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Folge des Klimawandels : Fast alle Korallenriffe könnten verschwinden

Das Great Barrier Reef ist 2300 Kilometer lang - das größte Korallenriff der Welt. Bild: dpa

Es ist ein gewaltiges Ökosystem mit einer Million Arten, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, an dem Zigtausende Arbeitsplätze hängen: Das Great Barrier Reef ist in größter Gefahr. Und nicht nur das. Australiens Regierung gerät unter Druck.

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          Die Korallen-Riffe der Welt sind in einem äußerst kritischen Zustand. Auch das Great Barrier Reef in Australien leidet unter den Folgen der Erderwärmung viel mehr, als die Regierung bislang erwartet hatte. Es könnte für sie schwierig werden, nach den neuen erschreckenden Erkenntnissen von Meeresforschern, ihre Kohlepolitik fortzusetzen, und zugleich mittelfristig zu verhindern, dass das Große Barriere Riff auf der Liste der gefährdeten Weltkulturerbe der Vereinten Nationen landet.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Eine Studie geht nun kritisch mit den Schutzmaßnahmen ins Gericht, die Canberra bislang getroffen hat. Auf dem „Welt Ozean Gipfel“ auf Bali wurde an diesem Freitag schon ein Plan verabschiedet, wenigstens die 50 wichtigsten Riffe der Welt über das Jahr 2050 hinaus zu erhalten. Das wären nur noch 10 Prozent aller Riffe. Dabei sind sie nicht nur für den ökologischen Haushalt der Meere wichtig, sondern spülen als Touristenattraktionen den Ländern auch Milliarden von Dollar in die Kassen.

          70.000 Arbeitsplätze hängen am Riff

          Forscher der australischen Universität Queensland erklärten in Bali, 90 Prozent der Korallenriffe der Erde würden in den nächsten 35 Jahren verschwinden, weil sich die Korallenbleiche aufgrund der fortgesetzten Erderwärmung fortsetze und die Verschmutzung der Meere zunehme. „Es geht nicht darum, dass hier ein Tiger oder eine einzige Spezies stirbt; es geht um ein Ökosystem mit bis zu einer Million Arten.“

          Und weiter: „Wir sprechen nicht nur über Korallen, sondern auch über alle Lebewesen, die von ihnen abhängen – das ist so schockierend an dem, was gerade vor sich geht“, erklärte der Meereskundler Ove Hoegh-Guldberg von der Universität Queensland in Nordost-Australien.

          Auch wirtschaftlich ist es enorm wichtig: 70.000 Arbeitsplätze hängen daran. Bilderstrecke

          Zugleich warnte auch die staatliche australische Aufsicht für das Barrier-Reef (GBRMPA) vor einem „gestiegenen und bevorstehenden Risiko“ einer weitreichenden Bleiche „aufgrund eines warmen Winters und eines zweiten warmen Sommers in Folge, die zu mehr Hitzestress in mehr Regionen (des Riffs) führen, als zur selben Zeit im vergangenen Jahr“. Bislang hat die australische Regierung mehr als zwei Milliarden Dollar zur Rettung des Riffs versprochen.

          Allein die Bleiche im vergangenen Jahr hatte im Norden des 2300 Kilometer langen Riffs aber bis zu zwei Drittel der Korallen im Flachwasser sterben lassen. Wissenschaftler befürchten, dass neuerliche Erhebungen noch zu dramatischeren Zahlen führen könnten.  Das Riff in der Größe Deutschlands trägt jährlich fast 6 Milliarden Dollar zur australischen Wirtschaft bei und steht für fast 70.000 Arbeitsstellen.

          Die Regierung des Bundesstaates Queensland hatte geschätzt, dass über zehn Jahre 16 Milliarden Dollar zum Schutz des Riffs benötigt werden. Die unabhängigen Wissenschaftler, die nun den Rettungsplan der Regierung analysierten, warnen, dass die Anstrengungen angesichts der verschärften Lage nicht ausreichten.

          Zumal sich der Rettungsplan der Regierung „Riff 2050“ nicht ausreichend auf den Klimawandel bezöge und die Canberra weiterhin stark auf den Bau von Kohlekraftwerken und das Ausheben neuer Kohleminen setze. Aufgrund der Nutzung von Kohle und der zugleich geringen Bevölkerung von nur gut 24 Millionen Menschen zählt Australien zu einem der größten Emittenten von Treibhausgas pro Kopf auf der ganzen Welt.

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