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EU-Referendum : Gibt es ein Leben nach dem Brexit?

Der Big Ben gehört zu Europa, egal wie das Referendum am 23. Juni ausgeht. Bild: Getty

In fünf Wochen entscheiden die Briten, ob sie die Europäische Union verlassen wollen. Ein Austritt hätte schwere Konsequenzen - aber welche genau? Szenarien für ein Ereignis ohne jeglichen Präzendezfall.

          Der wichtigste Tag ist in diesem Jahr ein Donnerstag. Es ist der 23. Juni, und das ist nicht der Termin für das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft. An diesem Tag stimmen die Bürger des Vereinigten Königreichs über den „Brexit“ ab, dann heißt es: EU oder Nicht-EU? Bleiben oder gehen? Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, könnte es nicht nur der wichtigste Tag des Jahres werden, sondern sogar der wichtigste der Dekade. Oder weit darüber hinaus.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Kommt es zum Brexit, dann sind die Folgen gewaltig, darüber sind sich alle einig. Für Großbritannien liegt das auf der Hand, es würde die Verbindung zur EU und damit zu seinem wichtigsten Handelspartner durchtrennen. Von den Befürwortern eines Austritts ist genau das gewollt, schließlich liegt in ihren Augen ohnehin genug im Argen: das ständige Diktat aus Brüssel, die unkontrollierbare Einwanderung aus Osteuropa, die Flüchtlingskrise – und nicht zu vergessen die sieben Milliarden Euro netto, die Großbritannien jedes Jahr für seine Mitgliedschaft an die EU überweist. Höchste Zeit, dass sich das ändert. Emotional, geradezu leidenschaftlich wird die Diskussion auf der Insel geführt.

          Es gibt keine Blaupause

          In der Europäischen Union tut man dagegen schon seit geraumer Zeit so, als seien die Abwanderungstendenzen eine rein britische Angelegenheit. Das liegt an der sensiblen Konstellation. Der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hält einen Abschied Großbritanniens zwar für eine „Katastrophe“. Er gesteht aber ein, er reise momentan nicht nach London, um die Chancen der Pro-Europäer nicht zu schmälern. Schließlich ist die Kommission im Vereinigten Königreich denkbar unbeliebt.

          Damit degradiert sich die EU freiwillig zum Zuschauer, obwohl sie guten Grund hätte, selbst in den Ring zu steigen. Denn auch die Folgen für die Europäische Union wären enorm, wenn nicht gar existenzbedrohend – nicht zuletzt, weil sich andere EU-Staaten von dem Austritt inspirieren lassen könnten. Die Fliehkräfte sind unberechenbar.

          Da ist allerdings noch ein Problem, das einer konstruktiven Debatte im Wege steht: Es gibt keine Blaupause. Niemals in ihrer doch recht kurzen Geschichte hat die Europäische Union vor einer solchen Herausforderung gestanden. Wer wissen möchte, was ein Brexit für die EU bedeuten könnte, muss sich also auf die Suche machen.

          Frankfurt würde ein Ansturm von Bankern drohen

          Am ehesten wird man fündig, wenn es um die ökonomischen Folgen geht. Dutzende Studien gibt es dazu schon. Der Internationale Währungsfonds, die englische Notenbank, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, jede halbwegs größere Bank – alle haben sie ihre Chefökonomen schon auf das Thema angesetzt. Die meisten Experten zeichnen ein pessimistisches, wenn nicht gar dramatisches Bild. Die Spanne variiert zwischen „schlecht“ und „sehr schlecht“. Unsicherheit, lang anhaltende Rezession, Wohlstandseinbußen, Arbeitslosigkeit. Akribisch werden die Handelsströme untersucht und Szenarien durchgespielt. Denn wirtschaftlich hängt alles davon ab, wie sich die Zusammenarbeit mit der EU nach einer Übergangsphase von zwei Jahren gestaltet.

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