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Erste Produktionsstopps : Ausländische Unternehmen in Ägypten besorgt um Mitarbeiter

  • Aktualisiert am

Die Unruhen bereiten auch den Unternehmen Sorge. Bild: dpa

Nach den blutigen Ausschreitungen in Ägypten mit über 500 Toten stoppen ausländische Unternehmen ihre Produktion oder erlauben den Mitarbeitern, zu Hause zu bleiben.

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          Erste ausländische Unternehmen ziehen Konsequenzen aus den Gewaltexzessen in Ägypten. Auch deutsche Konzerne wie Metro sorgen sich um ihre Beschäftigten vor Ort. Die Opel-Muttergesellschaft General Motors stoppte die Produktion in einem Werk nahe der Hauptstadt Kairo. Auch der Haushaltsgeräte-Hersteller Electrolux lässt bis auf weiteres seine Produktion in dem Krisenland ruhen.

          Das ägyptische Militär hatte am Mittwoch die Zeltlager von Anhängern des gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi in der Hauptstadt Kairo geräumt. Dabei und bei Ausschreitungen in anderen Landesteilen wurden nach offiziellen Angaben mehr als 500 Menschen getötet. Die islamistische Muslimbruderschaft sprach von 2000 Toten. Die Regierung verhängte den Notstand über weite Teile des Landes. Auch am Donnerstag setzten die gewaltsamen Ausschreitungen wieder ein. Islamistische Demonstranten stürmten den Dienstsitz des Gouverneurs der zum Großraum Kairo gehörenden Provinz Gizeh und steckten ihn in Brand.

          Metro-Hauptquartier vorübergehend geschlossen

          Ein Sprecher von General Motors sagte: „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter ist von größter Bedeutung für uns. Wir werden die Situation weiterhin genau beobachten.“ GM beschäftigt am Standort etwa 1400 Mitarbeiter. In der Fabrik werden leichte Nutzfahrzeuge, Pkw und Kleinbusse montiert. Ein Konzernsprecher von Electrolux äußerte sich ähnlich: „Wir beobachten die Sicherheitslage und werden dann entscheiden, ob die Leute wieder arbeiten gehen sollen.“ Am Samstag werde überprüft, ob die Fertigung wieder aufgenommen werden könne. Die AEG-Muttergesellschaft beschäftigt rund 7000 Mitarbeiter in Ägypten. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen dort rund 232 Millionen Euro um - bei einem Gesamtumsatz von fast 13 Milliarden Euro.

          Auch deutsche Unternehmen ziehen die Reißleine. „Als vorsorgliche Maßnahme wurde das Headquarter der Metro in Kairo vorübergehend geschlossen“, sagte eine Sprecherin des Handelskonzerns. Die beiden Metro-Großmärkte in Kairo sollen „voraussichtlich zwischen 16 und 17 Uhr schließen, so dass die Mitarbeiter ausreichend Zeit haben, vor der offiziellen Ausgangssperre nach Hause zu kommen“. Mitarbeitern würden Shuttle-Busse zur Verfügung gestellt, mit denen sie nach Hause gebracht werden.

          Mancherorts geht das Alltagsgeschäft weiter

          Die deutsche Wirtschaft will sich jedoch trotz der blutigen Unruhen in dem Land nach Erkenntnissen des DIHK nicht in großem Stil aus Ägypten zurückziehen. Es gebe bisher keine entsprechenden Signale. „Die Unternehmen, die da sind, werfen nicht das Handtuch“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier der Nachrichtenagentur DPA. Das hätten auch die vorangegangenen Unruhen gezeigt. Diese richteten sich nicht gegen Ausländer.

          So geht auch in manchem Unternehmen das Alltagsgeschäft recht ungehindert weiter. Der Konsumgüterkonzern Henkel etwa führt seine Waschmittelproduktion in Port Said bis auf weiteres fort. Dort sind 600 Mitarbeiter beschäftigt. Die 190 Kollegen in der Verwaltungszentrale in Kairo - die außerhalb des umkämpften Stadtzentrums liegt - können von zu Hause aus arbeiten. Die meisten seien aber zur Arbeit gekommen, sagte eine Henkel-Sprecherin. Die Öl- und Gasfördertochter Dea des Energiekonzerns RWE hat ebenfalls noch nicht mit speziellen Maßnahmen reagiert, sondern will nur die Lage genau beobachten. „Wir sind vorbereitet, falls notwendig, die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen“, sagte ein Sprecher.

          Trotz dieser positiven Signale befürchtet der DIHK weitere Rückschläge für die ägyptische Wirtschaft und eine noch stärkere Abhängigkeit des Landes von Geldgebern vor allem aus der Golf-Region. Nach Angaben des DIHK sind in Ägypten 80 deutsche Unternehmen mit Vertriebs- und Produktionsstandorten vertreten. Sie beschäftigen dort etwa 24.000 Mitarbeiter. „Die Unternehmen haben gewisse Erfahrungen mit Revolutionssituationen und Unruhen in Ägypten“, sagte Treier. Es gebe keine Hinweise, dass Mitarbeiter deutscher Firmen abgezogen würden. Vorübergehende Betriebsschließungen und Produktionsausfälle angesichts logistischer Probleme seien aber nicht auszuschließen. Auch würden potenzielle Investoren abgeschreckt. Mögliche Pläne dürften vorerst auf Eis liegen.

          Auch das Tourismusgeschäft ist betroffen

          Auch das für die ägyptische Wirtschaft wichtige Tourismusgeschäft könnte weitere Rückschläge erleiden. Die Nachfrage deutscher Touristen für das nordafrikanische Land ist teilweise spürbar zurückgegangen. So liegen die Buchungen beim Marktführer Tui Deutschland in der Sommersaison einstellig unter dem Vorjahresniveau, wie das Unternehmen am Donnerstag auf Anfrage mitteilte.

          Auch bei der DER Touristik Köln liegen die Buchungen nach Angaben einer Sprecherin weit unter dem normalen Niveau. Der Veranstalter FTI aus München hat im laufenden Sommergeschäft noch ein zweistelliges Plus verzeichnet. Die Neubuchungen für den Winter sind jedoch zurückgegangen. Auch eine Alltours-Sprecherin berichtete von rückläufigen Zahlen sowohl für den Sommer als auch für die anstehende Wintersaison.

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