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Ethik in der Wirtschaft : Kirchen wettern gegen Gier und Maßlosigkeit auf den Finanzmärkten

Die Kirchen verlangen eine andere Ethik in der Wirtschaft. Bild: dpa

Katholische und evangelische Bischöfe veröffentlichen eine gemeinsame Streitschrift und fordern Konsequenzen aus der Finanzkrise: Gewinnmaximierung um jeden Preis halten sie für nicht tolerierbar.

          Die beiden christlichen Kirchen stemmen sich gegen „Gier und Maßlosigkeit“ in der Wirtschaft. Mit einer Streitschrift unter dem Motto „Für eine gerechte Gesellschaft“ ziehen die Deutscher Bischofskonferenz und die Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD)   Konsequenzen aus der Finanz- und Eurokrise der vergangenen fünf Jahre.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Papier, das der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorliegt, wird am kommenden Freitag in Frankfurt vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch und dem Vorsitzenden des Rates der EKD, Nikolaus Schneider offiziell vorgestellt. Die Kirchen beklagen darin, dass sich die Ökonomie immer mehr von der Ethik entfernt habe und kontern: „Die Tugenden der Gerechtigkeit, der Ehrlichkeit und des Maßhaltens werden durch die ökonomische Rationalität in keiner Weise relativiert.“ Deshalb sei „Gewinnmaximierung um jeden Preis“ nicht zu tolerieren und die „Ideologisierung der Deregulierung“ ein Übel. Geld und Kapital müssten wieder eine strikt dienende Funktion einnehmen.

          Die Kirchen mischen sich auch ein in die Debatte über Steuerhinterziehung. Sie kritisieren eine „laxe Steuermoral“ und verurteilen, dass transnationale Unternehmen sowie hohe private Vermögen Möglichkeiten hätten, sich der Besteuerung durch den Staat zu entziehen. Das Papier fordert einen automatischen Informationsaustausch steuerrelevanter Daten, die Bekämpfung von Verdunkelungsoasen und eine koordinierte Unternehmensbesteuerung.

          Der Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierung findet bei den beiden christlichen Kirchen Zustimmung. Gutgeheißen wird, dass die Ungleichbehandlung von Erziehungszeiten vor und nach 1992 endlich korrigiert würden. Auch die Einführung eines Mindestlohns halten die Christen für notwendig, „um den Auswüchsen unregulierter Arbeitsmärkte entgegenzutreten“. Allerdings dürften durch die Höhe der Mindestlohns nicht neue Barrieren für der Eintritt in den Arbeitsmarkt errichtet werden.

          Vor 17 Jahren gab es schon einmal ein gemeinschaftliches Wort der Kirchen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage. Den Kirchen geht es darum, eine breite öffentliche Diskussion über die Gestaltung der Gesellschaft zu initiieren.

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