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Geldpolitik : EZB-Rat debattiert 1000- Milliarden-Euro-Kaufprogramm

Der Neubau der EZB im Frankfurter Ostend Bild: Waldner, Amadeus

Die Anleihekäufe der Zentralbank sind innerhalb der EZB heftig umstritten. Doch die Befürworter einer geldpolitischen Lockerung drängen. Nach Informationen der F.A.Z. wird im EZB-Rat über größere Anleihekäufe gesprochen als bislang bekannt.

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          Im Rat der Europäischen Zentralbank ist über größere Anleihekäufe gesprochen worden als bislang bekannt. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sprachen sich bei den zweitägigen Beratungen am Mittwoch und Donnerstag einige Befürworter einer sogenannten Quantitativen Lockerung für ein Volumen von mehr als 1000 Milliarden Euro aus. „Es ging um mehr als die eine Billion Bilanzausweitung, die bislang öffentlich ist“, sagte ein Eurosystem-Insider der F.A.Z.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Befürworter des Anleihekaufes drängten darauf, schon in der Sitzung am 22. Januar 2015 das Kaufprogramm zu beschließen. Dagegen gibt es allerdings Widerstände. Schon die Festlegung auf ein Bilanzzielausweitung war im EZB-Rat heftig umstritten, wie EZB-Chef Mario Draghi auf der Pressekonferenz am Donnerstag angedeutet hat. Neben Bundesbank-Präsident Jens Weidmann opponierten gleich drei Mitglieder des EZB-Direktoriums.

          Die EZB könnte dabei besonders riskante Papiere aus Krisenstaaten überproportional kaufen, wie die F.A.Z. in ihrer Samstagsausgabe weiter berichtet. Ursprünglich hatte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio vorgeschlagen, Staatsanleihen aller Euro-Länder entsprechend der EZB-Kapitalquoten zu kaufen. Dies hätte geheißen, dass am meisten deutsche Anleihen, dann französische und erst an dritten Stelle italienische Anleihen gekauft würden.

          Im EZB-Rat gibt es nun aber vermehrt Stimmen, die für eine Konzentration auf Papiere mit höheren Spreads (Risikoaufschlägen gegenüber deutschen Bundesanleihen) plädieren. Das hieße, dass die Zentralbank den größten Anteil an italienischen Papieren kaufen würde, die höhere Zinsen, aber wegen der hohen Verschuldung und Wirtschaftskrise Italiens auch ein größeres Risiko tragen.

          In der EZB gibt es schon seit mehr als einem halben Jahr verschiedene Simulationsrechnungen, welchen Effekt ein massenhafter Anleihenkauf über 1000 Milliarden Euro auf die Inflationsrate hätte. Nach Informationen der F.A.Z. würde die Inflationsrate nach den ersten Simulationen im Frühjahr um 0,2 bis 0,8 Prozentpunkte angehoben.

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