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EU verfehlt Energieziel : Brüssel schlägt Klima-Alarm

Energieeffizient: Die Wohnanlage Sophienhof in Frankfurt Bild: Felix Seuffert

Die EU hat sich bis 2020 drei ehrgeizige Ziele gesetzt. Doch eins davon - die Steigerung der Effizienz - droht ins Hintertreffen zu geraten. Die Europäische Kommission will das verhindern.

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          Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat den EU-Staaten ein mangelndes Engagement für die Senkung des Energieverbrauchs vorgeworfen. Während der Ausbau der erneuerbaren Energie voranschreite, komme die Staatengemeinschaft bei der Steigerung der Energieeffizienz nicht voran, sagte Barroso am Mittwoch in Brüssel. Wenn die Mitgliedstaaten so weitermachten wie bisher, werde die EU das Ziel, die Energieeffizienz bis 2020 um 20 Prozent zu steigern, klar verfehlen und nur 10 Prozent erreichen. Die Kommission dringe deshalb darauf, dass sich die EU-Staaten auf dem Energie-Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs Anfang Februar auf konkrete Schritte zur effizienteren Nutzung von Energie einigten, sagte der Portugiese. Dass es diese bisher nicht gebe, sei ein Grund für den langsamen Fortschritt. Verpflichtende Ziele für die EU-Staaten, wie es sie für den Ausbau der erneuerbaren Energie gibt, schloss Barroso nicht aus, forderte sie aber auch nicht explizit.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Das Ziel, die Energieeffizienz um 20 Prozent zu steigern, ist eines der drei 2020-Ziele, die die Staats- und Regierungschefs im März 2007 unter deutscher Ratspräsidentschaft beschlossen haben. Mit diesen reagiert die EU auf den Klimawandel. Bisher standen die beiden anderen Ziele im Vordergrund, der Ausbau der erneuerbaren Energie auf 20 Prozent des Verbrauchs und die Reduktion des Treibhausgasausstoßes um 20 Prozent bis 2020. In beiden Feldern gibt es konkrete, detaillierte und verpflichtende EU-Vorgaben. Auf vergleichbare Vorgaben zum Energiesparen konnte sich die EU bisher nicht einigen. Sie hat bisher nur beschlossen, dass Neubauten künftig strikte Energieeffizienz-Auflagen erfüllen müssen. Das gilt allerdings erst von 2020 an. Verbände wie der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Europaparlament kritisieren das seit langem. Die EU-Abgeordneten hatten sich zuletzt Mitte Dezember in einer Abstimmung mit überwältigender Mehrheit für verpflichtende Ziele zum Energiesparen ausgesprochen. Die Mitgliedstaaten - auch Deutschland - hatten sich aber bisher stets dagegen gewehrt.

          Die EU-Kommission treibt die Frage der Energieeffizienz schon seit einigen Monaten voran. Dabei geht es ihr nicht nur um den Klimaschutz, sondern auch um die Unabhängigkeit von Öl- und Gaslieferungen aus Drittländern. Energieeffizienz sei die beste Energiequelle, sagte Barroso am Mittwoch. Das größte Potential sieht die Kommission dabei im Gebäudesektor und Verkehr. EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte zuletzt zudem die Einführung von „Energieeffizienz-Zertifikaten“ für Stromerzeuger angeregt. Diese sollen einen Anreiz dafür setzen, bei der Stromerzeugung weniger Energie zu verschwenden. Bisher geht dabei ein Großteil der eingesetzten Energie verloren, etwa in Form von Wärme.

          Die Wohnungs-Neubauten Sophienhof in Frankfurt sind Deutschlands modernstes Passivhausprojekt

          Das 20-Prozent-Ziel für den Ausbau der erneuerbaren Energie wird die EU nach Angaben der Kommission voraussichtlich leicht übertreffen. Das habe eine Analyse der nationalen Pläne ergeben. Setzten die Staaten diese wie vorgesehen um, werde der Anteil von erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch 2020 sogar 20,7 Prozent betragen. Der Anteil am Stromverbrauch werde bei einem Drittel liegen. Das 20-Prozent-Ziel ist ein Durchschnittsziel für die gesamte EU. Jeder Staat hat ein nationales Ziel. Österreich etwa muss 34 Prozent erreichen. Deutschland wiederum muss den Anteil erneuerbarer Energie bis 2020 auf 18 Prozent ausbauen, strebt allerdings 19,6 Prozent an. Neben Deutschland wollen 14 weitere EU-Staaten ihr Ziel übertreffen. Zehn Staaten streben exakt die EU-Vorgaben an. Luxemburg und Italien werden die Vorgaben indes verfehlen.

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