https://www.faz.net/-gqe-zibq

Energiewende : Wie die DDR gegen den Stromausfall kämpfte

  • -Aktualisiert am

Stromintensiv: Produktion von Trabant-Autos in Zwickau Bild: picture-alliance/ dpa

In der DDR war der Strom oft knapp. Wie der Sozialismus versucht hat, mit den Kapazitätsproblemen fertig zu werden, beschreibt ein Zeitzeuge.

          Der geplante Übergang der Stromversorgung auf erneuerbare Energien in Deutschland bedeutet gleichzeitig einen Übergang von der bedarfsorientierten Versorgung auf einen versorgungsorientierten Bedarf: Nicht zu jedem (minutenbezogenen) Zeitpunkt des Jahres wird künftig genügend Erzeugungsleistung zur Verfügung stehen, um den momentanen Bedarf der Verbraucher zu decken.

          Damit entsteht eine für die Bundesrepublik neuartige Versorgungssituation, die in der DDR während der gesamten Zeit ihres Bestehens vorhanden war. Denn Kapazitätsengpässe bei der Stromerzeugung machten eine volle Deckung des Bedarfes während der Spitzenbelastungszeiten an Werktagen, besonders im Winterhalbjahr, unmöglich. Um Abschaltungen einzelner Gebiete zur Vermeidung eines Netzzusammenbruchs im ganzen Land zu verhindern, waren einschneidende Eingriffe in die Rechte der Verbraucher auf einen freien Strombezug erforderlich.

          Erforderliche Eingriffe des Staates

          Im Folgenden wird dargestellt, mit welchen gesetzlichen Maßnahmen die Netzstabilität in kritischen Zeiten aufrechterhalten wurde. Die erforderlichen Eingriffe des Staates in die Verbraucherrechte für den freien Strombezug und dessen freie Verwendung wurden gesetzlich in der „Energieverordnung (EnVO)“ verankert. Die letzte Fassung wurde 1988 erlassen. Sie wird für die folgende Analyse verwendet.

          Das Ziel der 1963 eingeführten jährlichen Planung des Elektroenergieverbrauchs bestand darin, zu jedem Zeitpunkt des Jahres trotz fehlender Erzeugungskapazitäten eine Bilanzgleichheit zwischen der Nachfrage und dem Angebot an elektrischer Leistung und Arbeit herzustellen. Dazu wurden alle Abnehmer (außer Bürger, Organisationen und religiösen Gemeinschaften) zur jährlichen Energieplanung verpflichtet.

          Hier hatten sie monatlich Menge und Spitzenleistung des Strombezugs zu beantragen. Das betraf alle Abnehmer mit einem maximalen Spitzenleistungsbedarf über 25 Kilowatt oder einer Bezugsmenge über 50.000 Kilowattstunden im Jahr. Neben den Industriebetrieben waren damit auch Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Genossenschaften, Handwerker und Handelseinrichtungen gesetzlich zur Planung verpflichtet. Der Plan wurde an das zuständige Energiekombinat zur Bestätigung eingereicht.

          Die Energiekombinate verdichteten die Pläne und meldeten die Summe des Bedarfs an elektrischer Leistung und Arbeit an das Ministerium für Kohle und Energie (MKE) als verantwortliches Organ für die zuverlässige Deckung des Bedarfs an Elektroenergie. Industriebetriebe reichten den Plan zur Bestätigung an ihr vorgesetztes Kombinat, dieses verdichtete diese und sandte sie an das zugehörige Industrieministerium zur weiteren Verdichtung und Übergabe an das MKE.

          Falls die Summe der Bedarfsanmeldungen die verfügbaren Deckungsmöglichkeiten überstieg, was der Regelfall war, wurden vom Ministerium Kürzungen vorgenommen und diese den Energiekombinaten und Industrieministerien als maximal zulässiger Bilanzanteil übergeben. Diese kürzten die Pläne der energieplanpflichtigen Abnehmer entsprechend und teilten ihnen ihre zulässigen Arbeits- und Leistungskontingente mit, deren Einhaltung zur gesetzlichen Pflicht wurde. Damit sollte erreicht werden, dass unter normalen Bedingungen eine störungsfreie Stromversorgung trotz Kapazitätsengpässen zu jedem Zeitpunkt gesichert werden kann.

          Weitere Themen

          Huawei-Bann wieder gelockert Video-Seite öffnen

          90 Tage Zeit : Huawei-Bann wieder gelockert

          Im Streit um den Ausschluss des Netzausrüsters Huawei vom amerikanischen Markt hat die amerikanische Regierung einen Aufschub von drei Monaten für Technologieexporte an das chinesische Telekommunikationsunternehmen gewährt.

          Ford streicht 7000 Stellen Video-Seite öffnen

          Sanierungsprogramm : Ford streicht 7000 Stellen

          Durch den Sparkurs sollen pro Jahr etwa 600 Millionen Dollar eingespart werden. Neben dem Abbau Tausender Stellen sind auch Werksschließungen nicht ausgeschlossen.

          Topmeldungen

          Seltene Erden : Pekings Waffe im Handelskrieg

          In jedem Smartphone, in jeder Hightech-Rüstung stecken Seltene Erden. 80 Prozent dieser Metalle kommen aus Fernost. Setzt China das nun als Druckmittel gegen Amerika ein?

          Brexit-Abstimmung : Was ist daran „kühn“?

          Die britische Premierministerin Theresa May will den Parlamentariern ein Angebot unterbreiten, das sie nicht ablehnen können. Doch dem Vernehmen nach wird es kaum der erhoffte große Wurf sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.