https://www.faz.net/-gqe-43de

Europäische Zentralbank : Der Geldmenge kommt weiterhin eine herausragende Rolle zu

  • -Aktualisiert am

Die Europäische Zentralbank hat ihre Strategie klargestellt, sie hat sie nicht geändert. Der Chefvolkswirt der EZB, Otmar Issing, erläutert in einem Beitrag für die F.A.Z. die Strategierevision.

          4 Min.

          Notenbanken erlangen Ansehen und Vertrauen durch eine gute Politik. Gute Geldpolitik zeichnet sich aus durch die Stabilität der Währung, für die die Notenbank Verantwortung trägt. Eine effiziente Strategie gibt die richtige Orientierung und vermittelt Verständnis in der Öffentlichkeit für die geldpolitischen Entscheidungen. Sie konkretisiert, in welcher Weise sich die Notenbank bemüht, ihrem vom Gesetzgeber erteilten Auftrag gerecht zu werden.

          Für die Europäische Zentralbank (EZB) als neue Notenbank, mit der Verantwortung für die neue Währung Euro, gelten diese Anforderungen in besonderem Maße. Die EZB war sich dessen wohl bewußt. Sie wählte eine uneingeschränkt auf die Erhaltung der Kaufkraft des Euro ausgerichtete Strategie und gab ihre Wahl in voller Transparenz der Öffentlichkeit im Oktober 1998 bekannt, bevor sie im Januar 1999 die geldpolitische Kompetenz für den Euro-Rraum übernahm.

          Strategie wurde im Laufe der Zeit besser verstanden

          Somit legte die EZB gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit die Strategie fest, die die geldpolitischen Maßnahmen des EZB-Rats und deren Kommunikation mit der Öffentlichkeit seither bestimmt hat. Diese Entscheidung stützte sich auf die reichhaltigen Erfahrungen der nationalen Zentralbanken in Europa, war aber auch in vielerlei Hinsicht neu. Es konnte daher nicht überraschen, daß die Strategie unter Beobachtern immer wieder zu Diskussionen geführt hat, auch wenn sie im Laufe der Zeit zweifellos besser verstanden wurde. Es wird kaum bestritten, daß die Geldpolitik der EZB im großen und ganzen sehr erfolgreich war und ist. Dies wird untermauert von der Tatsache, daß die langfristigen Inflationserwartungen trotz einer Reihe ungünstiger Preisschocks stets unter zwei Prozent geblieben sind.

          Strategie klarstellen, Vermittlung verbessern

          Nach mehr als vier Jahren Geldpolitik für das Euro-Währungsgebiet lag es nahe, im Lichte unserer bisherigen Erfahrungen Bilanz zu ziehen. Am 8. Mai schloß der EZB-Rat eine gründliche Überprüfung der geldpolitischen Strategie der EZB ab. Gleichzeitig wurde eine Reihe von Hintergrundstudien veröffentlicht. Im Ergebnis bestätigte der EZB-Rat die drei im Oktober 1998 bekanntgegebenen Hauptelemente der Strategie. Dies sind: a) die quantitative Definition von Preisstabilität, deren Gewährleistung gemäß dem im EG-Vertrag festgelegten Auftrag das vorrangige Ziel der EZB ist, b) eine herausragende Rolle der Geldmenge bei der Beurteilung der Risiken für die Preisstabilität und c) eine breit angelegte Beurteilung der Aussichten für die Preisentwicklung. Die beiden letzteren Elemente wurden rasch als die „wei Säulen" der Strategie bekannt und entwickelten sich zusammen mit der mittelfristigen Ausrichtung zum Markenzeichen des geldpolitischen Ansatzes der EZB. Gleichzeitig nutzte der EZB-Rat diese Gelegenheit, um einige Aspekte der Strategie klarzustellen und dadurch im Einklang mit der in der Vergangenheit verfolgten Geldpolitik deren Vermittlung zu verbessern.

          Definition der Preisstabilität bestätigt

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Krise im deutschen Fußball : Die Nationalelf ist im freien Fall

          Seit dem WM-Sieg stürzt der Image-Wert des Nationalteams in den Keller, wie eine Umfrage belegt. Auch die Entfremdung von der Elf erreicht eine neue Dimension. Das hat nicht nur mit Niederlagen auf dem Rasen zu tun.
          Neue Hoffnung für die Blockchain: Kommt diesmal der Durchbruch?

          Zukunft der Computer : Bitcoin – Blockchain – Boom

          Der jüngste Kursanstieg der Kryptowährung lenkt den Blick auf eine Technologie, die gewaltiges Potential hat: Es geht um sichere Lieferketten, den digitalen Euro und mehr. Ein Gastbeitrag.
          Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, am 20. November in Troisdorf

          Historische Corona-Analogien : Auch Deutsche unter den Opfern

          Armin Laschet spricht vom härtesten Weihnachtfest der Nachkriegszeit, eine Demonstrantin vergleicht sich mit Sophie Scholl: Helfen mehr Geschichtsbücher gegen die schiefen Bilder?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.