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Notenbank-Konferenz in Sintra : Draghi: „Alle Zeichen deuten auf eine breitere Erholung“

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EZB-Präsident Mario Draghi kommt an im portugiesischen Sintra, wo die Notenbank eine große Konferenz veranstaltet. Bild: Reuters

Der EZB-Präsident spricht optimistischer über den Aufschwung in der Währungsunion. Die Anleger reagieren darauf.

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          Der Wirtschaftsaufschwung in der Europäischen Währungsunion gewinnt nach Ansicht des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) immer mehr an Kraft. „Alle Zeichen deuten nun auf eine Festigung und Verbreiterung der Erholung in der Euro-Zone hin“, sagte Mario Draghi an diesem Dienstag während einer Notenbank-Konferenz im portugiesischen Sintra.

          Auch mit Blick auf die Teuerungsrate sieht er eine positive Entwicklung. Denn die den Preisauftrieb wieder anschiebenden Kräfte hätten inzwischen die deflationären Faktoren ersetzt. Eine „Deflation“ und damit eine gefährliche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und Investitionen zu verhindern, war einer der zentralen Gründe für die lockere Geldpolitik der EZB.

          Schritt für Schritt

          Draghis Äußerungen sorgten für Bewegung an den Währungsmärkten. Der Euro baute seine Gewinne aus und legte zeitweise auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 1,1240 Dollar zu. „Es war ein anderer Zungenschlag von Draghi“, sagte Daniel Lenz, Ökonom der DZ Bank. Der EZB-Präsident habe mehr die positive Entwicklung der Konjunktur in den Vordergrund gestellt als bisher und das Vorübergehende betont mit Blick auf die Inflationsrisiken.

          Es gebe zwar immer noch Faktoren, die auf der Preisentwicklung lasteten, sagte Draghi. „Gegenwärtig sind das vor allem temporäre Faktoren, durch die eine Zentralbank typischerweise hindurchschauen kann.“ Die EZB strebt knapp zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft an. Davon ist sie mit einer Teuerung von 1,4 Prozent im Mai aber noch ein gutes Stück entfernt.

          Trotz aller Zuversicht hält Draghi daher ein erhebliches Ausmaß an geldpolitischer Lockerung immer noch für erforderlich, damit die Inflationsdynamik dauerhaft und selbsttragend wird. Daher sei Beständigkeit in der Geldpolitik wichtig. Aber auch Umsicht sei nötig. „Wenn die Konjunktur anzieht, werden wir graduell vorgehen müssen, wenn wir unsere geldpolitischen Parameter anpassen.“ So will die EZB sicherstellen, dass ihr Kurs bei fortbestehenden Unsicherheiten die Erholung weiter unterstützt.

          Die Währungshüter hatten jüngst einen kleinen Schritt in Richtung Kurswende unternommen, indem sie die bislang stets erwähnte Option auf noch tiefere Zinsen aus ihrem offiziellen Ausblick strichen. Experten erwarten, dass die EZB in den kommenden Monaten diese Politik der vorsichtigen Trippel-Schritte fortsetzt.

          Derzeit liegt der Leitzins auf historisch niedrigen null Prozent. Außerdem kauft die EZB gemeinsame mit den nationalen Notenbanken seit April jeden Monat Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro - zuvor waren es 80 Milliarden Euro gewesen.. Volkswirte erwarten, dass die EZB im Herbst entscheidet, wie es mit den Käufen nach dem Jahresende weitergehen wird.

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