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Umfrage unter Führungskräften : Der Glaube an Draghis Zauberkräfte schwindet

Verliert das Zutrauen der Eliten: EZB-Präsident Mario Draghi Bild: dpa

Während Amerika die Zinswende vorbereitet, setzt die Europäische Zentralbank weiter auf Lockerung. Doch selbst in Führungszirkeln verliert EZB-Präsident Mario Draghi nun an Rückhalt. Das zeigt das F.A.Z.-Elite-Panel.

          Mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, sind die deutschen Eliten immer weniger zufrieden. Nur noch knapp die Hälfte bescheinigt ihm „gute Arbeit“, im Sommer betrug die Zustimmung noch 57 Prozent. In dem Urteil spiegelt sich der wachsende Vertrauensverlust in die von Draghi maßgeblich gesteuerte, extrem lockere Geldpolitik. 52 Prozent der Entscheider halten den Niedrigzins-Kurs mittlerweile für falsch, 74 Prozent lehnen die umfangreichen Käufe von Staatsanleihen finanzschwacher Euroländer durch die EZB ab.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Diese Einschätzungen sind Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 500 Führungskräften aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, die das Meinungsforschungsinstitut Allensbach im Auftrag der F.A.Z. und des Magazins „Capital“ veranstaltet hat. Zugleich nimmt unter den Eliten die Skepsis leicht zu, dass die Eurozone nach sechs Krisenjahren das Schlimmste hinter sich habe. 60 Prozent glauben das nicht. Vermutlich wirken hier die scharfen Auseinandersetzungen der europäischen Geldgeber mit der griechischen Politik nach, die immer wieder die Konditionen der Hilfe in Frage stellt.

          Sorgen über Linksrutsch in Portugal

          Die mit Abstand größten Risiken für die wirtschaftliche Stabilität der Währungsunion werden allerdings nicht in Griechenland vermutet, sondern unverändert in Frankreich, das seit Jahren mehr Schulden macht als vereinbart. 52 Prozent der Befragten setzten Frankreich auf den ersten Platz, 41 Prozent nennen Griechenland, der dritte unsichere Kandidat ist Italien. Dieses Urteil wird maßgeblich geprägt vom Misstrauen der Spitzenmanger und Unternehmer, die Entscheider aus Politik und Verwaltung sehen die größten Gefahren in Griechenland.

          Mit einiger Sorge wird der Linksruck in Portugal verfolgt. 57 Prozent werten die neue linke Regierung als Anzeichen eines erstarkenden Widerstands in Südeuropa gegen die Spar- und Reformpolitik, deren Sinn es ist, die Währungsunion zusammenzuhalten. Klar sprechen sich die Führungskräfte deshalb gegen eine weitere Lockerung des Stabilitätspakts aus, wie sie EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker jenen Ländern in Aussicht gestellt hat, die nun hohe Kosten durch die Flüchtlinge zu tragen haben.

          Eher entspannt verfolgen die deutschen Eliten bisher die Debatte über ein Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union. Über den „Brexit“ will die Regierung Cameron die Bürger demnächst abstimmen lassen. Doch nur ein Fünftel der Befragten hält es für „eher wahrscheinlich“, dass die Briten tatsächlich mit Nein stimmen, 70 Prozent halten es für eher unwahrscheinlich. Die deutschen Entscheider würden die Briten auf jeden Fall gerne in der EU halten, 80 Prozent ist dies wichtig oder sehr wichtig.

          Zweifel an Gabriels Führungsqualitäten

          Über die Arbeit der großen Koalition zeigt sich vor allem die Wirtschaft zur Halbzeit weiterhin unzufrieden: 53 Prozent sagen, sie seien enttäuscht. Überwiegend zufrieden sind die Spitzen aus Politik (57) und Verwaltung (60). Die Enttäuschung macht sich mit weitem Abstand an einem neuen Thema fest: der Flüchtlings- und Asylpolitik. Zudem hadern die Vertreter der Unternehmen mit der Wirtschaftspolitik und der Energiepolitik. Überwiegend einverstanden ist man mit der Klimaschutzpolitik. 60 Prozent der Befragten unterstützen die Klimapolitik der Koalition. Sie bescheinigten ihr – schon vor der Klimakonferenz in Paris – das „Richtige“ zu tun.

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