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Europäische Union : 95 Jahre Urheberschutz für Musiker

Vor allem ein Sozialprojekt für die unbekannteren Bands - im Bild: Die Band „Im Grunde Knut” aus Köln Bild: Im Grunde Knut

In Amerika genießen Sänger und Musiker 95 Jahre lang Urheberschutz. Jetzt will die EU nachziehen. Der Grund: Vor allem die unbekannteren Künstler sollen dadurch im Alter ein besser gesichertes Einkommen erhalten.

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          Sänger und Musiker sollen auch in der EU künftig 95 Jahre lang Anspruch auf Tantiemen für von ihnen aufgenommene Stücke erhalten. Es gebe keinen überzeugenden Grund, warum ein Komponist einen Urheberschutz für sein gesamtes Leben und noch 70 Jahre darüber hinaus genieße, ein Musiker aber insgesamt nur 50 Jahre geschützt werde, sagte der EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy am Donnerstag in Brüssel.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Schließlich sei es oft der Künstler, der eine Komposition erst richtig zum Leben erwecke. Wenn die EU jetzt nichts unternehme, würden in den kommenden zehn Jahren Tausende Künstler aus Europa, die in den späten fünfziger und den sechziger Jahren Platten aufgenommen haben, ihre Lizenzeinnahmen verlieren. Die Vereinigten Staaten hätten den Schutz von Künstlern und Sängern daher auf 95 Jahren verlängert.

          Kein lebenslanges Einkommen mehr

          Auch Musiker lebten heute länger, sagte der EU-Kommissar. 50 Jahre Schutz gewährten ihnen deshalb kein lebenslanges Einkommen mehr, wenn sie mit Anfang 20 ihre Hits aufgenommen hätten. Um Stars wie Cliff Richard oder Charles Aznavour mache er sich dabei weniger Sorgen. Es gehe ihm vor allem um unbekanntere Künstler sowie die anonymen Studiomusiker.

          Die Lizenzgebühren, die etwa Radiosender für die Ausstrahlung von Stücken zahlen müssten, seien häufig die einzige Rente für diese Künstler. Wer in den sechziger Jahren mehrere Schallplatten mit mäßigem Erfolg veröffentlicht habe, habe damit im Gegensatz zu Stars wie den Beatles oder den Rolling Stones zu wenig verdient, um heute davon leben zu können, sagte ein Sprecher. Wenn der Schutz nach 50 Jahren ausliefe, wäre das darüber hinaus gerade in Zeiten des Internets für viele sehr bitter. „Manch obskurer, früher erfolgloser Titel stößt heute, Jahrzehnte nach seiner Aufnahme, in einigen Internetmusikforen auf großes Interesse“, sagte ein Sprecher. „Da ist es nur fair, wenn der Künstler nun wenigstens ein, zwei Euro Lizenzgebühren dafür bekommt.“

          Ein Sozialprojekt für unbekannte Künstler

          Alles in allem sei der Vorschlag vor allem ein Sozialprojekt für unbekannte Künstler. Für Studiomusiker will der EU-Kommissar deshalb zudem einen Fonds einrichten, in den mindestens ein Fünftel der Einnahmen fließen sollen, die durch die Verlängerung des Urheberschutzes erzielt werden. Aus dem Fonds sollen auch die Studiomusiker Geld erhalten, die bisher keine Lizenzeinnahmen bekommen, da sie für die jeweilige Musikaufnahme pauschal bezahlt wurden oder normale Arbeitsverträge hatten. Damit auch weniger erfolgreiche Musiker auf jeden Fall von dem längeren Schutz profitieren, sollen die Musikkonzerne die zusätzlichen Einnahmen nicht mit vor dem Ende der bisherigen Frist gezahlten Vorschüssen verrechnen dürfen.

          Zudem sollen Sänger und Künstler künftig nach Ablauf von 50 Jahren die von ihnen aufgenommenen Musikstücke eigenständig vermarkten dürfen, wenn ein Musikkonzern das nicht selbst macht. Mit wie viel Geld die Künstler durch die Verlängerung des Urheberschutzes rechnen können, ist nach Angaben der Europäischen Kommission kaum vorherzusagen. Es gebe verschiedene Schätzungen, die von 1 bis 3 Milliarden Euro für die nächsten 45 Jahre ausgingen. Deshalb rechnet McCreevy auch nicht damit, dass CDs wegen des längeren Urheberschutzes teurer werden. Oft seien die Preise für alte Aufnahmen ohnehin viel höher als für neue CDs. McCreevy will bis zur Sommerpause einen konkreten Gesetzgebungsvorschlag vorlegen. Bevor dieser in Kraft treten kann, müssen das Europäische Parlament und die Mitgliedsstaaten zustimmen.

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