozess, der Monate und Jahre dauern wird.“ Das habe aber etwas mit realer Leistung der Politiker in der FDP zu tun. Ihre Aufgabe als Agentur sei dann, diese zu kommunizieren. Jeder müsse sich um seine Kompetenzen kümmern. „Wir sind nicht die Erneuerer der FDP“.

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