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Erklär mir die Welt (33) : Warum sind kleine Länder erfolgreicher als große?

  • -Aktualisiert am

Die Schweiz ganz oben Bild: dpa

In kleinen Staaten sind Reformen leichter, weil die Politiker nur wenige Leute unter einen Hut bringen müssen. Das bringt Vorteile in der Globalisierung - und die Schweiz und Co. ganz nach oben auf die Rangliste der wettbewerbsfähigsten Länder.

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          Die Schweiz vor Finnland, Schweden, Dänemark und Singapur: So lautet die Rangliste der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften, die vom World Economic Forum für 2006 erstellt worden ist. Erst auf den folgenden Plätzen finden sich dann die weltwirtschaftlichen Schwergewichte: die Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland. Vergleicht man die Pro-Kopf-Einkommen oder die Punkte im „Human Development Index“ der Vereinten Nationen, so ergibt sich dasselbe Bild: Mit Luxemburg, Norwegen und Island stehen wiederum kleine Länder an der Spitze. Wenn Lebensstandard, Sterblichkeit und Zufriedenheit untersucht werden, schneiden kleinere Länder besser ab als größere, wobei die Vereinigten Staaten die prominente Ausnahme von der Regel sind.

          Nun kann man viel Kritisches zu den Rankings einzelner Länder sagen. Neuere analytische Untersuchungen zeigen deutlich, dass an ihnen mehrere Aspekte bescheiden sind: der diagnostische Gehalt, die therapeutische Wirksamkeit und die prognostische Leistungsfähigkeit. Aber trotz aller Kritik wird deutlich, dass im internationalen Vergleich kleinere Länder erfolgreich gegenüber den großen bestehen können. Ja, mehr noch: Anscheinend haben in den letzten Jahrzehnten die Vorteile der Kleinheit zugenommen.

          Was ist das Erfolgsgeheimnis?

          So sind seit 1989 in Europa 13 neue Staaten entstanden, im Wesentlichen durch den Zusammenbruch der riesigen Sowjetunion sowie der großen Kunststaaten Jugoslawien und Tschechoslowakei. Das Buch „Kleinstaatenkontinent Europa“ spricht sogar von 22 neuen Staaten, wenn man Europa geographisch etwas größer definiert. Offensichtlich gibt es für überdimensionierte politische Großstaaten so etwas wie einen natürlichen Zerfall, den politische und wirtschaftliche Fliehkräfte im gleichen Maß verursachen.

          Bild: F.A.S.

          Was ist das Erfolgsgeheimnis kleiner Länder? Und noch wichtiger: Wieso sind kleinere Länder vor allem in den letzten Jahren attraktiver geworden? Die Antwort findet sich in der Theorie der internationalen Wirtschaft und in der Praxis der Globalisierung.

          Kleine Länder ökonomisch ganz groß

          In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts sind die Entfernungen aus ökonomischer Sicht geschrumpft. Dafür waren Erfindungen in Verkehr und Telekommunikation wichtig, beispielsweise riesige Containerschiffe und das Internet. Aber auch die Politik hat dazu beigetragen: Im Rahmen der Welthandelsorganisation und ihres Vorgängers „Gatt“ haben die Staaten Handelshemmnisse abgebaut. Außerdem haben sie einen europäischen Binnenmarkt ohne Grenzen geschaffen.

          Rohstoffe, Vorleistungen und Endprodukte können über immer weitere Strecken immer billiger gehandelt werden. Immer mehr kopflastige Dienstleistungen lassen sich irgendwo auf der Welt erledigen und dann per Internet sekundenschnell zu Kunden auf anderen Kontinenten versenden. Immer mehr ökonomische Aktivitäten haben in den letzten zwanzig Jahren die Enge nationaler Märkte überwunden. Grenzüberschreitende Arbeitsteilung und Spezialisierung haben dramatisch zugenommen. Der Weltmarkt ist zum Maßstab geworden, der Preise und damit Kosten diktiert.

          Von der Globalisierung und der Öffnung nationaler Märkte haben kleine Länder in besonderem Maß profitiert. Bisher waren kleine Binnenmärkte in der Regel ein Nachteil. Nun können kleine Staaten auch jenseits ihrer Grenzen aktiv werden, wirtschaftlicher Erfolg hängt nicht mehr von nationaler Größe ab. Genauso nebensächlich ist es für Nestlé, Nokia und Novartis, dass sie nur einen Bruchteil ihres Gesamtumsatzes zu Hause erzielen. So hat die Globalisierung kleine Länder ökonomisch groß gemacht.

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