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Europaparlament : Auch dünne Plastiktüten sollen künftig etwas kosten

Die leichten, dünnen Tüten machen knapp 90 Prozent der Plastiktüten in Europa aus. Bild: dpa

Das Europaparlament sagt Plastiktüten den Kampf an. Im Blick haben die Abgeordneten vor allem die leichten, dünnen Tüten.

          2 Min.

          Er endet in der Nahrungskette von Meerestieren und bildet auf hoher See schwimmende Inseln: Mehrere Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr in den Meeren. Bis zu 450 Jahre dauert es, bis das Material zersetzt und abgebaut ist. Einen nicht unbeträchtlichen Anteil an den Müllinseln haben Plastiktüten. 8 Milliarden davon landen allein in der EU alljährlich im Müll. Sie bilden 70 Prozent der in der Nordsee treibenden Abfälle.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          198 Plastiktüten verbraucht ein EU-Bürger durchschnittlich im Jahr – wobei auf Dänen und Finnen nicht einmal 10, auf die Deutschen rund 70 und auf Bulgaren und Portugiesen mehr als 400 Tüten entfallen.

          Verbrauch um 80 Prozent senken

          Geht es nach dem Europaparlament soll sich die Ziel der Plastiktüten in den kommenden Jahren stark verringern. Um 50 Prozent soll der Verbrauch bis 2017 sinken. Bis 2019 sollen es 80 Prozent sein. Dafür hat sich zumindest der Umweltausschuss des Europaparlaments am Montagabend in Straßburg mit klarer Mehrheit ausgesprochen und ist damit einem Vorschlag von EU-Umweltkommissar Janez Potocnik vom Herbst 2013 gefolgt. Im Blick haben die Abgeordneten dabei vor allem die leichten, dünnen Tüten, die meist nur ein einziges Mal nutzbar sind. Sie machen knapp 90 Prozent der Plastiktüten in Europa aus und landen gerade in Küstenregionen oft direkt im Meer. Der Tourismus und offenen Deponien, von denen der Wind die Tüten forttragen kann, gelten als Hauptgründe dafür, dass die Tüten im Meer landen.

          Wie die Staaten den Verbrauch von Plastiktüten verringern, soll ihnen dabei nach dem Beschluss der EU-Abgeordneten weitgehend überlassen bleiben. Am effizientesten sei es sicherlich, die Tüten mit einem Preisschild zu versehen, sagte die im Parlament für das Dossier federführend zuständige Europaabgeordnete Margarete Auken von den dänischen Grünen. Zumindest beim Verkauf in Lebensmittelgeschäften wollen die Abgeordneten des Umweltausschusses das deshalb auch verpflichtend machen – ohne einen konkreten Preis zu nennen. Ausnehmen wollen sie davon allerdings die aus hygienischen Gründen nötigen besonders dünnen Tüten, in denen Fisch, Fleisch oder Milchprodukte verpackt sind.

          Die Staaten sollen darüber hinaus gehen können. So könnten sie nach dem Votum auch eine Plastiktütensteuer erheben, die von den Herstellern nicht zwingend an die Kunden weitergegeben werden müsste, oder alle oder zumindest bestimmten Tüten auf ihrem Gebiet ganz verbieten. Bevor es dazu kommt, müssen die Staaten allerdings zunächst selbst noch über den Vorschlag abstimmen. Nur wenn auch sie zustimmen und sich mit dem EU-Parlament auf eine gemeinsame Linie einigen, kann die Regelung in Kraft treten. Bis das geschieht, dürften deshalb noch einige Monate vergehen.

          Vorbild Irland

          Vorbild im Kampf gegen die Plastiktüten ist für die Europaabgeordneten Irland. Eine Abgabe von 44 Cent je Tüte hat den Verbrauch dort spürbar von alljährlich 328 auf 18 Stück je Einwohner gesenkt. Auch andere Länder hätten den Verbrauch durch Abgaben innerhalb von kürzester Zeit stark reduziert, sagte die niederländische Sozialdemokratin Judith Merkies. Inwieweit sich das auf Länder wie Deutschland übertragen lässt, wo etwa in Supermärkten ohnehin oft schon Geld für Plastiktüten verlangt wird, ist umstritten. Fachleute bezweifeln sogar, dass es hierzulande überhaupt Bedarf für eine Regelung gibt. Hierzulande landet schon heute der Großteil des Plastikmülls im gelben Sack und danach in der Müllverbrennung.

          Das deutsche Bundesumweltamt kommt entsprechend zu dem Schluss, dass in der Gesamtschau der Umweltbelastungen durch Kunststoffartikel der Beitrag von Plastiktüten wegen der geringen Gesamtmenge relativ unbedeutend sei. Anders sei das in Ländern ohne eine funktionierende Müllentsorgung, gesteht das Amt allerdings zu. Dort ergäben Auflagen deshalb durchaus Sinn.

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