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Erklär mir die Welt (33) : Warum sind kleine Länder erfolgreicher als große?

  • -Aktualisiert am

Globalisierung: Die Politik wird wichtiger

Staaten wie Luxemburg und die Schweiz, Singapur und Hongkong haben die Chancen genutzt. Sie haben sich als Drehscheiben für den globalen Austausch von Gütern, Dienstleistungen und Kapital angeboten. Sie haben Regeln auf den Märkten abgeschafft und die Märkte damit flexibler gemacht. Sie haben ihr Tempo in Politik und Recht dem Tempo von Globalisierung und Strukturwandel angepasst.

So sind diese Länder interessant geworden für Firmen und Investoren aus aller Welt - aber auch für Menschen, die in Frieden und Freiheit leben und arbeiten wollen. Über den Erfolg im internationalen Standortwettbewerb entscheidet eben nicht mehr die Größe einer Volkswirtschaft, sondern ihre Attraktivität.

Die Erfolge der kleinen Länder offenbaren: Politik wird im Zeitalter der Globalisierung nicht weniger bedeutend, sondern wesentlich wichtiger. Firmen und Menschen können immer mehr Tätigkeiten irgendwo für irgendwen erledigen. Darum werden sie sich stärker fragen: Wo will ich wohnen und wo arbeiten? Wo erwirtschafte ich mein Geld, wo gebe ich es aus, und wo versteuere ich was? Wieso Deutschland, wieso nicht die Schweiz, Dänemark oder Ibiza?

Man kennt sich und kontrolliert sich

Wenn sich Menschen, Kapital und ganze Betriebe leichter verschieben lassen, dann wird der Erfolg von Ländern stärker durch die Politik bestimmt. Gute Politik wird durch Zuwanderung belohnt, schlechte durch Abwanderung bestraft.

Kleine Länder nutzen dann ihren Vorteil: Sie können rascher als große auf politische und technologische Veränderungen reagieren. Denn in kleineren Gruppen lässt sich schneller ein Konsens über neue Lösungen finden. Das verdeutlicht die „Logik des kollektiven Handelns“ von Mansur Olson: Kleine Gruppen können eher ein gemeinsames Ziel definieren als große, weil die Interessen ihrer Mitglieder stärker übereinstimmen und weil der Einzelne die Auswirkungen dieser Entscheidung leichter überblicken kann.

So kommt eher eine Umverteilung von Globalisierungsgewinnern zu den Verlierern zustande. Außerdem ist der soziale Druck größer: Man kennt sich und kontrolliert sich.

Förderalismus als Chance

Kein Wunder also, dass die Globalisierung in Neuseeland, Skandinavien und Österreich eher zu politischen Reformen geführt hat als in Frankreich, Italien und Deutschland - wobei wiederum die Vereinigten Staaten und Großbritannien Beispiele dafür sind, dass auch in großen Ländern Veränderungen möglich sind.

Was folgt daraus für Deutschland? Das Zauberwort heißt Föderalismus: Ein großes Land muss sich in kleinere ökonomische Einheiten teilen, die dann ebenso schnell dezentrale Lösungen umsetzen können wie die kleinen Länder. Das bedeutet für Deutschland: Die Bundesländer brauchen mehr Unabhängigkeit, vor allem für ihre Finanzen. Deutschland braucht Anreize, so dass jedes Bundesland und jedes städtische Ballungsgebiet für sich allein um Firmen und Steuerzahler aus aller Welt werben kann - mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zwischen den Steuern und ihrer Gegenleistung, dem öffentlichen Angebot.

Ein wirklicher Wettbewerbsföderalismus würde gute Standortpolitik belohnen und schlechte bestrafen. Dann könnten in Deutschland wohl nicht mehr überall gleichartige Lebensbedingungen gewahrt werden. Aber wäre es nicht besser, stattdessen Deutschland insgesamt so erfolgreich zu machen wie die kleineren Länder?

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