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Aufspaltung von Eon : Kommt jetzt die Atom-„Bad-Bank“?

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Auch Eons Kohlekraftwerk in Grosskrotzenburg bei Frankfurt, hier aufgenommen mit einer Wärmebildkamera, kommt in die neue Gesellschaft. Bild: Reuters

Eon spaltet sich auf. Das Energiegeschäft mit Kohle und Atomkraft soll eine eigene Einheit werden. Die Grünen warnen, nun müsse der Steuerzahler die Kosten für den Rückbau der Kernkraftwerke schultern. Eon widerspricht.

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          Die Entscheidung des Energie-Konzerns Eon, Atomkraft und Kohle in einem eigenen Unternehmen zu bündeln und abzutrennen, schürt die Angst davor, dass auch in diesem Fall der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden könnte. „Ich befürchte, dass Eon eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss“, sagte Bärbel Höhn (Grüne), die den Umweltausschuss des Deutschen Bundestags leitet, laut einer Pressemitteilung.

          Mit dem Begriff „Bad Bank“ bezieht sich Höhn darauf, dass infolge der Finanzkrise Banken in Schieflage ihr Geschäft aufgespalten haben in einen ertragreichen Teil und einen, der sozusagen die Altlasten verwaltet und sich darum kümmert, dass sie möglichst reibungsfrei „entsorgt“ werden. Das Kapital für diese „Schrottverwalter“ kam nicht selten mindestens teilweise von den Staaten. Nicht nur für die Grünen-Politikerin und Atomkraftgegnerin Höhn drängt sich der Vergleich der Finanzbranche mit dem nun vorgelegten Plan von Eon auf - auch die Analysten von Bernstein Research bezeichnen die angekündigte Atom-Kohle-Abspaltung, die wohl 20.000 Mitarbeiter haben wird, als eine Art “Bad Bank“.

          Energiewirtschaft : Reaktionen auf Radikal-Umbau bei Eon

          14,5 Milliarden Euro Rückstellungen

          Höhn wiederum zweifelt daran, dass die bisher aufgebauten Rückstellungen Eons ausreichen. „Zwar gehen die milliardenschweren Rückstellungen für den Rückbau und die Entsorgung der AKWs auch auf die neue Gesellschaft über, aber schon heute ist absehbar, dass dies nicht ausreichen wird“, sagte sie und begründet: „In der neuen Gesellschaft sind hauptsächlich die absterbenden Geschäftsteile von Eon gebündelt. Sie werden nach heutigen Erkenntnissen nicht den Gewinn erwirtschaften können, um den Rückbau und die Entsorgung der still gelegten AKWs vollständig zu finanzieren.“ In einigen Jahren müsse schließlich der Steuerzahler für die Entsorgung des radioaktiven Abfalls Milliarden aufbringen müssen.

          Die Umweltschutzorganisation Greenpeace mahnte die Regierung dafür zu sorgen, dass das nicht passiert. „Bundeskanzlerin Angela Merkel muss bei diesem Umbau dafür sorgen, dass am Ende nicht Steuerzahler für die Entsorgung der Atomkraftwerke aufkommen, an denen auch Eon über Jahrzehnte Milliarden verdient hat“, heißt es in einer Mitteilung. Greenpeace plädiert dafür, dass die Atomkraftwerks-Betreiber ihre Rückstellungen für den Rückbau der Kraftwerke „insolvenzsicher in einen öffentlich rechtlichen Fonds“ überführen.

          Nach Ansicht des Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel (SPD) sind durch den geplanten Umbau Eons weder Arbeitsplätze gefährdet noch die Milliarden Euro umfassenden Atom-Rückstellungen. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeitsplätze in beiden Unternehmen gesichert bleiben“, sagte er in Berlin. Der Staat sei an einem Einstieg nicht interessiert, betonte der SPD-Chef.

          Er sagte auch, Sorgen, dass Eon sich beim Atomausstieg aus der Verantwortung ziehen könnte, seien unbegründet. Dies sei gesetzlich klar geregelt: „Wir passen auf, dass die Rückstellungen für den Rückbau von Atomkraftwerken und die nukleare Entsorgung gesichert bleibt.“ Gabriel sagte, er sei bereits am Wochenende vorab von Eon über die Pläne informiert worden. Er, Gabriel, sei erstaunt gewesen, wie rasch der Düsseldorfer Konzern nun auf die völlig veränderten Bedingungen am Energiemarkt reagiert habe.

          Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen verwahrte sich indirekt gegen die vorgebrachte Kritik. Die künftige Eon-Gesellschaft für die Stromerzeugung mit Atomkraft, Kohle und Gas hat seiner Überzeugung nach gute Aussichten am Markt. „Es ist noch nicht gesagt, wer in fünf Jahren der erfolgreichere ist - Eon oder die neue Gesellschaft“, sagte er in Düsseldorf während der Vorstellung der Pläne. Die neue Gesellschaft starte schuldenfrei und mit den kompletten Atomrückstellungen des Konzerns in Höhe von rund 14,5 Milliarden Euro.

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