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Separatismus : Europas rebellische Regionen

Das katalanische Parlament liegt in einem riesigen, wunderschönen Park. Wie eine grüne Lunge saugt er den Dreck der Innenstadt auf. Der Palast war mal das Waffenarsenal der Festung von Bourbonen-König Philip V., Ende des 18. Jahrhunderts gebaut, um die besiegten Katalanen in Schach zu halten. Der Sitzungssaal im ersten Stock ist sehr schön. Neben Gehölz und Samt steht der Generalsekretär der katalanischen Regierungspartei CiC Josep Rull und berichtet, dass Franco den Saal einst zusperren ließ: um den Katalanen zu zeigen, dass sie ihn mal konnten.

„Bayern ist wie wir“

Man nimmt dem Politprofi Rull sein Pathos nicht ab, eben noch im Büro hat er sich gewunden bei der Aufforderung, hier und jetzt der deutschen Öffentlichkeit das Datum der katalanischen Unabhängigkeit zu nennen. „Spanien wird alles tun, um ein Referendum zu verhindern“, nuschelt der Generalsekretär. Die Angst vor den Madrilenen ist groß in diesem Palast der Volksvertreter, wir rauschen von einem Büro ins nächste quer durch das politische Spektrum, hinter jeder Tür eine sorgenvolle Miene: Was wird, wenn Madrid Truppen schickte? „Das würde die Europäische Union nicht zulassen“, sagt die Vizepräsidentin im sonnengefluteten Büro und guckt düster.

Vielleicht kommt es gar nicht so weit. Kataloniens Regierung werde unter dem Druck Madrids umkippen und statt eines Referendums dem Volk eine Parteienwahl offerieren, womit die Unabhängigkeit auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wäre. Das glauben in diesem Gebäude viele. Und Anna Arqué, die starke, unerschrockene Anna, die eine Million Menschen mobilisiert und längst Fakten geschaffen hat, steht im Foyer und rauft sich die blonden Haare angesichts solchen Kleinmuts.

Abends: Palau de la Musica, wo ein katalanischer Literaturpreis vergeben wird. Verblüffenderweise an einen Soap-Opera-Autor. Aber Barcelonas Honoratioren sind da. Katalonien-Präsident Artur Mas, den Madrid am liebsten im Gefängnis sähe, begrüßt uns mit Küsschen. Im Foyer erzählt ein Sportfunktionär, wie er für ein katalanisches Fußball-Nationalteam kämpft. Dass Pep Guardiola nun Bayern-Trainer sei, sei logisch: „Bayern ist wie wir.“

Schottland

Sowohl die Wahlkampfzentrale der Gegner als auch die der Befürworter der Unabhängigkeit Schottlands steht in Glasgow. Der Grund ist nicht der Glamour. In Glasgow gibt es schöne Ecken (Universität) und eine Einkaufsmeile (Buchanan) mit Normalo-Läden, aber netter Architektur. Aber auch viele üble Gassen. Die Lebenserwartung in Glasgow ist mit am niedrigsten in ganz Europa.

Noch leben eine halbe Million Menschen in der City und zwei Millionen drum herum, insgesamt hat Schottland nur fünf Millionen. Wer Glasgow gewinnt, gewinnt das Referendum. Deshalb hat Colin Pyle, 32 Jahre jung und smart, geboren in Kirkcaldy bei Edinburgh wie Adam Smith, seinen Posten als Spindoctor an der Seite des Regierungschefs Alex Salmond verlassen und arbeitet in Glasgow an der „Yes! Campaign“. Yes zu einem eigenen Staat. Am 18. September 2014 wird abgestimmt. Derzeit sieht es mau aus. Die Umfragen zeigen eine Mehrheit für Nein. Am Dienstag setzte in einem Glasgower Wettbüro ein Schotte 200.000 Pfund auf Nein.

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