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Gesundheitspolitik : Krankenkassen geben zu viel Geld aus

  • -Aktualisiert am

Erste Reaktionen: Einige Kassen strukturieren sich derzeit um, damit die Kosten sinken Bild: dpa

Erstmals seit 2008 gibt es wieder ein Defizit für die Versicherer - nur die Allgemeinen Ortskrankenkassen machen Gewinn. Das Gesundheitssystem steht aber weiter gut da.

          Die gesetzlichen Krankenkassen haben das vergangene Jahr erstmals seit 2008 wieder mit einem Defizit abgeschlossen. Nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gaben die damals noch gut 130 Kassen eine Milliarde Euro mehr aus, als ihnen der Gesundheitsfonds zugewiesen hatte. Demnach machen nur die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) einen Gewinn. Der betrug 420 Millionen Euro.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Alle anderen Kassenarten schrieben rote Zahlen: Die Ersatzkassen weisen nach eigener Darstellung ein Minus von 1,1 Milliarden Euro aus, wobei hier allerdings Prämienausschüttungen von 568 Millionen Euro zu Buche schlagen. Bei den anderen Kassenarten sieht es wie folgt aus: Betriebskrankenkassen minus 170 Millionen Euro, Innungskassen minus 220 Millionen Euro, Knappschaft minus 20 Millionen Euro. Die Finanzlage war von Quartal zu Quartal schlechter geworden.

          Alle großen Ersatzkassen wiesen Ende 2014 Fehlbeträge aus. Bei der Barmer/GEK waren es 397 Millionen Euro, bei der DAK 196 Millionen Euro. Diese Kassen strukturieren sich derzeit um, damit die Kosten sinken. „Bereits in diesem Jahr rechnen wir mit einer besseren Finanzentwicklung“, hieß es seitens der Barmer/GEK. Beide Kassen haben keine Prämien ausgeschüttet, anders als die TK, die ihren Mitgliedern 543 Millionen Euro „zurückgezahlt“ hat und deshalb einen Fehlbetrag von 429 Millionen Euro ausweist. Neben den Prämienzahlungen gelten auch Veränderungen im Kassenfinanzausgleich als Grund für die Verschiebungen. Vor allem aber zogen die Ausgaben mit 5 Prozent dem Wachstum der Einnahmen (gut 3 Prozent) wieder davon.

          16 Milliarden Euro auf der hohen Kante

          Insgesamt steht das Gesundheitssystem mit Reserven von fast 29 Milliarden Euro weiterhin gut da. Davon entfielen laut Bundesgesundheitsministerium Ende Dezember 12,6 Milliarden Euro auf den Gesundheitsfonds und 16 Milliarden Euro auf die Krankenkassen. Allerdings hat die Politik neue Ausgaben beschlossen oder plant dies für die kommenden Jahre zu tun. Diese Zusatzausgaben für Innovationsfonds, Ärztehonorare, Krankenhausfinanzierung, Prävention und Palliativmedizin summieren sich auf weit über eine Milliarde Euro. Zudem werden dem Gesundheitsfonds auch dieses Jahr wieder Mittel zur Konsolidierung des Bundeshaushalts entzogen, so dass seine Finanzbasis schwächer werden wird.

          Die 16 Milliarden Euro, die die Kassen auf der hohen Kante haben, sind unterschiedlich verteilt. Deshalb mussten einige Kassen zum Jahreswechsel von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag verlangen, um in diesem Jahr über die Runden zu kommen. Nach der auf der Homepage des GKV-Spitzenverbands einsehbaren Liste nehmen acht Kassen einen Zusatzbeitrag oberhalb des Durchschnittswertes von 0,9 Prozent; sie verlangen bis zu 1,3 Prozent.

          Im Gegenzug bieten 68 Kassen einen günstigeren Zusatzbeitrag an, zwei kleine Kassen verzichten sogar ganz darauf. Der Zusatzbeitrag wird auf den allgemeinem Beitrag von 14,6 Prozent aufgeschlagen und bis zu Monatseinkommen von 4125 Euro erhoben. Den allgemeinen Beitrag zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte, den Zusatzbeitrag nur die Kassenmitglieder.

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