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Staatliche Beihilfen : EU verurteilt spanische Fußballclubs zu Millionenrückzahlung

EU-Kommissarin Margrethe Vestager Bild: AFP

Die EU-Kommission verlangt von sieben spanischen Fußballvereinen, darunter Real Madrid und FC Barcelona, die Rückzahlung ungerechtfertigter Beihilfen. Die staatlichen Hilfen hätten ihnen einen unfairen Vorteil gegenüber anderen verschafft.

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          Von der Europameisterschaft hat sich die Fußballnationalmannschaft Spaniens frühzeitig verabschiedet. Wenige Tage später kommen nun von der Europäischen Union schlechte Nachrichten für den spanischen Fußball. Die Europäische Kommission verlangt von sieben spanischen Fußballvereinen, darunter den beiden Topvereinen Real Madrid und FC Barcelona, die Rückzahlung ungerechtfertigter Beihilfen in teilweise zweistelliger Millionenhöhe. Die staatlichen Hilfen hätten den betroffenen Vereinen einen unfairen Vorteil gegenüber anderen verschafft, teilte die Behörde am Montag in Brüssel mit. „Profifußball ist eine Wirtschaftstätigkeit, bei der beträchtliche Summen im Spiel sind“, sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Staatliche Unterstützung müsse mit Regeln eines fairen Wettbewerbs vereinbar sein. Das sei bei den untersuchten Subventionen nicht der Fall gewesen. Der spanische Staat muss die rechtswidrigen Beihilfen von den Klubs zurückfordern.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Die Hilfen für die spanischen Klubs verzerren nach Ansicht der EU-Kommission nicht nur in Spanien, sondern in der gesamten Europäischen Union den Wettbewerb. Dabei geht es nicht um den sportlichen Wettbewerb, sondern um den wirtschaftlichen, etwa beim Verkauf von Spielern oder der Vermarktung von Trikots. Eröffnet hatte die Verfahren gegen die sieben Vereine, zu denen neben Real Madrid und Barcelona Athletic Bilbao, Atlético Osasuna sowie Valencia, Elche und Herculés gehören, 2013 pikanterweise der damalige spanische Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Dabei ging es um Steuervorteile, unzulässige Bürgschaften und zweifelhafte Grundstückgeschäfte.

          Madrid, Barcelona sowie Bilbao und Osasuna werfen die Wettbewerbshüter vor, seit 1990 Steuervorteile daraus zu ziehen, dass sie im Gegensatz zu den anderen spanischen Erstligaklubs keine Aktiengesellschaften sind, sondern als gemeinnützige Vereine fungieren. Im Gegensatz zu allen anderen Profivereinen waren sie von der Pflicht zur Umwandlung in eine Sportgesellschaft befreit und müssten deshalb nur 25 statt 30 Prozent Körperschaftsteuer bezahlen. Der spanische Staat hatte diese Begünstigung allerdings vorausschauend schon im Januar abgeschafft.

          Im Fall von Real Madrid ging es darüber hinaus um eine Entschädigung, die der Verein für ein 1998 vereinbartes, aber letztlich nicht vollzogenes Grundstücksgeschäft mit der Stadt Madrid erhielt. Das relativ wertlose Vorortgrundstück wurde dafür neu eingestuft. Der Wert wurde dabei beinahe fünfzigmal so hoch angesetzt wie zuvor angenommen. Den drei Klubs FC Valencia, Herculés Alicante und FC Elche legt die Kommission zur Last, von der Region Valencia unzulässige Staatshilfen erhalten zu haben. Die Regierung der Region hatte über eine staatliche Förderbank für Kredite der Vereine gebürgt. Die Beschwerde darüber stammt schon aus dem Jahr 2009. Almunia war vorgeworfen worden, er habe das Verfahren gezielt verzögert, da es seinen Lieblings- und Heimatklub Bilbao betroffen habe. Er hatte den Vorwurf aber strikt zurückgewiesen.

          Ohnehin stellen die Rückforderungen die Vereine wahrscheinlich nicht vor unüberwindbare Hürden – zumindest wenn man die Summen als Vergleich heranzieht, die spanische Vereine Jahr für Jahr wieder für neue Spieler ausgeben. Die Nachzahlungsforderungen wegen der zu niedrig angesetzten Körperschaftsteuer lassen sich nach Angaben der EU-Kommission nicht genau beziffern. Sie dürften zwischen 0 und 5 Millionen Euro liegen. Real Madrid muss zudem 18,4 Millionen Euro aus der Entschädigung für den nicht vollzogenen Grundstückstausch zurückzahlen. Allein für den walisischen Spieler Gareth Bale soll Real Madrid das Fünffache gezahlt haben. Im Falle von Valencia, Herculés und Elche geht es auch um Rückzahlungen von 20,4 Millionen Euro, 6,1 Millionen Euro und 3,7 Millionen Euro. Positive Nachrichten hatte die Kommission hingegen für die Niederlande. Sie genehmigte mehrere Beihilfen für niederländische Fußballclubs. Die finanziellen Hilfen für die Klubs FC Den Bosch, MVV Maastricht, NEC Nijmegen und Willem II aus Tilburg sei korrekt gewesen, weil sie mit einem realistischen Plan zur Umstrukturierung der Vereine verbunden gewesen sei. Ein Grundstücksgeschäft zwischen der Stadt und dem PCV Eindhoven habe Marktbedingungen entsprochen und sei deshalb auch in Ordnung.

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