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Ex-Arcandor-Chef : Middelhoff stellt Insolvenzantrag

  • -Aktualisiert am

Thomas Middelhoff Bild: dpa

Seit November sitzt der ehemalige Spitzenmanager Thomas Middelhoff im Gefängnis. Jetzt hat er für sich einen Insolvenzantrag gestellt.

          Thomas Middelhoff hat eingeräumt, dass er pleite ist: Der frühere Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann und Arcandor hat am Dienstag am Bielefelder Amtsgericht einen Insolvenzantrag eingereicht. Das bestätigte ein Gerichtssprecher auf Anfrage. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Bielefelder Anwalt Thorsten Fuest eingesetzt.

          Am Vortag hatte nach Informationen dieser Zeitung Middelhoffs Anwalt Hartmut Fromm sich dessen Unterschrift in der Justizvollzugsanstalt besorgt. Der 61 Jahre alte frühere Top-Manager sitzt seit vier Monaten wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft; das Landgericht Essen hatte ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Middelhoff soll auf Firmenkosten viele Privatflüge unternommen haben. Auch das Finanzamt Bielefeld-Außenstadt hat einen Insolvenzantrag gegen ihn gestellt.

          Middelhoff hat deshalb auch eine Gerichtsverhandlung absagen lassen, die an diesem Donnerstag am Landgericht Bielefeld stattfinden sollte. Er klagt dort gegen den Unternehmensberater Roland Berger. Dieser hat einen Vollstreckungstitel erwirkt, weil er Middelhoff einst für eine gemeinsame Firma rund 7 Millionen Euro geliehen hatte. Ein Gerichtssprecher teilte mit, dass Middelhoffs Anwälte ihren Antrag auf „Terminsaufhebung“ mit dem Insolvenzverfahren begründet hätten.

          Mehrere Gläubiger erheben Millionenforderungen gegen den früheren Manager, darunter der Insolvenzverwalter der Kaufhauskette Karstadt-Quelle. Während seines Strafprozesses wurde sogar seine Armbanduhr gepfändet. Gegenüber einer Gerichtsvollzieherin musste er eine „eidesstattliche Versicherung“ ablegen. Middelhoff kontert mit Forderungen gegen die Privatbank Sal. Oppenheim.

          Das Landgericht Köln hat allerdings im vergangenen November deutlich gemacht, dass es seine Forderungen vermutlich abweisen wird. Zudem ermitteln Staatsanwälte in Bochum, Essen und München gegen ihn.

          So schreiben die Münchner Strafverfolger in der Anklage gegen den Ko-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und diverse Ex-Vorstände der Bank, Middelhoff habe im Milliardenprozess des Medienunternehmers Leo Kirch gegen das Kreditinstitut vor dem Münchner Oberlandesgericht falsch über ein Gespräch mit dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder ausgesagt. Erst vor der Staatsanwaltschaft habe er später aufgeklärt, „was tatsächlich beim Kanzlergespräch vom 27. Januar 2002 vereinbart worden war“.

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