https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/euro-hawk-paris-ordert-drohnen-in-amerika-12189982.html

Euro Hawk : Paris ordert Drohnen in Amerika

Euro Hawk auf dem Luftwaffenstützpunkt Manching Bild: dpa

Frankreichs Militär braucht für die Mali-Mission offenbar dringend unbemannte Militärflugzeuge. Das Land will deswegen in Amerika bestellen. Europas Hersteller sind empört.

          2 Min.

          Frankreich wird Drohnen demnächst voraussichtlich in den Vereinigten Staaten oder in Israel bestellen. Mit Fluggenehmigungen für Europa, die in Deutschland im Zusammenhang mit der Euro Hawk-Affäre heftig diskutiert werden, wollen sich die Franzosen dabei nicht lange abgeben, denn die Geräte sollen gleich in Mali eingesetzt werden, heißt es in französischen Verteidigungskreisen. Drohnen sind unbemannte, ferngesteuerte Fluggeräte; sie können je nach Modell zur Aufklärung aber auch zu Kampfeinsätzen verwendet werden.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian hat am vergangenen Wochenende bekannt gegeben, dass Frankreich mit den Vereinigten Staaten und Israel über eine möglichst rasche Lieferung neuer Drohnen verhandele. Der dringende Bedarf der Militärs lasse nicht zu, auf die Entwicklung einer europäischen Drohne zu warten, sagte der Minister. Die Gespräche mit der amerikanischen Regierung und dem amerikanischen Hersteller General Atomics sind nach einem Bericht von „Le Monde“ dabei besonders weit fortgeschritten. Die französischen Militärs wollen demnach zwei mittelhoch fliegende Drohnen des Typs „Reaper MQ9“ in einer älteren Version kaufen, die sie noch vor Jahresende in Mali stationieren wollen. Später könnten bis zu fünf neuere Versionen des Reaper im Wert von rund 300 Millionen Euro hin zu kommen, heißt es in Paris.

          Die Drohne Reaper wird von den Amerikanern unter anderem in Afghanistan als Kampfdrohne zum Auslöschen feindlicher Ziele eingesetzt. Die Franzosen sollen zunächst aber nur die unbewaffnete Version zur Aufklärung erhalten, denn die Amerikaner wollen sie mit Waffensystemen nichts ins Ausland liefern. Die späteren Modelle könnten in Frankreich für spezifische nationale Bedürfnisse umgebaut werden, lautet die Hoffnung in Paris. Dafür wäre indes eine europäische Fluggenehmigung nötig, gerade weil die mittelhoch fliegenden Drohnen mit ihrer Flughöhe von bis zu 5000 Metern mit Zivilflugzeugen kollidieren könnten.

          Drohnen-Hersteller Dassault kritisiert Politiker

          Der französische Drohnen-Hersteller Dassault kritisierte die Entscheidung zugunsten der amerikanischen Geräte. Wenn die europäischen Regierungen nie für die Entwicklung einer europäischen Drohne zu zahlen bereit wären, dann müssten sie sich nicht wundern, wenn es auch keine europäische Drohne gäbe, sagte der Vorstandsvorsitzende von Dassault Aviation, Eric Trappier. Der französische Verteidigungsminister hatte der Industrie vorgeworfen, die Entwicklung verpasst zu haben, weil die Unternehmen nie an einem Strang zogen. Richtig ist, dass der europäische Rüstungskonzern EADS, Dassault sowie die britische BAE Systems seit Jahren getrennte Wege gehen. EADS hat etwa auf eigene Kosten die Entwicklung der mittelhoch fliegenden Drohne Talarion begonnen, Dassault und BAE arbeiten gemeinsam an einem Konkurrenzmodell. Beide haben keine konkrete Bestellungen. „BAE Systems, EADS und Dassault würden sich verständigen, sobald die Länder einen gemeinsamen Bedarf definiert haben“, sagte Dassault-Chef Trappier.

          Die Entscheidung der Franzosen zugunsten Amerikas oder Israels ist auch ein Rückschlag für EADS. Denn das Unternehmen hat den französischen Militärs auf der Basis einer israelischen Plattform im Jahr 2008 vier Drohnen namens Harfang für den Einsatz in Afghanistan, Libyen und Mali geliefert. Jetzt bleiben Folgeaufträge aus. Der Harfang sei nicht auf dem Stand der neuesten Technik und könne weniger Nutzlast vertragen als die neueren Reaper, wettern die Konkurrenten.

          Nach dem kürzlich veröffentlichten Weißbuch der französischen Regierung brauchen die französischen Militärs rund 12 Drohnen. Um ihre volle Einsatzfähigkeit auszuschöpfen, kommt indes kein Modell um eine Fluggenehmigung im zivilen Luftraum herum. Denn die Geräte sollen nicht nur in militärischen Kriegsgebieten eingesetzt werden, sondern etwa auch für die Grenzüberwachung. Zudem soll der Vorteil der weitfliegenden Modelle in militärischen Einsätzen darin bestehen, dass sie immer wieder zur sicheren Heimatbasis zurückkehren können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Demonstration in Frankfurt an der Oder am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit

          Deutsche Einheit : Der Trugschluss über den Osten

          Die „Zeitenwende“ nach Putins Angriffskrieg trifft die östlichen Bundesländer ungleich härter. Den dortigen Protest muss man als Teil der gesamtdeutschen Wirklichkeit verstehen.
          Putin tritt auf dem roten Platz bei einem „Jubelkonzert“ zur Annexion der vier ukrainischen Gebiete auf

          Die Lage in der Ukraine : Für Putin gewonnen, im Felde zerronnen

          Moskau arbeitet das Annexionsprogramm einträchtig ab. Wegen der militärischen Lage mehrt sich derweil die Kritik an der militärischen Führung – unterhalb des Präsidenten. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit wächst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.