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F.A.Z.-Elite-Panel : Der Gewichtsverlust der SPD

Gabriel ist Merkel im Urteil der Eliten klar unterlegen. Bild: AFP

Die Gewichte in der großen Koalition haben sich zur Halbzeit dramatisch verschoben. Welcher Minister macht in den Augen der Führungskräfte gute Arbeit? Wo hapert es? Das F.A.Z.-Elite-Panel.

          4 Min.

          In die Halbzeitpause dieser Wahlperiode geht die SPD stark geschwächt. Galt sie vor einem Jahr noch mit weitem Abstand als dominierende Kraft in der großen Koalition, hat die Union nun fast gleichgezogen. Das ist ein Ergebnis des Elite-Panels, für das die Demoskopen von Allensbach im Auftrag der F.A.Z. und des Magazins Capital 500 Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung befragt haben. Mittlerweile sehen nur noch 43 Prozent dieser deutschen Entscheider in der SPD die durchsetzungsfähigere Regierungspartei. Vor einem Jahr waren es noch 62 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt sahen nur 18 Prozent die Union vorne, heute sind es schon 39 Prozent.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Damit wiederholt sich das für die SPD gefährliche Muster der letzten großen Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Jahren 2005 bis 2008. Auch damals führte nach Einschätzung der Führungsspitzen die SPD mit enormem Vorsprung, zur Mitte der Legislaturperiode kehrte sich das Verhältnis um, später näherte man sich an. Die anschließende Bundestagswahl verlor die SPD.

          Auch der direkte Vergleich zwischen Kanzlerin und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel ist für die SPD aktuell nicht erfreulich. Merkel ist Gabriel im Urteil der Eliten nicht nur in allen Punkten weiterhin klar überlegen, Gabriel hat den Abstand auf den meisten Feldern sogar noch vergrößert. Bescheinigt wird ihm weniger Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgeschick, politisches Fingerspitzengefühl, Problembewusstsein und Glaubwürdigkeit als vor einem Jahr, während Merkel hier überall zulegt. Lediglich an Sachkompetenz hat Gabriel leicht gewonnen. Merkel hat diese zwar leicht eingebüßt, sie liegt aber kaum einholbar vorne: 68 Prozent der Führungsspitzen sagen, dass sie große Sachkenntnis besitze, von Gabriel sagen dies nur 26 Prozent.



          Unter den Kabinettsmitgliedern ist das Bild zwischen Union und SPD etwas ausgewogener. Die größte Anerkennung erfährt derzeit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), knapp gefolgt von Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD). Beiden bescheinigen mehr als 90 Prozent, dass sie „gute Arbeit machen“. Dahinter rangieren mit einigem Abstand für die CDU Innenminister Thomas de Maizière und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die beide noch mehrheitlich als gut bewertet werden. Die Arbeit von Justizminister Heiko Maas schätzen 46 Prozent, Gabriel als Wirtschaftsminister kommt lediglich auf 37 Prozent und schneidet damit schlechter ab als im Vorjahr (48). Verschlechtert hat sich auch Arbeitsministerin Andrea Nahles, die nur noch von 23 Prozent gelobt wird. Noch schlechter beurteilt wird CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt: Seiner Politik können 90 Prozent der Befragten nichts abgewinnen.

          Korrekturbedarf in der Energiepolitik

          Etwas günstiger als vor einem Jahr fällt das Gesamturteil über die Arbeit der großen Koalition aus. 46 Prozent sind mit der Politik zufrieden, 4 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Die Gesamtziffer verdeckt die Unterschiede, die nach wie vor bestehen. Unter den Entscheidern aus der Politik überwiegt mit 55 Prozent die Zustimmung zur Arbeit der großen Koalition, unter den Spitzen der Wirtschaft die Ablehnung (52 Prozent).

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