https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/expertenbericht-vor-klimagipfel-studie-gruenes-wachstum-ist-moeglich-13154992.html

Expertenbericht vor Klimagipfel : Studie: Grünes Wachstum ist möglich

  • -Aktualisiert am

Die Erde aus dem Weltall Bild: dpa

Ist Wirtschaftswachstum immer schlecht für das Klima? Nein, sagt ein Expertenbericht, das sei ein „Mythos“. Es ist kein Zufall, dass die Studie jetzt vorgestellt wird.

          2 Min.

          Wirtschaftswachstum, Energieverbrauch und Klimaschutz müssen kein Gegensatz sein, sie können gemeinsam verwirklicht werden. Das verspricht jedenfalls eine Expertenkommission im Auftrag des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, deren Beratungsergebnisse diesen Dienstag veröffentlicht werden. „Der Bericht liefert überzeugende Belege dafür, dass der technologische Wandel neue Möglichkeiten schafft, um das Wachstum zu steigern, Arbeitsplätze zu schaffen, Unternehmensgewinne zu erhöhen und die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben“, wird der Vorsitzende der Kommission, der frühere mexikanische Staatspräsident Felipe Calderón zitiert. Man sende „die klare Botschaft an Regierungen und den Privatsektor, dass wir beides schaffen können, die Wirtschaft zu beleben und den Klimawandel einzudämmen“.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Es ist kein Zufall, dass das Papier mit dem programmatischen Titel „Better Growth, better Climate“ jetzt vorgestellt wird. In einer Woche findet der von Ban einberufene Weltklimagipfel in New York statt, zu dem allerdings Regierungschefs wie aus China, Indien oder Deutschland - anders als aus Frankreich und Amerika - nicht anreisen wollen. Die internationale Klimadiplomatie hofft, dass dieses Gipfeltreffen, das anders als der alljährlich im Dezember tagende Weltklimagipfel keinerlei bindende Verabredungen treffen kann, den zähen Verhandlungen für ein Weltklimaabkommen neuen Schub geben kann. Ein Grund für den Beinahestillstand ist die Sorge der Schwellenländer, dass ihnen mit einem strengen internationalen Klimaregiment Entwicklungschancen genommen werden. Die sucht der neue Report ihnen zu nehmen.

          Neuer Schub sei dringend notwendig, wenn die Weltgemeinschaft das Ziel noch einhalten wolle, den Anstieg der Erdtemperatur in diesem Jahrhundert auf 2 Grad zu begrenzen, sagt auch Caio Koch-Weser, einer der 24 Autoren des 60 Seiten umfassenden Papiers. Es wird an diesem Dienstag in New York, Oslo, Addis Abeba und Peking vorgestellt. Die Ortswahl soll deutlich machen, dass nur gemeinsame Anstrengungen in umweltschonende Investitionen die Folgen des Klimawandels begrenzen könnten.

          Es komme auf die nächsten 15 Jahre an, sagte Koch-Weser. Früher war er Finanzstaatssekretär, heute ist er bei der Deutschen Bank. Bis 2030 werde sich entscheiden, ob das Zwei-Grad-Ziel eingehalten und der Ausstoß von Kohlendioxid radikal reduziert werden könne. Anstehende Investitionen in neue Städte, Straßen und Energiesysteme müssten so vorbereitet werden, dass sie Wohlstand und „gutes Leben“ bei größerer Effizienz ermöglichten. Damit verbundene Energie-Einsparungen könnten einen Teil der Investitionskosten finanzieren. So neu der Bericht, so bekannt (und wenig beachtet) sind viele seiner Vorschläge: Städte kompakter bauen, Ursachen von Zersiedelung und Landflucht bekämpfen, Wälder als CO2-Speicher erhalten und unkontrollierten Holzeinschlag verhindern, Kostenverfall bei Solar- und anderen Ökostromerzeugungen nutzen, Subventionen für fossile Energieträger wie Öl und Kohle abbauen, Preise für Kohlendioxidzertifikate anheben. Koch-Weser nannte einen Preis von 40 Dollar je Tonne, der weiter steigen müsse, um der Wirtschaft Signale für eine effizientere Produktion zu geben.

          Weitere Themen

          Erstes Gasspeicherziel erreicht

          Deutschland : Erstes Gasspeicherziel erreicht

          Bevor die Heizperiode beginnt, versucht die Bundesregierung die Gasspeicher zu füllen – das erste Ziel von 75 Prozent ist erreicht. Deutschland bereitet sich auf einen eventuellen Ausfall von russischen Gaslieferungen vor.

          Zweites Leben für Bohrinseln in Norwegen Video-Seite öffnen

          XXL-Recycling : Zweites Leben für Bohrinseln in Norwegen

          In einem norwegischen Hafen werden ausgediente Bohrinseln für die Weiterverarbeitung ausgeschlachtet. Arbeiter zerlegen die Stahl-Ungetüme, damit die wertvollen Materialien fast vollständig recycelt werden können. Das lohnt sich auch wirtschaftlich.

          Ein Treiber und Getriebener

          Zum Tode Anshu Jains : Ein Treiber und Getriebener

          Als Co-Vorstandsvorsitzender verkörperte Anshu Jain über viele Jahre das Investmentbanking einer Deutschen Bank, die mit den amerikanischen Riesen der Branche wetteifern wollte. Nun ist er mit 59 Jahren gestorben.

          Topmeldungen

          Verspätungen der Bahn : Warum kommt die Bahn so oft zu spät?

          Die Deutsche Bahn hat große Ambitionen. Doch derzeit ist die Lage so desaströs wie selten zuvor. Das liegt an politischen Fehlern und einem hochkomplexen System. Wenn nicht jedes Rädchen ins andere greift, spüren es Kunden sofort. Eine Reise zu denen, die diese Rädchen bedienen.
          Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

          Ukrainekrieg : Selenskyj fordert Sanktionen gegen russische Atomindustrie

          Die Strafmaßnahmen müssten die Nuklearindustrie des russischen Aggressors treffen, sagte Selenskyj in seiner Videoansprache. Jeder russische Soldat, der das AKW Saporischschja beschieße oder sich dort verschanze, werde zum Ziel ukrainischer Geheimagenten und der Armee.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.