https://www.faz.net/-gqe-7rzdx

Sanktionen : Europa nimmt Russlands Banken ins Visier

Die EU will auch russische Banken mit Sanktionen treffen. Bild: Bloomberg

Die EU verschärft ihre Sanktionen gegen Russland. Ziel sind dabei wohl auch die Banken. Die Geldhäuser müssen sich darauf einstellen, schwerer neuen Kredit zu bekommen.

          Vertreter der 28 EU-Mitgliedstaaten haben an diesem Donnerstag in Brüssel die Sanktionen gegen Russland ausgeweitet. Optionen waren dabei nach Angaben von Diplomaten auch, den Handel mit Rüstungsgütern zu beschränken sowie mit Schlüsseltechnologien im Energiesektor. Eine entsprechende Liste mit Vorschlägen hatte die Europäische Kommission im Auftrag der Mitgliedstaaten erarbeitet.

          Gerald Braunberger
          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Ins Visier genommen hat die Kommission offenbar vor allem auch russische Banken, an denen der Staat mehr als 50 Prozent hält. So könnte die EU den Kauf neuer Aktien oder von Anleihen untersagen, die solche Banken ausgegeben haben. Entsprechendes beschlossen haben die Mitgliedstaaten aber noch nicht.

          Das würde die Fähigkeit der Banken zur Finanzierung der russischen Wirtschaft einschränken. Das Kaufverbot würde sich auf Papiere mit einer Laufzeit von mehr als 90 Tagen beziehen und sowohl für den Primär- als auch für den Sekundärmarkt gelten. Nicht vorgesehen ist in den Vorschlägen der Kommission indes dem Vernehmen nach, auch den Kauf russischer Staatsanleihen zu verbieten. Abwenden könnte Russland die schärferen Sanktionen nur, wenn es die Bedingungen erfüllt, die von den EU-Außenministern am Dienstag genannt wurden: Dazu gehört der Stopp von Waffenlieferungen an die Separatisten und eine aktive Mitarbeit an der Aufklärung des Flugzeugabsturzes.

          Russland hat hohe Reserven

          Die Europäer bewegen sich mit der Neuausrichtung der Sanktionspolitik insgesamt wohl auf die Vereinigten Staaten zu, die schon Mitte Juli gegen russische Banken vorgegangen sind. Sie hatten der Gasprombank und der Vnesheconombank sowie den Energieunternehmen Novatek und Rosneft faktisch den Zugang zum Kapitalmarkt abgeschnitten. Offenbar erwarten die Vereinigten Staaten, dass auch die Europäer diese Sanktionen beachten.

          Wie stark die russische Wirtschaft am europäischen Kapitalmarkt hängt, ist nicht genau zu beziffern. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg waren Konzerne aus Russland insgesamt allein in den vergangenen beiden Jahren an Unternehmenskäufen und -verkäufen im Volumen von 180 Milliarden Dollar beteiligt. Besonders betroffen wäre von zusätzlichen Sanktionen London, das als Zentrum für russische Geldgeschäfte in Europa und mit Amerika gilt.

          Umgekehrt ist aber auch viel westliches Geld in Russland. Nach Berechnungen der Investmentbank Goldman Sachs haben europäische Banken Kredite über 211 Milliarden Dollar an Kreditnehmer in Russland und der Ukraine vergeben. Unter den einzelnen Banken sind die größten Kreditgeber die österreichische Raiffeisen Bank, die französische Société Générale, die italienische Unicredit, die ungarische OTP Bank sowie die skandinavische Nordea Bank. „Angesichts der Risiken dürften die europäischen Banken ihr Wachstum und ihre Präsenz in der Region neu bewerten“, heißt es bei Goldman Sachs. „Wir gehen deswegen davon aus, dass die Reaktion historisch gesehen schnell erfolgen wird.“

          Russland könnte Sanktionen vermutlich einige Zeit aushalten, da das Land über Währungsreserven in Höhe von rund 470 Milliarden Dollar verfügt, die zu rund 10 Prozent aus Gold bestehen. Russland strebt eine größere Unabhängigkeit vom Dollar an, allerdings dürfte noch ein erheblicher Teil seiner Reserven aus der amerikanischen Währung bestehen. Im Frühjahr hatte die russische Notenbank einen deutlichen Rückgang ihrer Bestände an amerikanischen Staatsanleihen ausgewiesen.

          Auf der anderen Seite hatten etwa zur gleichen Zeit die in Belgien gehaltenen Bestände an amerikanischen Staatsanleihen deutlich zugenommen. Am Markt kursieren Vermutungen, dass sich es sich um verdeckte Käufe russischer und chinesischer Investoren handeln könnte.

          Unabhängig von den Entscheidungen der Kommission in Brüssel will der staatliche norwegische Pensionsfonds seine Anlagepolitik gegenüber Russland überdenken. Der Fonds gehört mit einem verwalteten Vermögen von fast 900 Milliarden Dollar zu den größten Anlegern der Welt. Ende des vergangenen Jahres hielt der Fonds für 3,6 Milliarden Dollar russische Aktien und für 4 Milliarden Dollar russische Anleihen, darunter Papiere der VTB-Bank.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Tipp von Achim Wiese: Nach dem Sonnen erstmal langsam abkühlen und nicht direkt ins Wasser springen.

          Tipps zur Badesaison : „Eltern müssen mit ins Wasser“

          Mit dem Sommer hat auch die Badesaison begonnen. Einfach so ins Wasser springen sollte man aber nicht: Achim Wiese vom DLRG erklärt, worauf große und kleine Badegäste achten müssen und welches Gewässer am gefährlichsten ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.