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Europa : Ein Kampf um Champions

Nationale Muskelspiele in Europa Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Spanier gegen Deutsche, Franzosen gegen Italiener. Transnationale Übernahmen lösen nationalistische Reflexe aus. Im Sinne Europas ist das alles nicht. Die Renationalisierung Europas ist in vollem Gange.

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          Jahrelang ergebnislos besprochen und dann schnell beschlossen: Die Ankündigung einer Fusion des französisch-belgischen Versorgers Suez mit dem mehrheitlich staatlichen Gaskonzern Gaz de France zeigt, wie Regierung und Industrie eines Landes zusammenfinden, um eine feindliche Übernahme aus dem Ausland zu verhindern.

          Denn in Europa ist der Teufel los: Die Regierungen in Luxemburg und Frankreich wettern gegen eine Übernahme des Stahlkonzerns Arcelor durch Mittal, in Spanien will die Regierung einen Kauf des Versorgers Endesa durch die deutsche Eon verhindern, und in Paris hatte man in den vergangenen Tagen überlegt, wie Suez ein feindliches Übernahmeangebot durch den italienische Konkurrenten Enel kontern könnte.

          Berlusconis „Halt dich da raus“ half nicht

          Nun haben die Franzosen eine nationale Lösung gefunden, die Suez wohl unangreifbar macht. Vergebens hatte der italienische Premierminister Silvio Berlusconi den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac zur Neutralität aufgefordert: "Halte dich da raus. Das ist eine Sache, die nur die Unternehmen etwas angeht."

          Ein Befund bleibt: Die Renationalisierung Europas ist in vollem Gange. Was ist aus dem europäischen Gedanken geworden? Mit voller Wucht treffen kapitalistische Logik, die nach grenzüberschreitender geschäftlicher Expansion verlangt, und nationale Gestaltungsansprüche in der Industriepolitik aufeinander.

          Politiker in der Defensive...

          In der Defensive befinden sich die Politiker, und ihre Position dürfte sich weiter verschlechtern. Denn die Voraussetzungen für große Übernahmen sind so günstig wie seit Jahren nicht mehr: Viele Vorstände sind tatendurstig geworden; ihre Kassen sind dank hoher Gewinne voll, die Kreditbanken verleihen Milliarden zu niedrigen Zinsen, das Interesse der Börse für spektakuläre Übernahmen wächst, und die häufig als ungebetene Ratgeber auftretenden Investmentbanker locken mit Projekten.

          Die Lage ruft nach Zusammenschlüssen. Die fragmentierte Stahlindustrie sieht sich zwischen starken Rohstofflieferanten und mächtigen Stahlkäufern aus der Industrie eingeengt. Da liegen Fusionen nahe, um die eigene Macht zu stärken. Folglich heißen viele Fachleute eine Übernahme von Arcelor durch Mittal aus industrieller Sicht gut.

          ...ihnen sind die Hände gebunden

          Nicht überraschend kommen auch Übernahmeversuche in der europäischen Energiebranche. Da die nationalen Strommärkte lange reglementiert waren, konnten sich keine Anbieter von europäischer Dimension bilden. Doch mit der allmählichen Marktöffnung locken grenzüberschreitende Fusionen, über die schon länger gesprochen wurde. Erst jetzt sind auch die finanziellen Voraussetzungen für Megadeals gegeben.

          Die Politik wirkt nicht nur wegen der unternehmerischen Dynamik angeschlagen. Ihr sind rechtlich weitgehend, wenn auch nicht vollständig, die Hände gebunden. Die europäische Übernahmerichtlinie fordert von den Staaten, bis Ende 2006 nationale Regelungen im Geiste der Richtlinie festzuschreiben. Sie betont die Rolle der Aktionäre bei Übernahmen und schränkt nationale Alleingänge ein.

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