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Erneuerbare Energie : Bund will Ausbau von Windanlagen reduzieren

Verringert: Aus dem Norden soll weniger Wind kommen. Bild: dpa

In einigen Bundesländern soll das Ausbau-Tempo von Windkraft-Anlagen gedrosselt werden. Damit sollen hohe Zusatzkosten wegen fehlender Leitungen verhindert werden. Die würden zulasten der Verbraucher gehen.

          Mit einer „Warnminute“ wollen Verbände und Unternehmen der erneuerbaren Energien, unterstützt von IG Metall und Bauernverband, an diesem Mittwoch die „Energiewende retten“. Einen Rettungsversuch ganz anderer Art hat das Bundeswirtschaftsministerium gestartet. Es will den Neubau von Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und weiten Teilen Hessens um die Hälfte eindampfen. Grund dafür sind fehlende Stromleitungen, um die Elektrizität aus dem Norden nach Süden zu transportieren.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Dienstag kommender Woche abermals die vielen umstrittenen Details der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beraten. Im Jahr 2025 sollen bis zu 45 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammen. Allerdings führen die Ausbauziele von je 2500 Megawatt Wind- und Solarenergie dazu, dass 2025 schon die Hälfte des Stromverbrauchs durch Ökostrom gedeckt wird.

          Ministerium rät zu „Netzengpassgebiet“

          Ohne die Beschränkungen im Neubau würden die auf die Verbraucher umgelegten Netzkosten deutlich ansteigen, heißt es in einer Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums an die Länder. Im vergangenen Jahr waren das schon 1,1 Milliarden Euro. „Daher wird vorgeschlagen, den Windausbau an Land in der nördlichen Zone übergangsweise zu reduzieren, bis der Netzausbau realisiert ist.“ Konkret schlägt das Wirtschaftsministerium vor, den Ausbau auf die Hälfte des Ausbauniveaus der Jahre 2013 bis 2015 zu reduzieren, das allerdings weit über dem von der Regierung selbstgesetzten Ziel von 2500 Megawatt im Jahr lag.

          Auf Basis einer Engpassanalyse des Stromnetzes rät das Ministerium dazu, ein „Netzengpassgebiet“ auszuweisen, in dem der Ausbau abgebremst würde. Das würde weitgehend die beiden nordwestdeutschen Länder und Hessen umfassen, wo der Netzbetreiber Tennet zuständig ist.

          Da der Ausbau der Windenergie an Land nach den Plänen Berlins in den nächsten Jahren bundesweit auf 2500 Megawatt im Jahr begrenzt sein soll, bliebe für diese Länder lediglich eine „maximale Zuschlagmenge von 776 Megawatt“. Der Bau anderer Ökostromanlagen wie Meereswindparks oder Photovoltaik bliebe davon hingegen unberührt.

          Steigende EEG-Umlage scheint wahrscheinlich

          Das Wirtschaftsministerium möchte mit dem Modell möglichst schnell, „im Idealfall bereits im Jahr 2017, beginnen“. Allerdings soll die Änderung nur neue Anlagen betreffen. Investoren sollen sich künftig in Ausschreibungen um den Bau bewerben, den Zuschlag sollen die bekommen, die die geringste Förderung verlangen.

          Neben den stark steigenden Netzkosten rechnet das Ministerium von Sigmar Gabriel (SPD) zudem mit einer weiter steigenden EEG-Umlage, über das aktuelle Rekordniveau von 6,345 Cent je Kilowattstunde hinaus. Das sei schon im nächsten Jahr „wegen der stark gefallen Großhandelsstrompreise wahrscheinlich“. Da das EEG den Betreibern einerseits eine feste Vergütung zusichert, andererseits der Ökostrom zu deren Kofinanzierung aber an der Börse verkauft werden muss, steigt die Umlage, je stärker die Preise fallen.

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