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F.A.S. exklusiv : Schäuble bekräftigt Vergleich von Flüchtlingen mit Lawine

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Wolfgang Schäuble Bild: dpa

Wolfgang Schäuble hält die Auswirkungen der Flüchtlingskrise weiterhin nicht für beherrschbar. Im Gespräch mit der F.A.S. spricht er außerdem über die evangelische Kirche und ihr Verhältnis zur Politik.

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          Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat den Verlauf der Flüchtlingskrise 2015 abermals mit einer Lawine verglichen. „Ich habe auf das Phänomen der Lawine hingewiesen: Du kannst Entwicklungen auslösen, die klein beginnen und am Ende nicht mehr beherrschbar sind“, sagte Schäuble im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.).

          Auch der damalige Bundespräsident Joachim Gauck habe die Sorge ausgedrückt, „dass durch die gute Absicht eine Entwicklung entstehen könnte, die nicht mehr zu einem verantwortbaren Ergebnis führt“. Auf die Frage, ob sich die Bemerkungen auf die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezögen, antwortete Schäuble in dem Gespräch allerdings: „Überhaupt nicht.“

          Schäuble hatte auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im November 2015 gesagt: „Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt.“ Das war allgemein als Kritik am Verhalten der Bundeskanzlerin verstanden worden. Seither hatte sich der Minister mit Kommentaren zum Thema zurückgehalten.

          In dem F.A.S.-Gespräch äußerte sich Schäuble aus Anlass des Reformationsjubiläums und des bevorstehenden Evangelischen Kirchentags. Die Kirche ermahnte er zu mehr Demut bei ihrem politischen Engagement. „Sie muss aufpassen, dass sie sich nicht nur im Mainstream der Political Correctness mit größter Betroffenheit engagiert“, sagte Schäuble.

          „Dass sich die Kirche in die Fragen des menschlichen Lebens einmischt, dafür ist sie da, und das wird sie auf dem Kirchentag wieder tun“, fügte der Minister hinzu. „In weltlichen Fragen hat sie aber nicht das Monopol auf Wahrheit.“ In der Demokratie könne jeder seine eigene Meinung haben. „Das verstehen diejenigen oft nicht, die sich aus tiefer Glaubensüberzeugung äußern.“

          Am Mittwoch wird in Berlin der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag eröffnet, der dieses Jahr ganz im Zeichen des 500-jährigen Reformationsjubiläums steht. Die Veranstalter erwarten rund 100.000 Dauerbesucher, für Donnerstag ist ein Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem früheren amerikanischen Präsidenten Barack Obama geplant. Schäuble selbst wird in einer „Bibelarbeit“ das Gleichnis vom Zöllner auslegen.

          Lesen Sie das vollständige Interview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung oder ab 20 Uhr in der E-Paper-Ausgabe.

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