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Fangbeschränkung : Die Angst vor einem „Thunfisch-Kartell“

Thunfisch findet weltweit immer mehr Absatz

Thunfisch findet weltweit immer mehr Absatz Bild: Dieter Rüchel

Der Preis für Thunfisch hat schon jetzt astronomische Höhen erreicht. Nun haben acht Pazifikinseln auch noch drastische Fangbeschränkungen beschlossen. Greenpeace jubelt, doch Händler und Verbände fürchten eine „Opec des Meeres“.

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          Ihr Kauderwelsch ist auch den meisten Japanern unverständlich, ihre Zeichensprache ist es sowieso: Die Händler auf dem weltgrößten Fischmarkt Tsukiji in Tokio bilden eine verschworene Gemeinschaft. Ihr Geschäft läuft gut, denn gerade der Thunfisch, den sie hier morgens um fünf roh probieren, findet weltweit immer mehr Absatz. Doch manchem wird der Bissen bald schon im Halse steckenbleiben. Denn den Thunfischhändlern und -liebhabern rund um die Erde droht ein Kartell: Acht Pazifikinseln, deren malerische Namen an Lummerland und Jim Knopf erinnern, haben beschlossen, den Fang für Ausländer einzuschränken. Vor den Küsten ihrer Inseln aber liegen die wichtigsten Fanggründe für den silber-grauen Fisch. Rund 60 Prozent des Thunfischs, der auf die Tische der Welt kommt, stammen von hier - ein Warenwert von schon jetzt mehr als 3 Milliarden Dollar im Jahr.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Künftig betrachten die Inseln im Stillen Ozean den Thun, der weit vor ihren Stränden entlangzieht, als ihr Eigentum. Die Umweltorganisation Greenpeace jubelt, Fischereiverbände hingegen sprechen von einem „Thunfischkartell“, das dem Ölmonopol der Opec entspreche. „Die können von nun an den Hahn auf- oder zudrehen, ganz nach Belieben. Damit treiben sie den Preis auf dem Weltmarkt hoch“, sagt Brian Jeffriess, Chef der südaustralischen Thunfischvereinigung. So viel ist klar: Hohe Treibstoffkosten, das Überfangen des Thun und das steigende Interesse der Feinschmecker von China bis Indien haben den Preis in astronomische Höhen getrieben. Allein im vergangenen Jahr hat er sich verdoppelt - auf 1800 Dollar je Kubikmeter.

          Auch für das Mittelmeer wurden Lizenzen erteilt

          Malerisch klingen die Namen der Kartellmitglieder: Tuvalu, die Staatenvereinigung Mikronesien, Kiribati, die Marshallinseln, Nauru, Palau, Papua-Neuguinea und die Solomen haben sich zusammengetan. Verbunden sind sie durch das Abkommen von Nauru. Erst das Scheitern der neuen Fischkommission der Westlichen und Zentralen Pazifikstaaten mit dem Versuch, das industrielle Fischen von Thun einzuschränken, trieb sie zum Handeln. Nicht, dass der Thunfisch nur im Pazifik als edles und endliches Gut gesehen würde: Auch für das Mittelmeer erteilen die Ministerien der Anrainer-Länder Lizenzen.

          Den Thunfischhändlern droht ein Kartell
          Den Thunfischhändlern droht ein Kartell : Bild: REUTERS

          Die Maße der winzigen Atolle des Kartells könnten leicht in die Irre führen: Nauru ist mit einer Fläche von 21 Quadratkilometern die kleinste Inselnation der Welt. Aber gemeinsam mit seinen Nachbarn hat es seine Macht entdeckt: Das Seegebiet zwischen Papua-Neuguinea im Westen, Tuvalu im Osten und den Marshallinseln im Norden hat eine Fläche, die die Landmasse Indiens übertrifft. Rund 1,3 Millionen Tonnen Thunfisch jährlich fangen mehr als 400 Hochleistungskutter hier.

          Inseln verbieten den Fang von Jungfischen für drei Monate im Jahr

          Die Insulaner wehren sich gegen schweres Geschütz. Denn die schnellen Ringwadennetzschlepper aus Japan, Korea, Taiwan und China sorgen mit moderner Technik dafür, dass ihnen keine Beute entgeht. Hochseetauglich, sturmerprobt, ausgerüstet mit neuester Echolottechnik, Radar und Satellitenkarten der Wassertemperaturen, machen sie sich auf die mehr als 6000 Kilometer lange Reise in die fremden Fanggründe. Dort sammeln sie mit ihren bis zu zwei Kilometer langen Netzen alles ein, was schwimmt - so, als würde ein riesiger Bagger mit seiner Schaufel durchs Meer fahren. An der unteren Leine werden die Netze dann zugezogen wie eine Geldbörse.

          Die Inseln gehen nun kreativ vor: Zunächst erklären sie zwei der wichtigsten Fanggebiete zu Verbotszonen für Fischkutter, die die Lizenz erhalten wollen, in den 200 Meilen weiten Wirtschaftszonen rund um die Inseln zu fischen. Zwischen Papua-Neuguinea und Palau sowie um Mikronesien soll niemand mehr Jagd auf den Thun machen dürfen. Dann wollen die Inseln eigene Beobachter auf die Boote entsenden. Zudem verbieten sie den Fang von Jungfischen für drei Monate im Jahr. Und sie verdonnern die fremden Fischer dazu, schlicht ihren gesamten Fang an Bord zu behalten. Bislang stauten die Hochleistungsfischer nur den renditestarken Thun. Den Rest ihres Fangs kippten sie wieder über Bord, um mehr Platz für weiteren Thunfisch zu haben. Künftig sollen sie mit der gesamten Breite leben, die Mutter Natur ihnen bietet. Aber die Kleinstaaten haben gute Argumente für ihre Sorge vor dem Überfischen. Denn die meisten von ihnen sind bettelarm.

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