https://www.faz.net/-gqe-8cf80
Werner Mussler (wmu.)

EU-Binnenmarkt : Junckers Weckruf

Jean-Claude Juncker warnt davor, jetzt innerhalb Europas immer mehr Grenzen zu schließen. Seriöse Zahlen hat er nicht. Dennoch trifft sein Weckruf den Nagel auf den Kopf.

          1 Min.

          Die Berechnungen, mit denen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die ökonomischen Folgen der Flüchtlingskrise zu quantifizieren versucht, ähneln ein wenig den Kalkulationen des Cecchini-Berichts von 1988. Damals wurde ohne großen Erfolg versucht, die Wachstumswirkungen des noch nicht vollendeten Binnenmarkts in Mark und Pfennig zu berechnen. Heute ist es umgekehrt: Juncker legt Zahlen vor, die negative Auswirkungen dauerhaft eingeführter Grenzkontrollen („Nicht-mehr-Binnenmarkt“) auf Wachstum und Beschäftigung belegen sollen.

          Wirklich seriöse Zahlen hat er nicht – weil es sie nicht gibt. In der Tendenz trifft Junckers Weckruf aber den Nagel auf den Kopf. Und es stimmt, dass eine dauerhafte Einschränkung von Arbeitsfreizügigkeit und Reisefreiheit den Kern der europäischen Integration irreparabel beschädigen würde.

          Diese Freiheitsrechte machen den Wert „Europas“ viel mehr aus als der Euro. Zur Lösung der aktuellen Flüchtlingskrise mag diese Erkenntnis konkret nichts beitragen. Es wäre aber schon viel gewonnen, wenn sich verantwortliche Politiker, etwa der Italiener Matteo Renzi, sich stärker vergegenwärtigten, was auf dem Spiel steht.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Weitere Themen

          VW will Europcar zurückhaben

          15 Jahre nach Verkauf : VW will Europcar zurückhaben

          Europas größter Autohersteller bestätigt öffentlich Interesse daran, den Autovermieter wieder zu kaufen. Denn seit 2006 haben sich die Prioritäten im Konzern verschoben.

          Bosch baut seine Führung komplett um

          Generationswechsel : Bosch baut seine Führung komplett um

          Dass Stefan Hartung an die Spitze des Technologiekonzerns aufrückt, war schon länger klar. Doch wie groß der Umbau ausfällt, überrascht. Vor allem die neue Position des bisherigen Chefs erregt Aufmerksamkeit.

          Topmeldungen

          Belgien, Brüssel: Angela Merkel, Bundeskanzlerin von Deutschland, spricht beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs mit Journalisten.

          Treffen in Brüssel : Merkel kann Idee von EU-Russland-Gipfel nicht durchsetzen

          Die 27 Staats- und Regierungschefs der EU haben sich nicht das von Deutschland und Frankreich vorgeschlagenen Treffen mit Russland einigen können. Mit Ungarn jedoch habe man ob seiner homophoben Gesetze „kontrovers und sehr ehrlich“ gesprochen, so Kanzlerin Merkel.
          Die HMS Defender bei ihrer Ankunft im Hafen von Odessa am 18. Juni

          Vorfall im Schwarzen Meer : Wollte die Royal Navy Russland provozieren?

          In Großbritannien verstärkt sich der Eindruck, dass die Royal Navy im Schwarzen Meer ein Zeichen setzen wollte. Moskau droht für Wiederholungen mit Bombenangriffen „nicht einfach in den Kurs, sondern auf das Ziel“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.