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EU-Vorschlag : Endlich Regeln für die Schattenbanken

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Schattenbanken Bild: dpa

Die Hälfte des Finanzsystems besteht aus Schattenbanken. In Europa sollen sie besser reguliert werden. Als erstes sind Geldmarktfonds dran, die im Zentrum der Finanzkrise standen.

          Die EU-Kommission geht die Regulierung der sogenannten Schattenbanken an. Als erstes nimmt sie dabei Geldmarktfonds in den Blick. Binnenmarktkommissar Michel Barnier will die Fonds unter anderem dazu zwingen, stärkere Kapitalpuffer vorzuhalten. Dadurch sollen sie robuster gegenüber Situationen werden, in denen Anleger panisch Anteile verkaufen und so das Finanzsystem ins Wanken bringen können.

          „Wir haben bereits Banken und Märkte reguliert“, sagte Barnier in Brüssel. „Jetzt müssen wir uns um die Risiken kümmern, die vom System der Schattenbanken ausgehen.“ Die vorgelegten Vorschläge sollen auch auf dem an diesem Donnerstag beginnenden G20-Gipfel in Sankt Petersburg erörtert werden. Deutschland und Frankreich gehen die Vorschläge nach Angaben der Bundesregierung nicht weit genug - sie entsprächen beispielsweise nicht genau dem, was die Experten des Expertengremiums FSB empfehlen.

          Schattenbanken sind als Begriff nicht klar definiert und abgegrenzt. Allgemein werden dazu Finanzhäuser gezählt, die bankenähnliche Funktionen übernehmen, also etwa Kredite vergeben, ohne selbst Banken zu sein. Dazu zählen Geldmarktfonds wie zum Beispiel auch bestimmte Hedgefonds-Typen.

          Im Zentrum der Finanzkrise

          Im Rahmen der Finanzkrise haben insbesondere Geldmarktfonds eine eminent wichtige Rolle gespielt - viele amerikanische Geldmarktfonds waren Dollar-Kreditgeber für europäische Banken und fielen während der Hochphase der Krise aus. Besonders französischen Banken war es hernach schwerer gefallen, sich in Dollar zu refinanzieren.

          Insgesamt stehen Schattenbanken nach Angaben des EU-Kommissars Barnier für rund die Hälfte des Weltfinanzmarktes. Nach den Vorstellungen der EU-Kommission sollen Geldmarktfonds, die ihren Investoren einen festen Rückkaufwert für ihre Fondsanteile garantieren (CNAV), künftig drei Prozent ihres verwalteten Vermögens als Kapitalpuffer vorhalten.

          Der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold, bemängelte, dass das nicht ausreiche. „Denn die Wertverluste sind in einer schweren Krise ungleich größer als drei Prozent. In einer neuen Krise wären die Geldmarktfonds Brandbeschleuniger.“ Giegold kritisierte zudem, dass die neuen Regeln erst nach einer Übergangsphase von drei Jahren greifen sollen.

          Die EU-Kommission will sicherstellen, dass die Geldmarktfonds ihren Investoren jederzeit das eingelegte Geld zurückzahlen können, wenn diese das fordern. Dazu sollen sie zehn Prozent ihres Vermögens in Papieren halten, die täglich liquide sind. Weitere 20 Prozent sollen aus Papieren bestehen, die maximal eine Woche laufen. Ein auf Kurzläufer spezialisierter Geldmarktfonds soll maximal fünf Prozent des verwalteten Vermögens in Papieren eines Emittenten halten, um nicht zu anfällig zu werden. Für andere Geldmarktfonds soll die Grenze  zehn Prozent betragen.

          Endlich verlässliche Daten

          Die EU will zudem verlässliche Daten von Schattenbanken erheben, um sie transparenter zu machen und damit Risiken schneller erkennen zu können. In Europa sitzen Geldmarktfonds überwiegend in Frankreich, Irland und Luxemburg. Vor allem Banken besorgen sich von ihnen Kapital.

          Aus Sicht des deutschen Sparkassen-Präsidenten Georg Fahrenschon gehen die Vorschläge von Barnier in die falsche Richtung. Die EU müsse eigene Eigenkapitalvorschriften für Schattenbanken beschließen und dürfe sich nicht nur auf die Verbindungen von Banken und Schattenbanken konzentrieren, sagte er in Frankfurt. „Das ist von hinten durch die Brust ins Auge.“

          Der Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbandes BdB, Michael Kemmer, sieht die Vorschläge grundsätzlich positiv. Über Details müsse sicher noch diskutiert werden. „Aber die grobe Richtung stimmt.“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits am Dienstag das schleppende Tempo bei der Regulierung von Hedgefonds bemängelt. Global wird der Schattenbankensektor auf 51 Billionen Euro geschätzt, in der EU soll sich sein Volumen auf 24 Billionen Euro belaufen.

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