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Expertenbericht vor Klimagipfel : Studie: Grünes Wachstum ist möglich

  • -Aktualisiert am

Die Erde aus dem Weltall Bild: dpa

Ist Wirtschaftswachstum immer schlecht für das Klima? Nein, sagt ein Expertenbericht, das sei ein „Mythos“. Es ist kein Zufall, dass die Studie jetzt vorgestellt wird.

          Wirtschaftswachstum, Energieverbrauch und Klimaschutz müssen kein Gegensatz sein, sie können gemeinsam verwirklicht werden. Das verspricht jedenfalls eine Expertenkommission im Auftrag des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, deren Beratungsergebnisse diesen Dienstag veröffentlicht werden. „Der Bericht liefert überzeugende Belege dafür, dass der technologische Wandel neue Möglichkeiten schafft, um das Wachstum zu steigern, Arbeitsplätze zu schaffen, Unternehmensgewinne zu erhöhen und die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben“, wird der Vorsitzende der Kommission, der frühere mexikanische Staatspräsident Felipe Calderón zitiert. Man sende „die klare Botschaft an Regierungen und den Privatsektor, dass wir beides schaffen können, die Wirtschaft zu beleben und den Klimawandel einzudämmen“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Es ist kein Zufall, dass das Papier mit dem programmatischen Titel „Better Growth, better Climate“ jetzt vorgestellt wird. In einer Woche findet der von Ban einberufene Weltklimagipfel in New York statt, zu dem allerdings Regierungschefs wie aus China, Indien oder Deutschland - anders als aus Frankreich und Amerika - nicht anreisen wollen. Die internationale Klimadiplomatie hofft, dass dieses Gipfeltreffen, das anders als der alljährlich im Dezember tagende Weltklimagipfel keinerlei bindende Verabredungen treffen kann, den zähen Verhandlungen für ein Weltklimaabkommen neuen Schub geben kann. Ein Grund für den Beinahestillstand ist die Sorge der Schwellenländer, dass ihnen mit einem strengen internationalen Klimaregiment Entwicklungschancen genommen werden. Die sucht der neue Report ihnen zu nehmen.

          Neuer Schub sei dringend notwendig, wenn die Weltgemeinschaft das Ziel noch einhalten wolle, den Anstieg der Erdtemperatur in diesem Jahrhundert auf 2 Grad zu begrenzen, sagt auch Caio Koch-Weser, einer der 24 Autoren des 60 Seiten umfassenden Papiers. Es wird an diesem Dienstag in New York, Oslo, Addis Abeba und Peking vorgestellt. Die Ortswahl soll deutlich machen, dass nur gemeinsame Anstrengungen in umweltschonende Investitionen die Folgen des Klimawandels begrenzen könnten.

          Es komme auf die nächsten 15 Jahre an, sagte Koch-Weser. Früher war er Finanzstaatssekretär, heute ist er bei der Deutschen Bank. Bis 2030 werde sich entscheiden, ob das Zwei-Grad-Ziel eingehalten und der Ausstoß von Kohlendioxid radikal reduziert werden könne. Anstehende Investitionen in neue Städte, Straßen und Energiesysteme müssten so vorbereitet werden, dass sie Wohlstand und „gutes Leben“ bei größerer Effizienz ermöglichten. Damit verbundene Energie-Einsparungen könnten einen Teil der Investitionskosten finanzieren. So neu der Bericht, so bekannt (und wenig beachtet) sind viele seiner Vorschläge: Städte kompakter bauen, Ursachen von Zersiedelung und Landflucht bekämpfen, Wälder als CO2-Speicher erhalten und unkontrollierten Holzeinschlag verhindern, Kostenverfall bei Solar- und anderen Ökostromerzeugungen nutzen, Subventionen für fossile Energieträger wie Öl und Kohle abbauen, Preise für Kohlendioxidzertifikate anheben. Koch-Weser nannte einen Preis von 40 Dollar je Tonne, der weiter steigen müsse, um der Wirtschaft Signale für eine effizientere Produktion zu geben.

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