https://www.faz.net/-gqe-8dndk

F.A.Z.-exklusiv : Alles, nur kein Brexit

Wie lange hängen sie noch zusammen? Die Flaggen von Großbritannien und der EU Bild: dpa

21 Wirtschaftsverbände aus 19 EU-Ländern werben dafür, Großbritannien in der Union zu behalten. Sie rufen in einem Brief gemeinsam zu einer Reform der EU auf.

          2 Min.

          Wenn schon die Politik in Europa heillos zerstritten erscheint, dann sollte wenigstens die Wirtschaft zusammenhalten: So liest sich ein Brief, in dem 21 Wirtschaftsverbände aus 19 EU-Ländern dafür werben, dass Großbritannien Teil der Europäischen Union bleiben sollte – und dass eine im Sinne der Briten reformierte Gemeinschaft letztlich im Interesse aller Länder wäre.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „Wir wollen eine wettbewerbsfähigere EU“, heißt es in dem Schreiben, das der britische Arbeitgeberverband CBI initiiert hat und das von deutscher Seite der Bundesverband der Industrie (BDI) sowie die Arbeitgebervereinigung BDA unterzeichnet haben. „Davon würden die Menschen auf dem ganzen Kontinent profitieren.“ Hintergrund ist, dass Großbritanniens Premierminister David Cameron am Donnerstag in Brüssel mit den anderen Regierungschefs über die weitere Mitgliedschaft seines Landes verhandeln wird. Einer seiner Punkte ist die besagte Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Möglicherweise schon Ende Juni soll dann das britische Volk darüber abstimmen, ob es in der EU bleiben will oder nicht.

          2,5 Millionen Unternehmen stehen hinter dem Brief

          Dass die meisten Unternehmen dies- und jenseits des Kanals für einen Verbleib der Briten sind, ist an sich nicht neu. Ungewöhnlich ist aber, dass sie gemeinsam ihre Stimme erheben und deutlich machen, dass auch sie für die von Cameron geforderten Reformen sind. In dem Brief heißt es weiter: Nicht alle Mitgliedstaaten wünschten sich eine engere Integration; die Position der Nichteuroländer müsse gesichert werden – beides steht auch auf Camerons Liste.

          Die EU zu verbessern „wäre ein echter Gewinn für alle Unternehmen in Großbritannien und Europa“, betont Carolyn Fairbairn, die Chefin des CBI. Und Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des BDI, warnt: „Ein geteiltes Europa würde in der Bedeutungslosigkeit versinken. 2050 wird kein einzelnes europäisches Land mehr unter den neun größten Volkswirtschaften der Welt sein.“ Insgesamt stehen hinter dem Brief 2,5 Millionen Unternehmen in Europa.

          In den vergangenen Wochen waren aus der britischen Wirtschaft vermehrt EU-kritische Stimmen zu hören. Vor allem kleinere Unternehmen, ob aus der Industrie oder der Londoner City, gaben zu Protokoll, dass sich die wirtschaftlichen Folgen eines Austritts in Grenzen hielten. Kurz vor Gipfelstart bekommt der pro-europäische Cameron nun aber reichlich Rückendeckung. Am Dienstag rechnete der Dachverband der europäischen Metall- und Technikindustrie (CEEMET) vor, dass ein „Brexit“ die britische Wirtschaft jährlich einen halben Prozentpunkt Wachstum kosten könnte. Zuvor hatte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, gewarnt, die geopolitische Komponente des Referendums werde unterschätzt. In einer Zeit, in der von Russland wieder eine Sicherheitsbedrohung ausgehe, wäre ein geteiltes Europa „verheerend“.

          Drohender Brexit : Riesige EU-Skepsis im englischen Clapton

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Greta Thunberg 2019 vor dem Reichstag

          F.A.Z. Frühdenker : Fridays for Future und Besuch aus Schweden

          Greta Thunberg macht beim Klimastreik vor dem Reichstagsgebäude Druck auf die Politik. Zwei Tage vor der Bundestagswahl hofft die Union, doch noch an der SPD vorbeizuziehen. Und die Berliner stimmen über Enteignungen ab. Der F.A.Z. Newsletter.
          Hans-Georg Maaßen trifft Thilo Sarrazin (r), früheres SPD-Mitglied und Politiker, bei einer Wahlkampfveranstaltung im Saal Simson des Congress Centrum Suhl.

          Maaßen und Sarrazin : Wahlkampf der alten Männer

          In Suhl diskutiert CDU-Kandidat Hans-Georg Maaßen mit dem früheren SPD-Mitglied Thilo Sarrazin. Dabei geht es weniger um Inhalte und vielmehr um die persönliche Kränkung der beiden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.