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Erneuerbare Energie : Rückschlag für das Nordsee-Stromkabel

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Bild: Stepmap

Für den Ausbau erneuerbaren Energien ist es wichtig, den deutschen an den norwegischen Strommarkt anzubinden. Jetzt verzögert er sich. Das Konsortium hat seine Anträge zurückgezogen, weil es über behördliche Auflagen verärgert ist.

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          Die Bemühungen um den schnellen Ausbau direkter Stromverbindungen zwischen Deutschland und Norwegen haben einen Rückschlag erlitten. Das schweizerisch-norwegische Konsortium Norger, das von 2015 an das erste, 600 Kilometer lange Kabel für Wasserstrom aus Norwegen betreiben will, hat seine Anträge bei der EU-Kommission und der Bundesnetzagentur zurückgezogen. Hintergrund ist ein Streit darüber, ob auch Dritte Strom durch das Kabel leiten dürfen. Das Konsortium hatte um eine Ausnahmegenehmigung ersucht, damit seine Investition von Regulierungsauflagen befreit wird. Das Unterwasserkabel sollte von 2015 an Deutschland und Norwegen mit einer 1400 Megawatt-Leitung verbinden, durch die einerseits in windreichen Zeiten Strom nach Norwegen und zu anderen Zeiten ökologisch vorteilhafter Wasserstrom nach Deutschland transportiert würde.

          Die Bundesnetzagentur in Bonn bestätigte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass Norger auf eine schon im November erteilte Ausnahmegenehmigung verzichtet habe. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, sagte: „Wir befürworten nach wie vor diese Leitung und stehen auch zu unserer Entscheidung.“ Norger könne einen neuen Antrag stellen. Kurth sieht in der Anbindung der beiden Strommärkte für beide Länder eine große Chance, die Vorteile der erneuerbaren Energien zu kombinieren. Die strategischen Chancen dafür sollten rasch ergriffen werden, sagte er. Die Absicht, die Kuppelkapazität schnell zu erweitern, werde auch vom Konsortium „grundsätzlich“ weiterverfolgt.

          In Branchenkreisen hieß es, die Betreiber hätten auf Widerstände aus der Generaldirektion des EU-Energiekommissars Günther Oettinger reagiert. Das war mit Erstaunen aufgenommen worden, weil Oettinger andererseits immer wieder hervorhebt, wie wichtig es sei, privates Kapital für den Ausbau der Stromnetze zu gewinnen. Offenbar soll zunächst ein neues Gutachten Auskunft darüber geben, für wie viele Leitungen in Richtung Deutschland das Stromangebot in Norwegen von Mitte dieses Jahrzehnts an reichen wird. Danach könnte ein neuer Antrag gestellt werden.

          Lange Leitung: Der Präsident der Bundesnetzagentur Kurth sieht in der Anbindung der Strommärkte Norwegens und Deutschlands eine große Chance
          Lange Leitung: Der Präsident der Bundesnetzagentur Kurth sieht in der Anbindung der Strommärkte Norwegens und Deutschlands eine große Chance : Bild: Norger

          Eine Sprecherin Oettingers wies den Vorwurf zurück, man verzögere den Ausbau der Netze. Oettinger halte daran fest, den Ausbau zu beschleunigen und die Regulierung zu vereinfachen. Das solle künftig bei der Festlegung der Durchleitungsgebühren berücksichtigt werden. Im konkreten Fall seien die Dinge aber anders gelagert. Zum einen gebe es zwei Leitungsprojekte zwischen Norwegen und dem europäischen Festland, die nicht von der Regulierung ausgenommen worden seien: Nordlink nach Deutschland und Norned in die Niederlande. Diese würden im Wettbewerb mit Norger benachteiligt, wenn man hier auf eine Regulierung verzichte. Anders als bei Norlink läuft für Norger bereits ein Raumordnungsverfahren auf deutscher Seite. Die EU könne Norger nur dann von der Regulierung befreien, wenn die zuständige Behörde in Norwegen einverstanden sei, hieß es in Brüssel. Das sei aber nicht der Fall. Die Bundesnetzagentur habe versäumt, bei den Norwegern nachzufragen.

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