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Espírito Santo : Portugiesischer Bankentest

Espírito-Santo-Filiale in Lissabon Bild: dpa

Die portugiesische Bank Espirito Santo hat in einem halben Jahr 3,6 Milliarden Euro Verlust verbucht. Der Fall wird zum Test für das krisengeplagte Land.

          Die schwere Krise der portugiesischen Bank Espírito Santo besitzt eine erhebliche Bedeutung für den europäischen Bankenmarkt. Denn hier wird sich zeigen, ob es gelingt, in einem selbst von einer schweren wirtschaftlichen Krise gezeichneten Land eine nicht ganz kleine Bank zu stabilisieren, ohne die Lasten auf den nationalen Steuerzahler oder die europäischen Partner abzuwälzen.

          Die Misere der ehemals sehr angesehenen Bank drückt sich in einem Halbjahresverlust von 3,6 Milliarden Euro, der dringenden Notwendigkeit einer Erhöhung des Eigenkapitals sowie stark fallenden Kursen der Aktien und Anleihen des Banco Espírito Santo aus. Ursächlich für die Krise ist die Vergangenheit der Bank als Teil einer in schwere Not geratenen Unternehmensgruppe der Familie Espírito Santo, zu der Hotels, Ländereien, Krankenhäuser und Firmenbeteiligungen zählen. Die genaue finanzielle Lage der Unternehmensgruppe ist nicht bekannt; mehrere in ihr enthaltene Beteiligungsgesellschaften haben um Gläubigerschutz ersucht.

          Die Bemühungen gehen nun dahin, die Bank in schwieriger Zeit zu begleiten. Die Bank von Portugal hat als nationale Notenbank und Bankaufseherin in den vergangenen Wochen durchgegriffen. Sie hat die Familie Espírito Santo gezwungen, ihren Anteil an der Bank zu reduzieren; außerdem mussten sich Mitglieder der Familie aus der Führung zurückziehen.

          Nun dringt die Bank von Portugal auf eine Kapitalerhöhung, die idealerweise durch private Kapitalgeber gestemmt wird. Im nicht erwünschten Notfall besäße der Staat Geld aus dem Hilfsprogramm von 2011. Damals hatten die europäischen Partner Mittel für staatliche Kapitaleinschüsse in Banken gewährt, die nur zu einem Teil verbraucht wurden.

          Die bisherige Reaktion am Markt für Staatsanleihen zeigt, dass die Bank nicht als erhebliches Risiko für den Staat erkannt wird. Das wäre noch vor zwei Jahren anders gewesen; in dieser Hinsicht ist Europa vorangekommen. Dagegen deuten schwere Kursverluste für unbesicherte Anleihen der Bank auf die Erwartung, dass private Gläubiger leiden werden.

          Daneben muss Ursachenforschung betrieben werden. Die Vermutung besteht, dass der Niedergang der Bank nicht nur das Ergebnis von Fahrlässigkeit ist, sondern auch von krimineller Energie. Der Kritik stellen muss sich auch die Bank von Portugal: Es ist löblich, dass sie heute energisch ihre Aufsichtsfunktion wahrnimmt. Die Frage ist, ob sie nicht zu spät gehandelt hat.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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