https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/erneuerbare-energie-bund-will-ausbau-von-windanlagen-reduzieren-14251183.html

Erneuerbare Energie : Bund will Ausbau von Windanlagen reduzieren

  • -Aktualisiert am

Verringert: Aus dem Norden soll weniger Wind kommen. Bild: dpa

In einigen Bundesländern soll das Ausbau-Tempo von Windkraft-Anlagen gedrosselt werden. Damit sollen hohe Zusatzkosten wegen fehlender Leitungen verhindert werden. Die würden zulasten der Verbraucher gehen.

          2 Min.

          Mit einer „Warnminute“ wollen Verbände und Unternehmen der erneuerbaren Energien, unterstützt von IG Metall und Bauernverband, an diesem Mittwoch die „Energiewende retten“. Einen Rettungsversuch ganz anderer Art hat das Bundeswirtschaftsministerium gestartet. Es will den Neubau von Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und weiten Teilen Hessens um die Hälfte eindampfen. Grund dafür sind fehlende Stromleitungen, um die Elektrizität aus dem Norden nach Süden zu transportieren.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Dienstag kommender Woche abermals die vielen umstrittenen Details der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beraten. Im Jahr 2025 sollen bis zu 45 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammen. Allerdings führen die Ausbauziele von je 2500 Megawatt Wind- und Solarenergie dazu, dass 2025 schon die Hälfte des Stromverbrauchs durch Ökostrom gedeckt wird.

          Ministerium rät zu „Netzengpassgebiet“

          Ohne die Beschränkungen im Neubau würden die auf die Verbraucher umgelegten Netzkosten deutlich ansteigen, heißt es in einer Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums an die Länder. Im vergangenen Jahr waren das schon 1,1 Milliarden Euro. „Daher wird vorgeschlagen, den Windausbau an Land in der nördlichen Zone übergangsweise zu reduzieren, bis der Netzausbau realisiert ist.“ Konkret schlägt das Wirtschaftsministerium vor, den Ausbau auf die Hälfte des Ausbauniveaus der Jahre 2013 bis 2015 zu reduzieren, das allerdings weit über dem von der Regierung selbstgesetzten Ziel von 2500 Megawatt im Jahr lag.

          Auf Basis einer Engpassanalyse des Stromnetzes rät das Ministerium dazu, ein „Netzengpassgebiet“ auszuweisen, in dem der Ausbau abgebremst würde. Das würde weitgehend die beiden nordwestdeutschen Länder und Hessen umfassen, wo der Netzbetreiber Tennet zuständig ist.

          Da der Ausbau der Windenergie an Land nach den Plänen Berlins in den nächsten Jahren bundesweit auf 2500 Megawatt im Jahr begrenzt sein soll, bliebe für diese Länder lediglich eine „maximale Zuschlagmenge von 776 Megawatt“. Der Bau anderer Ökostromanlagen wie Meereswindparks oder Photovoltaik bliebe davon hingegen unberührt.

          Steigende EEG-Umlage scheint wahrscheinlich

          Das Wirtschaftsministerium möchte mit dem Modell möglichst schnell, „im Idealfall bereits im Jahr 2017, beginnen“. Allerdings soll die Änderung nur neue Anlagen betreffen. Investoren sollen sich künftig in Ausschreibungen um den Bau bewerben, den Zuschlag sollen die bekommen, die die geringste Förderung verlangen.

          Neben den stark steigenden Netzkosten rechnet das Ministerium von Sigmar Gabriel (SPD) zudem mit einer weiter steigenden EEG-Umlage, über das aktuelle Rekordniveau von 6,345 Cent je Kilowattstunde hinaus. Das sei schon im nächsten Jahr „wegen der stark gefallen Großhandelsstrompreise wahrscheinlich“. Da das EEG den Betreibern einerseits eine feste Vergütung zusichert, andererseits der Ökostrom zu deren Kofinanzierung aber an der Börse verkauft werden muss, steigt die Umlage, je stärker die Preise fallen.

          Weitere Themen

          KI, die Weise

          FAZ Plus Artikel: Zukunft der Technik : KI, die Weise

          Künstliche Intelligenz wird noch viel mehr verändern, wie wir leben, auch in Bereichen, an die heute noch keiner denkt: Wie der Aufbewahrung unserer Kultur. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Elena in ihrem silbernen Honda auf dem Weg an die Front

          Ukrainische Freiwillige : Elena fährt an die Front

          Jede Woche steuert eine Ukrainerin ihr Auto, beladen mit Fleisch, Eiern und Kartoffeln, von Odessa dort hin, wo die Bomben fallen. Es ist ihre Art zu kämpfen.
          Am Immobilienmarkt ging es in den letzten Jahren stark aufwärts. Doch der Hausbau wird aufgrund knapper Ressourcen immer teurer.

          Zinsanstieg : Wende am Immobilienmarkt

          Mit dem Zinsanstieg wird das Immobiliengeschäft schwieriger. Wegen des Mangels an Arbeitskräften und Materialien werden Neubauten aktuell immer teurer. Doch große und längerfristige Krisen sind noch nicht in Sicht.
          Bringt sich als Trainer wieder ins Gespräch: Joachim Löw

          „Es gibt einige Anfragen“ : Die Comeback-Gedanken des Joachim Löw

          Paris Saint-Germain? Real Madrid? Fenerbahçe Istanbul? Der frühere deutsche Bundestrainer Joachim Löw liebäugelt mit einer Rückkehr in den Vereinsfußball. Der Weltmeister-Coach von 2014 prüft sogar schon erste Angebote.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung im Projektmanagement