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F.A.S. exklusiv : Bundesbank-Präsident Weidmann: „Vorsorge ist notwendig“

  • -Aktualisiert am

Jens Weidmann gilt schon seit langem als Kritiker der Geldpolitik der EZB. Bild: AP

400 Millionen statt 2,5 Milliarden Euro: Die Bundesbank hat viel weniger Geld als erwartet an den Bundeshaushalt überwiesen. Präsident Jens Weidmann verteidigt diese Entscheidung – und kritisiert mal wieder die EZB.

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          Bundesbankpräsident Jens Weidmann verteidigt die Milliarden-Rückstellungen der Bundesbank. „Vorsorge für die Zeit einer geldpolitischen Normalisierung ist notwendig“, sagt Weidmann der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Künftige Verluste könnten so vermieden oder zumindest verringert werden. Wenn die Bundesbank doch einmal Verluste machen sollte, träfen diese - über die Zeit gestreckt - den Bundeshaushalt, da Zahlungen an den Bund als Eigentümer ausbleiben würden, sagt Weidmann.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein wichtiger Faktor für die Aufstockung der Rücklagen um 1,8 Milliarden auf 15,4 Milliarden Euro sind die Zinsänderungsrisiken, die durch das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) entstanden sind. Die Bundesbank konnte daher dieses Jahr statt der erwarteten 2,5 Milliarden lediglich 400 Millionen Euro an den deutschen Finanzminister überweisen. „Der Gewinnrückgang unterstreicht, wie weit wir uns vom geldpolitischen Normalzustand entfernt haben. Maßgebliche Zinsänderungsrisiken gab es früher in unserer Bilanz nicht“, sagt Weidmann.

          Die expansive Geldpolitik der EZB betrachtet Weidmann skeptisch. „Darüber, wie expansiv die Geldpolitik sein sollte, kann man unterschiedlicher Auffassung sein“, sagt er. Vor allem die Staatsanleihekäufe sieht er „sehr kritisch“. „Vor dem Hintergrund der weiterhin hohen Schulden in einigen Mitgliedsländern des Euroraums könnte so auch Druck auf die Geldpolitik entstehen, die Zinsen länger als unbedingt nötig niedrig zu halten.“

          Auch der deutsche Staat hat von der ultralockeren Geldpolitik profitiert. „Wären die Zinsen auf dem Niveau des Jahres 2007 geblieben, hätte der deutsche Staat über die Zeit um rund 250 Milliarden Euro höhere Zinsausgaben stemmen müssen“, sagt Weidmann. Der Bundesbankpräsident sieht erst einmal kein abruptes Ende der Anleihekäufe. „Der EZB-Rat wird die Käufe jetzt nicht Knall auf Fall beenden.“

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