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EU-Agrarminister : Kompromiss bei Weinmarktreform

Zuckerzusatz hebt im kühlen Deutschland den Alkoholgehalt der Weine an Bild: dpa

Deutschlands Winzer dürfen ihren Wein weiter zuckern, allerdings nicht mehr so stark wie bisher. Darauf haben sich die EU-Agrarminister mit der Reform des europäischen Weinmarktes geeinigt.

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          Die deutschen Winzer dürfen weiterhin Zucker zur Gärung von Wein zusetzen, müssen die Menge aber künftig verringern. Das haben die Agrarminister der EU-Mitgliedstaaten am Mittwoch in Brüssel beschlossen. Die Winzer in den meisten deutschen Regionen dürfen den Alkoholgehalt demnach durch die auch Saccharose genannte Anreicherung um maximal 3 Prozentpunkte steigern. Die Grenze liegt hier derzeit bei 3,5 Punkten. Wenn das Wetter sehr schlecht ist, darf der Anteil um weitere 0,5 Prozentpunkte erhöht werden.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Die Anreicherung muss nicht - wie zunächst verlangt - auf dem Etikett angegeben werden. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) zeigte sich zufrieden: „Unser Hauptziel ist uneingeschränkt erreicht.“ Deutsche und österreichische Winzer setzen bei der Gärung Zucker zu, falls die Trauben wegen mangelnder Sonnentage nicht süß genug sind. Derselbe Effekt kann dadurch erreicht werden, dass Most benutzt wird. Das ist allerdings teurer.

          Überproduktion in Europa

          Die Vorgaben zur Zuckerung sind ein Teil einer umfassenden Weinmarktreform, mit der die Kommission die Überproduktion in Europa bekämpfen will. Die Kommission wollte die Zuckerung ursprünglich verbieten, da auch die Förderung von 200 Millionen Euro im Jahr für die Produktion von Most entfallen sollte. Mit diesem Geld wollte die EU-Behörde etwa die Rodung von Reben und Werbung für EU-Weine in Nicht-EU-Staaten finanzieren. Der Kompromiss sieht nun vor, dass die Mostförderung noch vier Jahre beibehalten werden kann.

          An dem umstrittenen Vorschlag der EU-Kommission, die Weinbauern dafür zu bezahlen, wenn sie Reben roden, hielten die Staaten fest. Es sollen auf diese Weise jedoch nur noch 175.000 statt zuvor 400.000 Hektar der derzeit rund 3,6 Millionen Hektar Flächen aus der Produktion genommen werden.

          Förderung der Destillation soll auslaufen

          Die Mitgliedstaaten können die Förderung der freiwilligen Rodung stoppen, wenn mehr als 10 Prozent der Fläche einer Region gerodet worden sind. Auf der anderen Seite dürfen die Staaten die Pflanzung von Reben spätestens von 2018 an nicht mehr durch Pflanzungsrechte einschränken. Außerdem können die Staaten fortan direkt über einen Großteil der ihren Winzern zustehenden Gelder verfügen. Sie können damit etwa Werbung und Innovationen fördern. Das Geld kann auch dafür genutzt werden, die Ernte von nicht reifen Trauben zu fördern, um so die Überproduktion zu verringern.

          Auf eine Übergangsregelung einigten sich die Staaten auch in der Frage der Förderung der Destillation. Bisher gibt die EU jedes Jahr ein Drittel ihres Weinbudgets von 1,3 Milliarden Euro dafür aus, nicht zu verkaufenden Wein zu Industriealkohol zu brennen. Davon profitieren vor allem die südeuropäischen Staaten. Nach Ansicht der Kommission werden die Winzer so dazu angeregt, zu viel Wein herzustellen. Nach dem Kompromiss soll die Destillation nun noch bis zum Weinjahr 2012/13 gefördert werden. Die Förderung darf jedoch schon vom kommenden Jahr an nicht mehr als 20 Prozent des Budgets ausmachen und soll dann schrittweise sinken.

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