https://www.faz.net/-gqe-u8p4

Erklär mir die Welt (34) : Warum sind Monopole gefährlich?

  • -Aktualisiert am

Auch ein Vergleich der Preise mit den Kosten hilft nicht immer weiter. Denn die Kosten können von den Unternehmen leicht nach oben manipuliert werden, indem sie teure Bürotürme bauen und überhöhte Gehälter - vorzugsweise an Vorstände - zahlen. Augenfällige Beispiele dafür sind in Deutschland Energieversorgungsunternehmen, aber auch kommunale Stadtwerke mit ihren Gebietsmonopolen.

Darum ist Monopolkontrolle in der Praxis ziemlich schwierig. Besser ist es allemal, marktbeherrschende Stellungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Aber auch das ist einfacher gesagt als getan. So hat der österreichische Ökonom Josef Schumpeter schon 1911 darauf hingewiesen, dass im Grunde jeder Erfinder eines neuen Produktes zunächst eine Monopolstellung gewinnt. Darin bestehe ja gerade der Anreiz, als Pionierunternehmer immer wieder neue Güter auf den Markt zu bringen. Im Laufe der Zeit werden allerdings zunehmend Imitatoren auftreten, so dass die anfänglichen Gewinne im Konkurrenzkampf schmelzen. Dieser ständige Wettlauf zwischen Innovation und Imitation, den Schumpeter als „Prozess der schöpferischen Zerstörung“ bezeichnete, ist wohl das Wichtigste an der Wettbewerbsidee.

Monopole in Staatshand halten sich am längsten

Ein schönes Beispiel dafür ist die Hammond-Orgel mit ihrem elektromagnetischen Tonerzeugungsverfahren. Sie wurde 1934 von Laurens Hammond zum Patent angemeldet und war bis in die sechziger Jahre absolut marktbeherrschend. Die Monopolstellung brachte Hammond anfangs zwar hohe Gewinne, aber die technische Entwicklung hin zu rein elektronischen Orgeln und Keyboards hat die Firma verschlafen. Heute sind ganz andere Anbieter auf dem Markt erfolgreich, während Hammond ein Schattendasein führt. Ähnlich ist es IBM gegangen, deren Heimcomputer in den achtziger Jahren noch das Maß aller Dinge auf dem PC-Markt waren. Nicht zuletzt aufgrund ihrer hohen Preise wurden sie schon in den neunziger Jahren aus ihrer führenden Position verdrängt. Auch andere Giganten wie General Motors, AEG oder Krupp mussten unter dem Druck neuer Konkurrenten schließlich ihre marktbeherrschende Stellung räumen oder sind gar ganz vom Markt verschwunden.

Am längsten halten sich meist Monopole, die in Staatshand sind. So gilt noch heute in Deutschland das staatliche Glücksspielmonopol und auch das Branntweinmonopol, obwohl es dafür kaum überzeugende Gründe gibt. Bei manchen Gütern wie zum Beispiel Eisenbahnen, Stromversorgung und Telefon war man sogar lange Zeit der Meinung, dass es hier prinzipiell keinen Wettbewerb geben könne. Das Argument war immer das gleiche: Es sei nicht sinnvoll, mehrere Eisenbahngleise, Telefonleitungen oder Postlinien parallel zu unterhalten, nur um Wettbewerb zu schaffen. Deshalb wurde jeweils nur ein Unternehmen als Anbieter solcher Güter zugelassen. Ein angenehmer Nebeneffekt für den Staat waren die Monopolgewinne, an denen er kräftig partizipierte.

Fortschritt gedeiht unter Wettbewerbsbedingungen

Inzwischen denkt man anders über die natürlichen Monopole. Vor allem die EU macht seit den achtziger Jahren Druck, auch diese Märkte zu liberalisieren. Schließlich können auf einem Schienennetz durchaus mehrere Eisenbahnunternehmen fahren, und bei Strom und Gas ist es nicht viel anders. Die bequemen Versorgermonopole geraten dadurch zunehmend unter Wettbewerbsdruck, und das ist gut so.

Wie heilsam sich die Öffnung für mehrere Anbieter auswirkt, hat nicht zuletzt die Liberalisierung des Telefonmarktes gezeigt: Während zu Zeiten der Bundespost ein farbiges Tastentelefon der Gipfel des Komforts in Deutschland war, ist die heutige Angebotsvielfalt an Endgeräten gar nicht mehr zu überblicken. Gleichzeitig sind auch noch die Preise für das Telefonieren kräftig gefallen und Abertausende neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Das hat zwar auch etwas mit der technischen Entwicklung zu tun. Aber auch der technische Fortschritt kommt unter Wettbewerbsbedingungen viel schneller voran als unter einem trägen Monopolisten, der mangels Konkurrenz nur noch sein Geld zählen muss.

Monopol oder nicht?

Microsoft hat mit Windows ein Quasimonopol für PC-Betriebssysteme: Es gibt zwar noch andere Anbieter, aber Microsoft besitzt eine marktbeherrschende Stellung. Das hat schon für viel Ärger gesorgt sowie Behörden und Gerichte beschäftigt. Weil der Softwarehersteller Wettbewerber nur unzureichend über den Programmcode des weltweit dominierenden Betriebssystems informierte, stand zeitweise seine Zerschlagung zur Debatte.

Brause ist Brause? Keineswegs. Coca-Cola ist anders. In der deutschen Gastronomie besitzen die Amerikaner jedenfalls ein Quasimonopol für Cola-Getränke. Das koffein- und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränk ist auch weltweit die erste und umsatzstärkste Cola-Marke, eine Ikone westlichen Lebensstils. Immer wieder verklagte der Getränkekonzern Nachahmer - oft mit Erfolg.

Die Deutsche Bahn besitzt ein Monopol in Deutschland. Europas größtes Eisenbahnunternehmen verdankt seine beherrschende Stellung dem Staat. In ihrer Preisgestaltung ist die Bahn unabhängig vom Wettbewerb - sehr zum Verdruss der Kunden.

Lego besitzt ein Quasimonopol für Steckbausteine, jene bunten Kunststoff-Klötzchen, mit denen sich alles Erdenkliche bauen lässt. Verschiedene Hersteller imitierten zwar Lego. Und in Deutschland machten die Richter 2004 den Weg für kompatible Lego-Produkte frei - doch die Dänen blieben Marktführer.

Weitere Themen

Topmeldungen

Noch darf gereist werden: Eine Sprecherin steht im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens.

Wirtschaftsrat der CDU : Verbot von Reisen in Risikogebiete gefordert

Ob Amerika oder Indien, Israel, Südafrika oder die Türkei – die meisten Staaten gelten derzeit als Corona-Risikogebiete. Dorthin reisen darf man aber noch. Schluss damit, fordert ein CDU-naher Verband. Sonst drohe ein neuer Lockdown.

Macrons Besuch im Libanon : Von Reue fehlt bislang jede Spur

In Beirut wird Emmanuel Macron wie ein Heilsbringer empfangen. Frankreichs Präsident verspricht Hilfe – und mahnt Reformen an. Doch nichts deutet darauf hin, dass in der Politik des Libanon eine neue Ära beginnt. Am Abend werden 16 Hafenmitarbeiter festgenommen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.