https://www.faz.net/-gqe-u8p4

Erklär mir die Welt (34) : Warum sind Monopole gefährlich?

  • -Aktualisiert am

Das Ziel bei „Monopoly”: Nur einer bleibt übrig Bild: picture-alliance/ dpa

Das Schlimmste an Monopolisten: Sie verlangen überhöhte Preise. Und sie bremsen den technischen Fortschritt. Doch Kontrolle ist schwer.

          4 Min.

          Viele werden sich noch an die Einheits-Streichholzschachteln erinnern, die es bis Anfang der achtziger Jahre in der Bundesrepublik gab. Sie wurden unter dem Namen „Welthölzer“ von der Deutschen Zündwaren-Monopolgesellschaft vertrieben. Andere Streichhölzer konnte man nicht kaufen, denn es handelte sich tatsächlich um ein Monopol. Seinen Ursprung hat es im Jahr 1930, als der schwedische Zündholzkönig Ivar Kreuger der Reichsregierung einen Kredit in Höhe von 500 Millionen Reichsmark zu günstigen Konditionen gab. Im Gegenzug durften fortan nur noch die Einheitszündhölzer verkauft werden. Erst 1983 endete das Monopol.

          Wie alle Wettbewerbsbeschränkungen verschaffte auch das Zündwarenmonopol dem schwedischen Unternehmer riesige Gewinne. Zwar brach sein Imperium aufgrund unsolider Finanztransaktionen schon wenig später zusammen, und Kreuger nahm sich 1932 das Leben. Aber die Verbraucher und die vom Markt ausgeschlossenen Konkurrenten hatten volle 53 Jahre lang unter dem Monopol zu leiden.

          Lästige Konkurrenten

          Es war beileibe nicht das einzige Monopol und auch nicht das erste. Schon immer waren Unternehmen, aber auch Staaten daran interessiert, lästige Konkurrenten möglichst von ihren Märkten fernzuhalten. So kontrollierte die Niederländische Ostindien-Kompanie während des gesamten 17. und 18. Jahrhunderts den lukrativen Gewürzhandel von Indien nach Europa.

          Ein Monopol weniger: Früher gabs nur „Welthölzer”

          Zur Zeit der Industrialisierung und auch später während der Weimarer Republik war es gang und gäbe, dass wichtige Güter von nur einem oder wenigen Unternehmen angeboten wurden, die überdies untereinander die Preise absprachen. In letzterem Fall spricht man von Kartellen, die in ihrer wettbewerbsbeschränkenden Wirkung den Monopolen kaum nachstehen. Das war ein wichtiger und berechtigter Kritikpunkt am kapitalistischen Wirtschaftssystem, auch aus Sicht von liberalen Ökonomen.

          „Plan zur Erhöhung der Preise“

          Schon Adam Smith, der Urvater der klassischen Volkswirtschaftslehre, erkannte die Gefahr: Unternehmer aus demselben Gewerbe kämen selten zusammen, „ohne dass ihre Unterhaltung mit einer Verschwörung gegen das Publikum oder einem Plan zur Erhöhung der Preise endigt“, schrieb er 1776.

          Es dauerte allerdings noch mehr als 100 Jahre, bis die Vereinigten Staaten mit dem Sherman Antitrust Act von 1890 als erstes Land entschlossen gegen marktbeherrschende Unternehmen vorgingen. Deutschland folgte dem Beispiel erst 1957 mit dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, wobei man viele Ausnahmen machte.

          Wettbewerbshüter oft in schwieriger Beweislage

          Was ist nun eigentlich so schlimm an Monopolisten? Ganz einfach: Sie verlangen praktisch immer überhöhte Preise, gemessen an den tatsächlichen Kosten. Das geht nicht nur zu Lasten der Verbraucher, es mindert auch den Zwang, sich um Effizienz und gute Qualität der Produkte zu bemühen. Bei Streichhölzern mag das nicht so schlimm sein. Aber wenn es um die marktbeherrschende Stellung eines Software-Unternehmens wie Microsoft geht, hört der Spaß auf. Zumal ein so marktmächtiger Anbieter auch dazu neigt, sinnvolle Produkte anderer Anbieter durch technische Tricks vom Markt fernzuhalten. Es sind schon zahlreiche Prozesse wegen solcher Machenschaften geführt worden. Die Wettbewerbshüter sind dabei allerdings oft in schwieriger Beweislage.

          Ein Problem besteht darin, überhöhte Preise von ganz normalen Marktreaktionen abzugrenzen. Wenn etwa wieder einmal das Benzin an der Tankstelle teurer wird, kann das ja auch an steigenden Rohölpreisen, einem höheren Dollarkurs oder höheren Steuern liegen. Auch dass alle Tankstellen mehr oder weniger gleichzeitig die Preisschilder auswechseln, ist noch kein Beweis für Preisabsprachen. In einem echten Wettbewerbsmarkt würde bei steigenden Einkaufspreisen nämlich genau das Gleiche passieren.

          Monopolkontrolle in der Praxis ziemlich schwierig

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Autor: Oliver Georgi

          F.A.Z.-Newsletter : Die Mutter aller Verschwörungsmythen

          Nach der unfassbaren Katastrophe von Beirut wird nun die Schuldfrage immer lauter. Wie gefährlich die QAnon-Bewegung ist und was am Freitag sonst noch wichtig wird, steht im Newsletter für Deutschland.
          Karl-Theodor zu Guttenberg bekam 2010 noch Applaus auf dem CDU-Parteitag.

          Rückkehr in die Politik? : Guttenberg und sein Verhältnis zu Merkel

          Karl-Theodor zu Guttenberg hat noch immer einen guten Draht zur Kanzlerin. Das wurde im Zuge der Wirecard-Affäre deutlich. Arbeitet der frühere Verteidigungsminister an seiner Rückkehr oder hat er sich endgültig die Finger verbrannt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.