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Eon spaltet sich auf : Klimaschützer am Ziel

  • -Aktualisiert am

Eon spaltet sich auf. Für die Regierung ist das ein doppeltes Problem: Sie muss sich darum kümmern, dass der Rückbau der Kernkraftwerke klappt. Und sie muss erklären, wo der Strom herkommen soll, wenn kein Wind weht.

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          Ein unter Klimaschützern verhasster Versorger hisst die weiße Flagge. Eon, der größte deutsche Stromkonzern, überrascht Börse und Regierung gleichermaßen mit der Ankündigung, sich selbst zu zerlegen. „Eon Zukunft“ heißt der Teil des Unternehmens, der fortgeführt werden soll. Dieser soll sich nur noch um erneuerbare Energie, das Stromnetz und die Endkunden kümmern. In der Abwicklungseinheit „Eon Classic“ werden Atom- und Kohlekraftwerke, der Energiehandel und Erdgas zusammengefasst.

          Es ist nicht ohne Ironie, dass ein aus zwei ehemals staatlichen Versorgern gebildetes Unternehmen, das deutsche Politiker zu einem führenden privaten Stromkonzern in der Welt machen wollten, sich jetzt wieder aufspaltet, um künftig mit dem von der Politik mit viel Geld geförderten Ökostrom gute Geschäfte zu machen. Eon in alter Form ist ein Opfer des unheimlichen Erfolgs der deutschen Energiewende. Das Schicksal der ehemals hochprofitablen Atommeiler hat die Politik besiegelt; sie werden bald abgeschaltet. Strom aus Kohle ist in Verruf geraten wegen des Klimaziels der Regierung, das durch Kohlendioxidemissionen gefährdet ist, obwohl es dem Klima egal sein kann, ob ein Kohlekraftwerk in Deutschland oder Polen läuft.

          Weil durch aberwitzige Subventionen der Börsenstrompreis in den Keller gestürzt ist, rechnen sich sogar modernste Gaskraftwerke nicht mehr, was auch so manches Stadtwerk in die Bredouille bringt. Hilflos sucht auch RWE, der zweite große heimische Versorger, nach einer Antwort auf die Energiewende. Das ist auch deswegen schwierig, weil es in Deutschland keinen echten Markt für Strom mehr gibt: Die Regierung fördert mit rund 23 Milliarden Euro im Jahr Ökostrom, der an der Börse nicht mal zwei Milliarden wert ist.

          Hundert Jahre lang versorgten zentrale Großkraftwerke Wirtschaft und Haushalte zuverlässig mit Strom. Die Politik hat diesem Modell den Garaus gemacht. Für Eon ist die Aufspaltung ein Befreiungsschlag und eine Wette auf bessere Profite mit subventioniertem Grünstrom. Für die Regierung ist diese Zäsur ein doppeltes Problem: Sie muss nicht nur Sorge tragen, dass die neue Eon in der Zukunft den Rückbau der Kernkraftwerke finanzieren kann. Sie muss auch beantworten, wo künftig der Strom herkommen soll an Tagen, an denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.

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